Dranbleiben war dieses Jahr keine Selbstverständlichkeit
Dieses Jahr war keines, das man einfach so hinter sich lässt. Es war eines, das viele von uns müde gemacht hat. Die Nachrichtenlage war selten leicht, oft bedrückend, manchmal kaum auszuhalten. Kriege, die nicht enden wollten und näher rücken. Demokratien, die von außen unter Druck geraten und von innen ausgehöhlt werden. Eine politische Weltlage, in der Gewissheiten schneller verschwinden, als neue entstehen.
Auch in Österreich hat 2025 Spuren hinterlassen. Fronten haben sich verhärtet, der Ton ist rauer geworden, das Vertrauen in staatliche Institutionen brüchiger. Vieles, was früher undenkbar schien, wird heute offen ausgesprochen oder zumindest in Kauf genommen. Sich damit auseinanderzusetzen, kostet Energie. Wegzusehen wäre einfacher.
Dass Sie dennoch drangeblieben sind, ist nicht selbstverständlich - das ist uns durchaus bewusst.
Es ist manchmal zach!
profil begleitet und führt seine Leserinnen und Leser durch nicht gerade leichte Zeiten. Unsere Arbeit führt uns oft dorthin, wo es unbequem wird: zu Machtmissbrauch, politischer Verantwortungslosigkeit, verdeckten Netzwerken, Korruption, Spionage und systematischen Angriffen auf demokratische Grundwerte. Wir wissen, dass das keine Lektüre für zwischendurch ist. Und wir wissen auch, dass man diese Texte manchmal lieber nicht lesen würde. Aber genau deshalb braucht es sie.
Professioneller Journalismus ist keine Wellness-Anwendung. Er ist manchmal anstrengend - für jene, die ihn machen, und für jene, die ihn konsumieren. 2025 hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig kritische Öffentlichkeit ist. Weltweit geraten Medien unter Druck, ökonomisch wie politisch. Auch persönliche Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten nehmen zu. Dass unabhängige Berichterstattung dennoch möglich ist, liegt nicht zuletzt an einem Publikum, das sie trägt. Wir können es tun, weil Sie uns tragen!
Viele von Ihnen begleiten profil seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. Sie schreiben uns, widersprechen uns, weisen uns auf Fehler hin, diskutieren mit uns. Diese Form der Auseinandersetzung ist kein Nebengeräusch - sie ist Teil dessen, was Demokratie ausmacht. Öffentlichkeit lebt vom Dialog, nicht von Zustimmung - wir versuchen, Ihnen zuzuhören, damit wir unsere Arbeit verbessern können. Danke, dass Sie sich auch immer wieder die Zeit genommen haben, uns zu kritisieren. Und danke auch, dass Sie, liebe Abonnentinnen und Abonnenten unsere Arbeit finanzieren. Wir wollen und können zusammen einen Unterschied machen!
Wir schaffen das!
Es gibt also bei aller Schwere dieses Jahres Gründe, nicht hoffnungslos zu werden. Demokratie ist nicht bequem, aber sie ist lernfähig. Wahrheit braucht Zeit, setzt sich aber langfristig durch. Und Öffentlichkeit wirkt - oft leise, manchmal spät, aber nachhaltig. Dass Missstände heute benannt werden, liegt auch daran, dass es Menschen gibt, die nicht wegsehen wollen.
Weihnachten ist ein Moment, um kurz innezuhalten. Um Abstand zu gewinnen zu einem Jahr, das viel verlangt hat. Um Kraft zu sammeln für das, was kommt. Auch 2026 wird kein ruhiges Jahr werden. Aber es wird eines sein, in dem es sich lohnt, weiter genau hinzusehen, Fragen zu stellen und nicht müde zu werden.
Danke für Ihr Vertrauen. Danke für Ihr Durchhaltevermögen. Danke dafür, dass Sie sich mit uns auf diese oft unbequeme Reise einlassen.
Ich wünsche Ihnen ruhige Feiertage, Zeit für sich und für Ihre Liebsten - und einen klaren, zuversichtlichen Start ins neue Jahr.
Ich freue mich auf Sie!