Ilsanker empfahl sich für weitere Auftritte im ÖFB-Team

Ilsanker lieferte tadellose Partie ab

Ilsanker lieferte tadellose Partie ab

So viele Umstellungen in einem Pflichtspiel hat es bei Marcel Koller als ÖFB-Teamchef wohl noch nie gegeben. Mit drei neuen Spielern und einer an fünf Positionen veränderten Startformation erkämpfte sich Österreich am Samstagabend bei der Fußball-Europameisterschaft ein glückliches 0:0 gegen Portugal.

Verteidiger Sebastian Prödl und die Mittelfeldspieler Stefan Ilsanker und Marcel Sabitzer erfüllten ihre Aufgaben der defensiver ausgerichteten ÖFB-Auswahl. Prödl stand in der Innenverteidigung seinen Mann, vor allem aber Ilsanker überzeugte an der Seite von Julian Baumgartlinger im defensiven Mittelfeld.

"Bei einer EURO mitzuspielen, davon träumt man schon als kleines Kind. Und dann noch gegen den vermutlich besten Spieler auf der Welt zu spielen, das ist schon etwas Besonderes. Das pusht noch mal extra", freute sich Ilsanker über das Duell mit Cristiano Ronaldo und Co., sein bisheriges Karriere-Highlight.

Noch glücklicher war 27-Jährige natürlich, weil er und seine Kollegen mit dem Punktgewinn die Aufstiegschance gewahrt haben. "Wir haben die Null gehalten, uns die Möglichkeit erhalten, in die nächste Runde zu kommen. Jetzt brauchen wir noch ein geiles Spiel gegen Island, dann ist noch alles drin", betonte der Leipzig-Legionär.

Ilsanker kam in einer schwierigen Zeit nach der Niederlage gegen Ungarn in die Startelf, doch daran verschwendete er keinen Gedanken. "Ich habe schon öfter bewiesen, dass man auf mich zählen kann. Ich zerreiße mich immer für das Team", erklärte der Salzburger. Doch auch seine Kollegen hätten "gekämpft, gebissen, gefightet".

Das war auch notwendig gegen Offensiv-Kaliber wie Ronaldo, Nani, Quaresma oder Joao Moutinho. "Die Portugiesen waren unheimlich stark am Ball, sie haben uns lange laufen lassen. Manchmal muss man auch gegen den Ball gut arbeiten, defensiv sind wir sehr gut gestanden. Wir haben versucht, die Lücken zwischen Verteidigung und Mittelfeld klein zu halten, wollten ihnen so die Spielfreude ein bisschen nehmen. Das ist uns ganz gut gelungen. Das Spielglück haben wir dann auch gehabt beim Elfmeter", analysierte Ilsanker.

Mit Ronaldo hatte er es mehrmals zu tun, sowohl aus dem Spiel heraus, aber vielmehr bei Standardsituationen. Der 1,89 m große Mittelfeldspieler war bei Eckbällen auf den dreifachen Weltfußballer angesetzt. "Jeder hat bei Standardsituationen eine Spezialaufgabe, bei mir war es halt der Cristiano. Das war nichts Besonderes. Aber es ist brutal schwer gegen so einen Spieler, der so viel Dynamik mitbringt", meinte Ilsanker, dem Ronaldo bei zehn Eckbällen einmal entwischte. Doch Robert Almer hielt auch dessen Kopfball. "Dann haben wir immer noch einen guten Torhüter im Tor", sagte Ilsanker mit einem Grinsen.

Auch Prödl lieferte sich einige Duelle mit Ronaldo, auch wenn sich der Portugiese dem Innenverteidiger oft entzog. "Er nimmt sich gerne Freiheiten, zieht sich oft zurück, versucht, keinen Körperkontakt zu haben. Daher kannst du ihn schwerer greifen", erklärte Prödl.

Im Verbund wurde versucht, den Superstar zu bearbeiten. "Er ist nicht umsonst 100 Mio. Euro wert, aber wir haben es auch nicht so schlecht gemacht gegen ihn. Wir haben die Räume eng gemacht, das taktische Konzept von zehn Metern nach vorne und hinten gut eingehalten", stellte der Watford-Legionär fest und forderte die gleiche Konsequenz auch gegen Island. "Wir werden das nochmal ansprechen, dass die Defensivarbeit so verrichtet werden muss vom gesamten Team wie heute. Wir müssen auch die Offensive suchen, dürfen aber die Kompaktheit nicht aufgeben."

Auch für ihn zählt in erster Linie die Freude, dass man den Aufstieg nun wahrscheinlich wieder in den eigenen Händen hat. "Wir haben sicher nicht die Leistung gezeigt, die wir in der Qualifikation gezeigt haben. Aber wir sind zurück im Turnier, das ist das Wichtigste. Ich hoffe, dass uns das Selbstvertrauen gibt", erklärte Prödl.

Sabitzer zeigte am rechten Flügel körperliche Präsenz, offensiv konnte er aber kaum Akzente setzen. Das soll sich nun im Entscheidungsspiel gegen Island ändern. "Wir müssen nach vorne präziser werden, ein, zwei Kontakte mehr einstreuen, damit wir Sicherheit bekommen und vorne Nadelstiche setzen. Das wird am Mittwoch entscheidend, denn da brauchen wir unbedingt drei Punkte", sagte er.

Ob Sabitzer, Ilsanker und Prödl trotz des Punktegewinns gegen Portugal dazu gegen Island beitragen dürfen, ist allerdings offen. Prödl könnte Abwehrchef Aleksandar Dragovic Platz machen müssen, dessen Sperre abgelaufen ist.

Ilsanker würde aus der Mannschaft rücken, wenn Alaba nach dem verpatzten Experiment als offensivster Mittelfeldspieler wieder in die defensivere Position zurückkehrt. Der Einsatz von Sabitzer hängt in erster Linie davon ab, ob Martin Harnik wieder Solospitze spielt oder Marc Janko seinen angestammten Platz einnehmen wird.