Scharfe Kritik von Sportminister Mutko an Russlands Team

Russland präsentierte sich nicht EM-tauglich

Russland präsentierte sich nicht EM-tauglich

Nach dem Gruppen-Aus der "Sbornaja" bei der Fußball-EM in Frankreich hat Russlands Sportminister Witali Mutko das Niveau der Nationalmannschaft des WM-Gastgebers 2018 scharf kritisiert. "Wir müssen uns eingestehen, dass wir derzeit keine Top-Spieler haben", sagte Mutko in der Nacht auf Dienstag der Nachrichtenagentur TASS. "Das Spiel der Mannschaft zeigt das echte Niveau unseres Fußballs."

EURO-Debütant Wales hatte die Russen am Montagabend in Toulouse komplett demontiert und mit einer 0:3-Pleite nach Hause geschickt. Schon in der zweiten Hälfte meinte der Kommentator im russischen Staatsfernsehen resignierend: "Noch gut 35 Minuten bis zu unserem Heimflug nach Moskau." Und die Tageszeitung "Sport-Express" titelte am Dienstag "Tu-Loser", ein hämisches Wortspiel mit Blick auf den Ort der EM-Schmach gegen Wales.

Russland müsse nun den Liga-Betrieb und neue Spieler fördern, betonte Mutko in Moskau mit Blick auf die Weltmeisterschaft vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 im eigenen Land. Auch ein neuer Trainer muss her, denn Teamchef Leonid Sluzki hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel seinen Rücktritt angekündigt. "Ich möchte mich bei den Fans entschuldigen", sagte der 45-Jährige nach der Niederlage. "Wenn wir es nicht geschafft haben, dann heißt das, dass der Trainer seine Aufgaben nicht erfüllt hat. Es ist hart, darüber zu sprechen, aber wir waren schlecht in jedem Bereich. Ich übernehme die volle Verantwortung."

Mutko stärkte indes Sluzki, dessen Vertrag ohnehin nach der EM ausgelaufen wäre, jedoch zunächst den Rücken. "Seine Reaktion ist verständlich. Er will, dass sich die Burschen nicht zu sehr selbst kritisieren", meinte der Sportminister, der auch Chef des russischen Fußball-Verbandes ist. Doch eine definitive Entscheidung werde später getroffen, stellte Mutko klar. "Ich denke, dass es nach so einem Turnier jemand Anderen braucht, der das Team auf das nächste Großereignis vorbereitet. Es ist eine große Aufgabe, den russischen Fußball zu entwickeln", betonte Sluzki.

Der Meistercoach von ZSKA Moskau hatte den Job als Teamchef erst im Sommer des Vorjahres nach der Entlassung des italienischen Startrainers Fabio Capello übernommen. Mit vier Siegen in den letzten vier Partien der EM-Qualifikation führte er die "Sbornaja" noch auf Platz zwei hinter die ungeschlagenen Österreicher, die gegen Russland zweimal 1:0 gewonnen hatten, und so noch direkt zur Endrunde nach Frankreich. Dort erwies sich das Team jedoch als EURO-untauglich. Im Auftaktspiel gegen England reichte es durch ein Last-Minute-Tor zwar noch zu einem extrem schmeichelhaften Punktgewinn, danach folgten aber verdiente Niederlagen gegen die EM-Debütanten Slowakei (1:2) und Wales.

Die heimische Presse ging mit dem Team hart ins Gericht. "Die russische Nationalmannschaft hat nach der Niederlage gegen Wales mit Schimpf und Schande die Europameisterschaft verlassen. Im entscheidenden Spiel hat unsere Mannschaft weder Willen noch Kampf gezeigt und konnte sich nicht einmal entscheiden, wer nach der Auswechselung von Roman Schirokow ihr Kapitän sein sollte", kritisierte "Sport-Express". "Wir stehen erneut am Rand, wie damals bei der EM in Polen 2012 und bei der WM 2014 in Brasilien. Wunder gibt es nicht: Unser Fußball ist nicht bereit zu großen Siegen. Und bis zur Weltmeisterschaft daheim bleiben nur zwei Jahre."

Der Kommentar der Zeitung "Iswestija" fiel ebenfalls vernichtend aus: "Die Mannschaft von Sluzki hat eine Parodie auf den Fußball zum Besten gegeben. Unsere Millionäre haben sich nicht ein Zehntel ihrer Verträge erarbeitet. Schauen Sie sich (Wales-Superstar Gareth) Bale an. Er ist der teuerste Spieler der Welt, und wie er kämpft für sein Land, für seine Flagge!"