US-Präsidentschaftswahlen: Die Rückkehr von Mitt Romney

US-Präsidentschaftswahlen: Die Rückkehr von Mitt Romney

Zwei Mal hat sich Mitt Romney bereits erfolglos um das Amt des US-Präsidenten beworben. Es scheint ihm trotzdem Spaß gemacht zu haben.

Deutlicher ging es kaum: Vor Jahresfrist danach befragt, ob er sich 2016 neuerlich um die amerikanische Präsidentschaft bewerben wolle, schaltete Mitt Romney den verbalen Overdrive zu. "Oh nein, nein, nein - nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein“, erwiderte der Verlierer von 2012, der sich bereits 2008 erfolglos um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bemüht hatte.

Im Herbst 2014 bekräftigte Ann Romney den Verzicht des Gatten auf allerhöchste Weihen. Und auch sie sprach deutliche Worte: "Das ist vorbei, total vorbei, nicht nur für Mitt und mich, auch für die Kinder, vorbei, vorbei, vorbei.“

Vielleicht animiert der amerikanische Winter Romney zu mancherlei Träumereien am Kamin, auch treibt ihn sicherlich die Überzeugung, niemand sei mehr befähigt als er, die Geschicke der Weltmacht zu lenken. Jedenfalls möchte Mitt Romney zur allgemeinen Überraschung ein neues Opfer für Land und Leute bringen. Er wolle eine Bewerbung für das Amt des Präsidenten nicht mehr ausschließen, erklärte er unlängst.

Schnee von vorgestern?

Nicht überall stieß die Kehrtwendung auf Zustimmung: Romney habe seine Chance gehabt und sie vertan, wehrte das den Republikanern nahestehende "Wall Street Journal“ ab. Auch viele Parteifreunde waren wenig erbaut von der Aussicht auf Mitt 3.0. Der Mann sei Schnee von vorgestern, maulten sie.

Romney scherte es nicht: Er begann, alte Geldgeber in New York anzubaggern und vertrautes Personal zu aktivieren. Am Freitag vorvergangener Woche wurde er bei einem Palaver des Republikanischen Nationalkomitees im kalifornischen San Diego deutlich: Den Parteibonzen stellte sich ein runderneuerter Romney vor, ein Ritter für Arme und Entrechtete, der Barack Obama zunehmende soziale Ungleichheit sowie die Verarmung der Mittelschicht vorwarf.

Die Reichen seien reicher geworden und die Armen ärmer, konstatierte Romney und schwor, als Präsident werde er "die Menschen aus der Armut holen“. Romneys sozialer Anfall war umso erstaunlicher, als der ehemalige Gouverneur vor dem Zentralkomitee des amerikanischen Kapitals sprach: Keine Institution hat seit 1980 mehr für die üppigen Konten amerikanischer Reicher und Konzerne und weniger für die Armen getan als die Republikanische Partei.


Um die Armen mache ich mir keine Sorgen

Noch 2012 hatte sich Romney linientreu gezeigt und den brutalen Haushaltsentwurf seines Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan unterstützt, der drakonische Kürzungen und Einschnitte für Arme und Alte vorsah. Überhaupt hatte Romney vor seiner Läuterung allerlei Bedenkliches von sich gegeben und das Team Obama während des Wahlkampfs 2012 reichlich mit Munition versorgt. "Um die Armen mache ich mir keine Sorgen“, hatte er gesagt. Oder: "Ich mag es, wenn ich Leute feuern kann, die für mich Dienstleistungen erledigen.“

Dass der Kandidat 47 Prozent der Amerikaner als vom Staat abhängige Schnorrer verunglimpfte, half erst recht nicht. Nach verlorener Wahl trat Mitt überdies nach: Obama habe gewonnen, weil er den Wählern "Geschenke“ gemacht habe, sagte Romney.

Das Problem mit der Glaubwürdigkeit

Nun will es der Dauerbewerber wieder versuchen. Nicht dass sich seine Lebensumstände geändert hätten: Er besitzt noch immer ein Haus mit einem Aufzug für seine Automobile nebst anderen prächtigen Liegenschaften sowie einen prallvollen Geldspeicher - was ihn nicht unbedingt für das Amt des Präsidenten disqualifiziert. Die Kennedys waren schließlich auch reich. Aber kein Kennedy hätte jemals gesagt, die Armen seien ihm gleichgültig. "Romneys Problem sind schon immer seine Glaubwürdigkeit gewesen sowie sein mangelndes Verständnis für die Herausforderungen durchschnittlicher Amerikaner“, sagt Jim Messina, der 2012 Barack Obamas Wahlkampf leitete.

In einer vom TV-Sender CNN zitierten Umfrage sprechen sich 59 Prozent der Republikaner für ein Antreten des geübten Verlierers aus. Kein anderer Parteifreund erreicht diesen Wert. Eine andere Umfrage zeigt hingegen, wie die Gesamtheit der amerikanischen Wähler zu ihm steht: 27 Prozent positiv, 40 Prozent negativ.

Falls Romney 2016 antritt und entweder bei den parteiinternen Vorwahlen oder beim Hauptwahlgang abermals verliert, könnte er sich bitter wie einst Richard Nixon verabschieden: "Nixon zum Herumkicken habt ihr jetzt nicht mehr, weil dies meine letzte Pressekonferenz ist“, hatte sich der Altmeister tiefempfundener Ressentiments 1962 nach seiner Niederlage bei den kalifornischen Gouverneurswahlen von der Presse verabschiedet.

Sechs Jahre später feierte er ein rasantes Comeback.