Aufgeheizt und durstig: Erwärmt das Google-Rechenzentrum die Enns?
Während es immer heißer wird, Gemeinden zum Wassersparen aufrufen und teurer Strom in Klimageräte fließt, entsteht in Oberösterreich ein Riesenprojekt, das beides fressen wird: Das Google-Rechenzentrum.
Die potenziellen Auswirkungen auf die Stromnetze durch die geplanten Rechenzentren in Österreich können Sie hier nachlesen. Doch die Menschen im oberösterreichischen Kronstorf, wo Googles Hyperscaler entsteht, wie diese besonders großen Projekte heißen, beschäftigt noch etwas anderes. Und zwar die Auswirkungen auf das Grundwasser, die lokalen Ökosysteme und die Landwirtschaft.
50 Hektar Fläche nimmt das Mega-Projekt des US-amerikanischen Internetriesens ein, 42.000 Quadratmeter werden verbaut. Herzstück sind die vier Rechenhallen, in denen dann die Reihen an Computern stehen. Ziel des Zentrums ist laut dem Techriesen, der wachsenden Nachfrage nach Googles digitalen Diensten und KI-Angeboten gerecht zu werden. Doch das Wasser, das für die Kühlung nötig ist, und die Abwärme, die die vielen Server in den Hallen produzieren, bereiten lokalen Bewegungen und Umwelt-NGOs Sorgen.
Mit 30 Grad zurück in die Enns
Denn die Rechner laufen rund um die Uhr, und jede Person, der schon einmal der Laptop am Schoß heiß geworden ist, kann sich vorstellen, welche Hitze das erzeugt. Deswegen müssen sie die ganze Zeit gekühlt werden, und zwar mit Wasser aus der Enns und der Traun. Bei der Bürger:inneninitiative Rechenzentrum Kronstorf und der Umwelt-NGO Global2000 lässt das aus mehreren Gründen die Alarmglocken schrillen. 200 Liter pro Sekunde darf Google mit mehreren Brunnen entnehmen. Diese Zahl fiel zum ersten Mal im Dunkelkammer-Podcast im April, profil liegen Unterlagen vor, die sie bestätigen.
Die Bürgerinitiative ist besorgt, denn die Grundwasserspiegel sinken durch die Klimakrise bereits. Google verspricht auf Nachfrage nur relativ vage, weltweit bis zum Jahr 2030 mehr Wasser zurückzuführen, als verbraucht wird. Der US-Konzern kündigt gegenüber profil an, dem Landesfischereiverband „bedeutende Finanzmittel bereitzustellen“, die das Ökosystem des Flusses stützen sollen.
Es geht aber nicht nur darum, wie viel Wasser Google entnimmt. Es geht auch darum, wie es zurückgeführt wird. Hier findet sich in einem Bescheid aus 2025 eine bemerkenswerte Zahl: Es darf mit bis zu 30 Grad zurück in den Fluss geleitet werden. Das droht das Ökosystem zu destabilisieren, befürchtet Global2000. Denn bereits jetzt heizen sich Gewässer wegen des Klimawandels immer weiter auf, was Flora und Fauna bedroht.
Rechenzentren und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch?
Derweil gäbe es verschiedene Kühlsysteme, auch solche, die die ganze Zeit dasselbe Wasser in einem geschlossenen Kreislauf zirkulieren lassen, anstatt, wie in Kronstorf geplant, Wasser aus dem Fluss zu nehmen und zurückzuleiten. Solche Systeme sind aber meistens teurer und aufwendiger in der Planung, als einfach Wasser aus dem Fluss zu nehmen. Das erklärt Ivona Brandic, Professorin an der Technischen Universität Wien. Sie leitet die Arbeitsgruppe für Computational Sustainability, die sich unter anderem damit beschäftigt, wie große Rechensysteme möglichst nachhaltig und ressourceneffizient arbeiten können.
Die Abwärme, die dann trotz Kühlung noch über bleibt, kann man nutzen. In Wien wird die Klinik Floridsdorf mit Abwärme eines Rechenzentrums geheizt. Google sagt auf profil-Anfrage, dass man in Oberösterreich bereits in konkreten Gesprächen mit einem möglichen Abnehmer sei.
Die Bürger:inneninitiative und Global2000 sind allerdings skeptisch: Es fehle immer noch die nötige Infrastruktur für den Anschluss an die Fernwärme, obwohl Google bereits 2008 die Gründe erworben hat und damit das Projekt schon länger in Planung sein dürfte.
In Oberösterreich müssen Rechenzentren ab einer gewissen Größe laut Energieeffizienzgesetz Abwärme oder andere Formen der Wärmerückgewinnung möglich machen, worauf auch die Grünen vor Kurzem wieder in Bezug auf das Google-Zentrum hinwiesen.
Beim Aufbau von Rechenzentren, beschreibt die TU-Professorin Brandic, ginge es momentan um sehr simple strategische ökonomische Überlegungen: „Wir befinden uns jetzt in einer Phase, wo viele Big Tech-Firmen Rechenzentren bauen, weil die Arbeitslast der KI-Modelle steigt“ Sie kritisiert allerdings: Um Details kümmert man sich dann oft später. In Kronstorf befürchtet die Bürger:inneninitiative genau das: Dass ihre Sorgen um ihr Grundwasser ein Nachsatz sind.