ÖFB-Helden der WM 1954: "Ungarn waren unsere Lehrmeister"

Rapid-Legende Alfred Körner war bei der WM 1954 dabei

Rapid-Legende Alfred Körner war bei der WM 1954 dabei

Die frühere Rivalität zwischen den Fußball-Nationalmannschaften Österreichs und Ungarns ist vor dem EM-Duell am Dienstag längst in Vergessenheit geraten. Das Spiel in Bordeaux ist das erste Kräftemessen seit fast zehn Jahren. Dabei traten beide Auswahlen einst mehrmals pro Jahr vor Massenpublikum gegeneinander an - und das noch dazu als Teams, die damals zur Weltelite zählten.

Die Erinnerung an diese Zeit ist bei Alfred Körner und Theodor Wagner noch ziemlich frisch. Beide zählten zu jener ÖFB-Mannschaft, die bei der WM 1954 Dritter wurde, und beide können auf reichlich Länderspiel-Erfahrung gegen Ungarn zurückblicken.

Der 90-jährige Körner etwa absolvierte sieben seiner 47 Teamauftritte gegen die Magyaren. Seine ersten beiden Länderspiele bestritt die Rapid-Legende gegen Ungarn, im zweiten gelang ihm sein Debüt-Tor. Auch der 88-jährige Wagner erzielte seinen ersten Team-Treffer gegen den östlichen Nachbarn. In zehn seiner 46 Länderspiele hieß der Gegner Ungarn.

Körner und Wagner standen damals einer ungarischen Mannschaft gegenüber, die als "Aranycsapat" ("Goldene Elf") Berühmtheit erlangte und bis heute als eines der besten Nationalteams der Geschichte gilt. "Die Ungarn waren so etwas wie unsere Lehrmeister. Puskas oder Hidegkuti, das waren vollendete Kicker", erinnerte sich Körner.

Auch Wagner gerät nach wie vor ins Schwärmen, wenn er an Ungarns damalige Elitefußballer denkt. "Wir hatten sehr große Achtung vor ihnen, sie waren ein schönes Stückerl weiter als wir. Das war die stärkste Mannschaft der Welt."

Durch zahlreiche Duelle auf Nationalteam- und auch auf Club-Ebene - Aufeinandertreffen von Rapid oder Austria mit Honved oder Ferencvaros zählten ebenfalls zu Publikumsmagneten - entstand eine tiefe Freundschaft zwischen den Spielern diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Zahlreiche gemeinsame Heurigenbesuche taten ihr Übriges. "Wir haben uns sehr gut mit den Ungarn verstanden. Auf dem Platz wollten alle gewinnen, aber danach ist es immer lustig zugegangen, wir haben miteinander getrunken, gesungen und gelacht", erzählte Körner.

Kein Wunder also, dass die Sympathien der Österreicher vor dem WM-Endspiel 1954 in Bern klar bei den Ungarn lagen. Am Ende aber stürzte der große Favorit mit einer 2:3-Niederlage gegen Deutschland, das sich im Semifinale mit 6:1 gegen die ÖFB-Elf durchgesetzt hatte. "Die Deutschen hatten damals als einzige Mannschaft geschraubte Schuhe, das hat sich bei dem Regen im Finale ausgezahlt", erklärte Wagner.

Das verlorene WM-Endspiel bedeutete damals die erste Niederlage für Ungarn nach über vier Jahren und 31 Partien. Von einer derartigen Stärke ist die aktuelle Auswahl weit entfernt, weshalb sowohl Körner als auch Wagner auf einen österreichischen Sieg in Bordeaux tippen. "Wir können auch alle andere Gruppengegner schlagen. Dass wir zumindest ins Achtelfinale kommen, darüber gibt es keine Debatte", sagte Wagner.

Der frühere Wacker-Wien-Kicker sieht in ÖFB-Teamchef Marcel Koller den Hauptverantwortlichen für den Aufschwung des Nationalteams. "Seit er Teamchef ist, schaue ich mir wieder Länderspiele an. Ich schaue viel deutschen Fußball, und Koller ist mir schon bei Bochum positiv aufgefallen", meinte Wagner.

Ähnlich äußerte sich Körner: "Marcel Koller hat unsere Nationalmannschaft wieder munter gemacht." Dass dies keinem heimischen Coach gelang, stimmt den Wiener etwas traurig. "Die österreichischen Trainer vor ihm haben alle versagt", betonte der 90-Jährige.