Doppelter Schock für England in der "Nacht der Schande"

Gutes Match mit enttäuschendem Ende für England

Gutes Match mit enttäuschendem Ende für England

Geschockt durch die Hooligan-Gewalt und vom Last-Minute-Ausgleich machten sich die Engländer auf den Weg zurück in ihr EM-Quartier. Die "Nacht der Schande im Stade Velodrome" ("Mail on Sunday") von Marseille beim 1:1 gegen Russland hinterließ sichtbar Spuren bei den "Three Lions". Durch den Ausgleich in der 92. Minute steht England weiter ohne Auftaktsieg bei einer Fußball-EM da.

Russlands Kapitän Wassili Beresuzki schockte die "Three Lions" in der Nachspielzeit und erzielte per Kopf das schmeichelhafte 1:1 (0:0) in einer Partie, die vor und nach dem Abpfiff von Ausschreitungen überschattet wurde. Eric Dier hatte die mit einem extrem offensiven 4-1-2-3-System lange Zeit überlegenen Engländer in der 73. Minute mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung gebracht.

"Natürlich ist es enttäuschend. Wir waren so nah an einem ganz wichtigen Sieg dran. Unsere Emotionen gingen ganz schnell von ganz oben nach unten", sagte der Torschütze. Sein Trainer Roy Hodgson meinte: "Zu sagen, dass wir bitter enttäuscht sind, wäre untertrieben. Wir werden die Erinnerung an das Last-Minute-Tor hoffentlich hinter uns lassen." Angetrieben von Kapitän Wayne Rooney in ungewohnter Mittelfeldrolle fehlte aber zu oft die letzte Genauigkeit. "Es ist sehr enttäuschend, dass wir nicht gewonnen haben", betonte auch Rooney. "Wir hatten unsere Chancen - aber das ist Fußball, wir müssen sie auch nutzen."

Das englische Team verpasste damit auch im neunten Anlauf einen Sieg zum EM-Start. "Oh, warum werden wir immer bestraft, wenn wir träumen?", fragte der "Mirror". Weite Teile des Auftritts gegen Russland machen jedoch Mut für die weiteren Aufgaben. Bereits am Donnerstagnachmittag (15.00 Uhr) in Lens steht für die Engländer das "Bruder-Duell" mit Wales und Real-Madrid-Superstar Gareth Bale auf dem Programm. Die Waliser könnten nach dem 2:1-Auftakterfolg über die Slowakei mit einem weiteren Sieg bereits das Achtelfinalticket lösen.

Während sich das Remis für die Engländer wie eine Niederlage anfühlte, gehen die Russen gestärkt in das Match gegen die Slowaken. Trainer Leonid Sluzki lobte seine Spieler, die auch dem Druck nach dem Gegentor standgehalten hätten. "Sie haben bis zum Ende alles gegeben und noch einen Punkt geholt. England hat das Spiel dominiert, aber wir haben es geschafft, sie aufzuhalten", resümierte Sluzki, nach dessen Amtsantritt im vergangenen Sommer die "Sbornaja" noch als Zweiter hinter Österreich den Sprung zur EURO nach Frankreich geschafft hatte.

Die Freude über das Remis wurde aber getrübt, denn nach dem späten Ausgleich gab es auch im Stadion hässliche Bilder, weil russische Zuschauer auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losgestürmt waren und auf diese wild einprügelten. Einige Anhänger mussten sogar in den Innenraum flüchten, um sich in Sicherheit zu bringen. "Zurück im dunklen Zeitalter?", fragte die "Mail on Sunday" angesichts der Erinnerungen an frühere Vorkommnisse.

Im Zuge der teils extrem brutalen Fan-Zusammenstößen vor dem Spiel war am Samstag ein britischer Anhänger lebensgefährlich verletzt worden. Sluzki meinte, man habe von den Ausschreitungen im Vorfeld der Partie nichts mitbekommen. So etwas habe im Fußball aber nichts zu suchen. Ein Sprecher des englischen Fußball-Verbandes (FA) appellierte in einer nach dem Spiel verlesenen Erklärung an die englischen Fans, ihre Mannschaft respektvoll zu begleiten und verurteilte die Randale.

Insgesamt drei Tage hatten gewaltbereite Fans beider Teams und Einheimische in der zweitgrößten Stadt Frankreichs gewütet. "Es gibt niemals eine Entschuldigung für diese gedankenlosen Idioten. Sie bringen Schande über uns alle", kritisierte der "Mirror" die Krawalle englischer Fans rund um den Alten Hafen von Marseille.