Karin Kneissl, damals Außenministerin Österreichs, steht an einem Rednerpult
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Womit verdient Karin Kneissl in Russland ihr Geld?

Ein Leak zeigt, wie Österreichs ehemalige Außenministerin im Dunstkreis des Kreml tätig ist – und was sie sich dafür bezahlen lässt.

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Im März 2022, kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, ließ die EU-Kommission den russischen Auslandssender „Russia Today“ („RT“) verbieten. Der Grund: Der Sender sei ein „Kreml-Sprachrohr“, das verzerrt über die Wirklichkeit berichtet, darunter auch über den Krieg, und damit ein zentraler Baustein russischer Propaganda. 

Ein Jahr später, 2023, zog eine prominente Österreicherin nach Russland, die ehemalige Außenministerin (2017-2019) Karin Kneissl. Sie ist seit 2020 Kolumnistin bei „RT“ und äußert sich dort immer wieder abschätzig über den Westen, aus dem sie als vermeintlicher „politischer Flüchtling“ ins Exil fliehen musste. Im Juni 2021 bekam Kneissl auf Vorschlag der russischen Regierung einen Posten als Aufsichtsrätin im staatsnahen Ölkonzern „Rosneft“. Sie war dort bis Mai 2022 tätig, also auch noch Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Der Job soll Medienberichten zufolge mit mindestens 500.000 Dollar pro Jahr dotiert gewesen sein. 

Außenministerin Kneissl tanzt 2018 auf ihrer Hochzeit mit einem prominenten Gast: Russlands Präsident Wladimir Putin
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Tanz mit Putin 2018 

Kneissls Nähe zu Russland begann bereits Jahre vorher. Im Jahr 2018 gingen Bilder von ihrer Hochzeit um die Welt. Sie zeigten die damals amtierende Außenministerin beim Walzertanz mit Putin, danach macht sie einen Knicks vor ihrem Gast. Der russische Präsident brachte Kneissl damals als Geschenk Saphirohrringe im Wert von rund 50.000 Euro mit. Diese liegen allerdings mittlerweile in einem Tresor der Republik, weil das Außenministerium sie als Eigentum des Staates ansieht. Kneissl soll sich damals mit dem Ministerium um den teuren Schmuck gestritten haben.

Mittlerweile braucht sie die Ohrringe vielleicht gar nicht mehr. In Russland hat Kneissl gleich mehrere gut bezahlte Jobs ergattert. Das berichtet das russische Exilmedium „Novaya Gazeta Europe“ in Kooperation mit dem „Standard. 

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenministerin Karin Kneissl im Rahmen der Enthebung der Bundesregierung aus dem Amt
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90.000 Euro allein von „RT“

Allein von „RT“, dem in der EU verbotenen Sender, soll Kneissl zwischen Februar 2024 und Juli 2025 umgerechnet rund 90.000 Euro erhalten haben. Auch nach dem EU-Verbot war sie dort als Expertin beziehungsweise Kolumnistin, tätig.

Die Unterlagen, die dem „Standard“ und „Novaya Gazeta Europe“ vorliegen, schlüsseln nicht auf, wie viel Kneissl für einzelne Beiträge erhält. Allerdings kann nachvollzogen werden, dass sie nach der Veröffentlichung eines besonders kontroversen Artikels rund 12.700 Euro auf ihr Konto überwiesen bekam. Darin hatte Kneissl den deutschen Verteidigungsminister mit Hitlers Propagandaminister Josef Goebbels verglichen. 

Karin Kneissl, damals Außenministerin, tritt Russlands Außenminister Lavrov in Moskau.
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Ein Büro an der Petersburger Universität 

Darüber hinaus bekommt Kneissl auch noch Geld von Einrichtungen, die von staatlicher Seite finanziert werden. An der Universität St. Petersburg wurde für sie ein eigenes Institut eingerichtet: der Thinktank „Geo-Political Observatory for Russia's Key Issues“, kurz „GORKI“-Institut. Gegenüber der BBC behauptete Kneissl, dass sie an der Universität mehr akademische Freiheit genieße als in Österreich.

Als Leiterin des Thinktanks soll Kneissl laut dem Leak bislang rund 22 Millionen Rubel erhalten haben, also umgerechnet mehr als 244.000 Euro.

Auftritte im staatlichen Fernsehen 

Auch ihre Auftritte im russischen Staatsfernsehen wurden fürstlich bezahlt – mit umgerechnet rund 2.200 Euro pro Auftritt. Allein zwischen August 2024 und September 2025 war Kneissl sechsmal auf Sendung und kam so auf rund 13.000 Euro. Der TV-Sender, auf dem Kneissl regelmäßig zu Gast ist, heißt „Perwy Kanal“ (russisch für „Erster Kanal“) und steht seit 2022 unter US-Sanktionen. Der Sender gilt als staatsnah; sein Geschäftsführer steht auf einer EU-Sanktionsliste.

Ihre Medienauftritte nutzte Kneissl immer wieder, um die EU in ein schlechtes Licht zu rücken. „Man darf keine klugen Fragen mehr stellen, man darf nichts mehr diskutieren“, sagte sie etwa in einer Sendung über die Frage, ob in Europa noch Meinungsfreiheit herrsche. 

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.