Starke Südländer Spanien, Italien beeindrucken Fachwelt

Iniesta bei den Spaniern überragend

Iniesta bei den Spaniern überragend

Wenn vor der Fußball-EM über den großen Turnierfavoriten gesprochen worden ist, war zumeist von Frankreich oder Deutschland die Rede. Bisher überzeugten mit Spanien und Italien aber zwei Länder am meisten, die bei den Auguren nicht so hoch im Kurs standen. Es scheint, als führe der EM-Titel nur über die alten Mächte aus dem Süden. "La Roja" könnte dabei im Achtelfinale auf Österreich treffen.

Spanien feiert seine Fußball-Helden, als habe die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque bereits ihren Titel verteidigt. "So spielen die Meister", schrieb die Sportzeitung "Marca" nach dem glanzvollen 3:0-Erfolg gegen die Türkei am Freitag. Ein Punkt im letzten Gruppenspiel gegen Kroatien am Dienstag in Bordeaux würde Andres Iniesta und Co. nun bereits genügen, um als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen. Die Iberer stehen als drittes Team neben Italien und Gastgeber Frankreich fix in der K.o.-Phase.

Wenn es überhaupt eines Beweises dafür bedurfte, dass das peinliche Vorrunden-Aus bei der WM in Brasilien vor zwei Jahren nur ein trauriger Ausrutscher war, dann lieferte ihn Spanien im zweiten EM-Spiel in Nizza. Angetrieben von einem wieder einmal überragenden Iniesta wurden die Türken phasenweise vorgeführt. Ein fehlender Plan-B war in Brasilien moniert worden - nun scheint dieser obsolet geworden zu sein.

"Die WM war eine Ausnahme für alle Spieler, Fans und für unser Land", sagte der Stratege vom FC Barcelona. "Wir hätten damals nicht gedacht, dass sie so für uns endet. Aber die Antwort der Mannschaft war sehr positiv in den ersten zwei Spielen."

Seit 14 Partien sind die Spanier bei EM-Endrunden nun schon unbesiegt, seit sieben Begegnungen haben sie nicht einmal ein Gegentor hinnehmen müssen. Und: Sie haben ihren "Goleador" gefunden: Alvaro Morata von Juventus Turin traf zweimal, außerdem empfahl sich der quirlige Nolito von Celta Vigo mit seinem Treffer.

Die Fußball-Welt schwärmt von einer Mannschaft, die diesem bisher so grauen Turnier etwas Glanz verleiht. "Quelle Fiesta", schrieb die französische "L'Equipe". Für "Marca" hatte die Vorstellung des Weltmeisters von 2010 höchsten Unterhaltungswert: "Es war, als ob man mit Kindern und Großeltern zum Cirque de Soleil ginge. Einfach zum Genießen." "Europa zittert, das wunderbare Spanien ist zurück", titelte selbst die italienische "La Gazzetta dello Sport" über den Europameister von 2008 und 2012.

Als Pool-Sieger würden die Iberer im nominell leichteren Turniertableau weiterspielen und zunächst auf einen Gruppendritten treffen. Einer der möglichen Gegner ist Österreich. Und sie könnten den Italienern aus dem Weg gehen, die nach zwei nicht glänzenden, taktisch jedoch meisterhaft herbeigeführten Siegen als Gewinner der Gruppe E feststehen. Erstmals seit 2006 ist die "Squadra Azzurra" damit wieder Gruppensieger bei einem großen Turnier geworden.

Die Italiener spielen anders als Spanien keinen Zauberfußball, beeindrucken aber mit Organisation, unbändigem Willen und Effizienz in der Offensive. "Es ist fantastisch, dass wir schon nach zwei Spielen fürs Achtelfinale qualifiziert sind. Das gibt uns die Möglichkeit, weiter zu arbeiten", sagte Trainer Antonio Conte, der in zwölf Pflichtspielen als Nationaltrainer noch ungeschlagen ist. Egal, wie das letzte Gruppenspiel am Mittwoch gegen Irland ausgeht, die Azzurri treffen im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe D - also Spanien, Kroatien oder Tschechien.

Vor dem letzten Gruppenspiel sind die Gedanken bei vielen in der Heimat aber sogar schon bei dem Weg ins Finale im Stade de France. Vor allem ein mögliches Viertelfinale gegen Weltmeister Deutschland lässt die Erwartungshaltung steigen. "Antonios Straße zum Ruhm. Die Route in Richtung Finale: Das wird hart", titelte die "Gazzetta" am Sonntag.

"Vielleicht ist die Nationalelf nicht so schlecht, wie viele gesagt haben. Wir gehen unseren Weg weiter und schauen, wie weit wir kommen können", stellte Abwehrspieler Andrea Barzagli fest. "Wir sind sicher, dass wir dorthin kommen, wo es vielleicht mancher nicht erwartet hätte", meinte Verbandspräsident Carlo Tavecchio. "Wir sind eine Runde weiter und bereit, große Dinge zu schaffen."