Neuer vs. Buffon - K.o.-Duell der Tormann-Giganten

Gianluigi Buffon hält Marcel Neuer für besser als sich

Gianluigi Buffon hält Marcel Neuer für besser als sich

Manuel Neuer oder Gianluigi Buffon? Für die italienische Tormannlegende steht ohne Zweifel fest, wer die Nummer 1 ist. "Definitiv Neuer. Er ist jünger als ich, er ist ein außergewöhnlicher Torhüter", schwärmte der Weltmeister von 2006 über den deutschen WM-Helden von 2014.

"Ich bin zu alt für solche Vergleiche. Mich interessiert nur, dass niemand anders sich wünscht, an meinem Platz zu sein, wenn ich das Trikot trage", betonte Buffon vor dem Viertelfinal-Schlager am Samstagabend (21.00 Uhr) in Bordeaux gegen Deutschland.

Der 38-Jährige, der vor den Spielen die Nationalhymne lautstark mitsingt wie kein Zweiter, übte sich vor dem Duell der Tormann-Giganten in Understatement. An einen Trick des Routiniers glaubt Neuer nicht. Die Komplimente habe man sich "schon in der Vergangenheit hin- und hergeschoben", erinnerte der deutsche Schlussmann lächelnd. "Aber ich glaube nicht, dass es am Samstag um die Torleute gehen wird, sondern um Italien gegen Deutschland."

Doch gerade in den entscheidenden Kräftemessen auf dem Weg zum Titel stehen die Torhüter ganz besonders im Fokus. Die beiden sind als Kapitäne bei der EM in Frankreich noch unbezwungen. Neuer jagt mit nunmehr 450 Minuten ohne Gegentreffer den acht Jahre alten DFB-Rekord von Jens Lehmann, der vor der EM 2008 insgesamt 681 Minuten keinen Gegentreffer kassierte.

"Aber wir sind keine Rekordjäger, sondern versuchen Ergebnisfußball zu spielen - gerade in der K.o-Phase", betonte Neuer. Seit 2003 machen die zwei Tormann-Ikonen zusammen mit Iker Casillas (5-mal) den Titel des Welttorhüters praktisch unter sich aus. Neuer gilt aktuell als der Beste seines Fachs.

Prägend sind der 30-jährige Neuer und der acht Jahre ältere Buffon in Verein (Bayern München bzw. Juventus Turin) und Nationalelf allemal. "Sie sind nicht nur auf dem Platz wichtig, wie sie dort die Mannschaft führen und dirigieren, sondern auch außerhalb des Spielfelds sind sie entscheidende Figuren", hob der deutsche Tormann-Trainer Andreas Köpke hervor. "Es sind zwei Toptorhüter. Die beiden besten Torhüter bei dem Turnier."

Neuer präsentierte sich bei seinen seltenen Abwehraktionen in Frankreich als sicherer Rückhalt. Buffon, als italienischer Rekordmann mit 160 Länderspielen mehr als doppelt so oft im Nationalteam eingesetzt wie Deutschlands Nummer eins, war als herausragender Rückhalt maßgeblich am 2:0-Achtelfinal-Erfolg der "Squadra Azzurra" gegen Titelverteidiger Spanien beteiligt. Gegen Andres Iniesta und Gerard Pique rettete er dreimal glänzend. "Gigi hat seit zwei Jahrzehnten Topleistungen gebracht und ist nach wie vor ein Weltklasse-Torhüter. Er gehörte natürlich auch zu meinen Vorbildern", verriet Neuer dieser Tage in Evian-les Bains bei seinem vierten Turnier.

Im Fall der zwei Welttorhüter sind es mehr als die branchenüblichen Höflichkeiten. Wie sehr sich die beiden schätzen, sieht man bei den häufigen Duellen zwischen Bayern und Juventus. Regelmäßig beglückwünschen oder begrüßen sich die beiden Schlussleute mit einem Lächeln im Gesicht. Fast schon gewohnheitsgemäß hat Neuer dabei das bessere Ende für sich: Er kassierte bei drei Siegen und einem Remis vier Gegentore. Buffon musste bei diesen Spielen den Ball zehnmal aus dem eigenen Netz fischen. Bei den drei Länderspielen liegt Neuer dagegen hinten: Zwei Remis, eine Niederlage, vier Gegentore. Buffon griff dreimal hinter sich.

"Man muss vor Gigi den Hut ziehen, auf welchem Niveau er noch spielt", sagte Köpke, der die eigene Tormann-Karriere im Alter von 39 Jahren beendet hatte. Seinem Schützling Neuer traut er noch eine lange erfolgreiche Zeit zu. "Manuel will sich immer weiter entwickeln, ist wissbegierig, will immer noch mehr trainieren. Und zum Glück ist er bis jetzt von schwereren Verletzungen verschont geblieben", bemerkte Köpke. "Ich glaube, dass Manuel, wenn alles normal läuft, noch sehr, sehr lange auf diesem Niveau spielen kann." Aber auch Buffon hat schon betont, bis zur WM 2018 in Russland weitermachen zu wollen.