Zuerst Griechenland, jetzt Spanien: Muss sich Europa vor einem Linksruck fürchten?

Proteste in Barcelona: „Wir sind die mutige Klasse“, steht auf
den Transparenten der Empörten.

Proteste in Barcelona: „Wir sind die mutige Klasse“, steht auf den Transparenten der Empörten.

Erst eroberten sie Athen, jetzt Barcelona und Madrid. Politisch unerfahrene Aktivisten und Bürgerinitiativen bringen Europas politisches System ins Wanken. Müssen wir uns vor der Linkswende fürchten?

Sonntag, 24. Mai. Touristen kommen so gut wie nie auf die Plaza de Ángel Pestaña in Barcelona, am nördlichen Stadtrand. Hier, weit entfernt von der hübschen Sagrada Familia und dem Park Güell, leben die Armen und die Ausländer. Heute zieht es trotzdem halb Barcelona hierher. Das Linksbündnis Barcelona en Comu („Für ein gemeinsames Barcelona“) hat auf der Plaza de Ángel Pestaña etwas zu feiern.

Etwas tut sich auf diesem Platz, etwas tut sich in Europa. Die Menschen begehren auf gegen die alten Systeme. Sie verlangen nach etwas Neuem, doch man weiß noch nicht, ob das eher Chancen oder Gefahren bringt. Es führt jedenfalls zu Situationen, die vor einigen Jahren undenkbar gewesen wären. So wie heute, auf dieser Plaza.

„Ja, wir sind unerfahren – unerfahren in Korruption"

Die Regierungen der Eurozone halten an einer eisernen Sparpolitik fest, auch im achten Jahr der Wirtschaftskrise, die weite Teile des Kontinents in Griff hat. Die spanische links-basis-demokratische Podemos-Partei kann – wie Syriza – nur den Weg der Konfrontation mit Europa wählen. Oder man gibt zentrale Vorhaben auf und verliert damit seine Glaubwürdigkeit.

„Ja, wir sind unerfahren – unerfahren in Korruption, unerfahren im Fahren von Dienstwägen“, sagt Colau auf der Bühne auf der Plaza de Ángel Pestaña nach ihrem Wahlsieg vor jubelnden Fans. Unerfahren sind die jungen Initiativen auch in schwierigen Verhandlungen mit dem Rest Europas. Sie werden es wohl bald lernen müssen.

SPANIENS BARRIKADE

Protestparteien wie die links-basis-demokratische Podemos räumen bei Wahlen ab. Im November könnten sie die konservative Regierung stürzen.

GRIECHISCHER WIDERSTAND

In Athen regiert seit Anfang des Jahres die linke Syriza. Die Kreditvereinbarungen mit der Eurozone verhandelt sie nach jahrelanger Wirtschaftskrise neu. Mit harten Bandagen von beiden Seiten.

SCHÄUBLES BÜRO

Die deutsche Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel gilt als wichtigster Verfechter jenes Sparkurses, gegen den in Südeuropa nun revoltiert wird.

EU-SPARPOLITIK AN DER KIPPE

Im Fall von Griechenland gilt ein Euro-Austritt noch als eventuell verkraftbar, bei der viertgrößten Euro-Wirtschaftsmacht Spanien jedoch definitiv nicht mehr. Ein Podemos-Sieg könnte Europas bisherige Wirtschafts- und Krisenpolitik zu Fall bringen.

Lesen Sie die ganze Geschichte von Anna Giulia Fink, Joseph Gepp, Salomea Krobath (Barcelona) und Manuel Meyer (Madrid) in der aktuellen Printausgabe oder als E-Paper (www.profil.at/epaper)!