Sarah
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Hilfsorganisationen befürchten Sozialkürzungen im Doppelbudget, die vor allem Kinder treffen könnten. profil sprach mit einer jungen Wienerin, die in Armut aufgewachsen ist - und den Weg heraus fand.

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Nennen wir sie Sarah. Ihren echten Namen will sie nicht veröffentlicht wissen, sehr wohl aber erzählen, wie Menschen wie sie leben. Wer die Eckdaten von Sarahs Biografie vernimmt, der würde niemals auf die Idee kommen, dass sie eine Kindheit und Jugend in Armut verbracht hat: Sie ist 20 Jahre alt, Absolventin einer Wiener Handelsakademie, Studierende der Universität Wien, derzeit auf Auslandsjahr in Irland.

Was klingt wie der typische Werdegang eines wohlbehüteten Mädchens, ist in Wahrheit Resultat staatlicher Hilfe und enormem persönlichen Einsatzes. Sarah ist eine Überlebenskünstlerin, die von klein auf dazu genötigt war, Normalität zu simulieren.

So unscheinbar Sarahs Leben heute wirkt, so brutal ist ihre Vergangenheit: Bis zu ihrem fünften Lebensjahr wuchs die Österreicherin bei ihrer alkoholkranken Mutter auf, erzählt sie profil. Danach kommt sie zu ihrem Vater, der sie sexuell missbraucht; er wird dafür gerichtlich verurteilt. Bis zur Volljährigkeit lebt sie schließlich in der Obhut anderer Verwandter.

Gegessen wurde, was noch da war

In jedem ihrer vielen Familien war der Kühlschrank zu Monatsende leer, erzählt sie. „Gegessen wurde, was noch da war: Nudeln, Toast, Kartoffeln“. Kein Erwachsener, der sich je um sie gekümmert hatte, ging arbeiten. Sie alle waren auf Sozialhilfe angewiesen. Das reichte fürs Wohnen und das blasse Essen in den letzten Tagen des Kalenders.

Dafür ging Sarah selbst bereits als 15-Jährige arbeiten, etwa um sich Schulausflüge oder Sprachreisen leisten zu können; nie weniger als zehn Stunden, manchmal auch 20 Stunden. Sie kellnerte in Cafés, servierte beim Catering oder mimte einen Sommer lang Gastgeberin in einer Wiener Bowlingbahn.

Die Arbeit war das eine, sagt Sarah – das ständige Preise- und Zahlen-Wälzen und Kalkulieren das andere. „Wo kann ich etwas sparen, wie kriege ich etwas günstiger?“ Die Motivation dafür, sich als Schülervertreterin zu engagieren, kam vor allem daher, dass sie als solche ein gratis Ticket für den Schulball bekam – und sich somit wieder etwas sparen konnte.

Die politische Diskussion in Österreich verfolgt sie auch aus Irland, sagt Sarah. Wie man mit noch weniger Geld auskommen soll, könne sie sich kaum vorstellen. „Ich kriege echt Bauchweh, wenn ich daran denke, dass in diesem Bereich gekürzt werden könnte. Ich weiß einfach, dass es noch viele Kinder gibt, die auch heute genauso leben, wie ich damals gelebt habe.“

Nina Brnada

Nina Brnada

ist Redakteurin im Österreich-Ressort. Davor Falter Wochenzeitung.