Digitalisierung braucht Hausverstand
Morgens schlägt die App einen früheren Zug vor, weil sie den Stau auf der Ausweichroute kennt. In der Arztpraxis liegt die Überweisung schon digital vor, bevor man das Wartezimmer betritt, und die Gemeinde schickt eine Erinnerung an den ablaufenden Reisepass, statt darauf zu warten, dass jemand selbst daran denkt. Was noch vor einigen Jahren wie ein weit entferntes Zukunftsszenario wirkte, ist heute Alltag. Zumindest theoretisch. Digitale Tools sind mittlerweile selbstverständlich, was nicht bedeutet, dass sie immer echten Fortschritt bringen.
Und das ist der springende Punkt: Ein Formular ins Netz zu stellen, ist noch keine Transformation, vor allem wenn es ein unnötiger Mehraufwand für Nutzer:innen ist. Echte digitale Transformation beginnt mit der Frage: Was brauchen die Menschen, die diesen Prozess durchlaufen, eigentlich wirklich? Und wie kann ich den Prozess gestalten, damit Menschen weniger Schritte machen und schneller zum Ergebnis kommen? Erst wenn das gelingt, hat unser digitales Zeitalter echte Vorteile gegenüber einer reinen Übersetzung von analog zu digital.
Digitalisierung mit Verantwortung
APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner im Gespräch zum Thema „Digitale Transformation“:
Wann sehen Sie digitale Transformation als erfolgreich und sinnvoll an?
Digitale Transformation ist ein kontinuierlicher Veränderungsprozess. Erfolgreich ist sie dann, wenn Technologie, Prozesse und Fähigkeiten im Unternehmen gemeinsam weiterentwickelt werden und dadurch nachhaltige Verbesserungen entstehen.
Warum reicht es nicht, analoge Prozesse einfach ins Digitale zu übertragen?
Die reine Übertragung analoger Prozesse ins Digitale greift oft zu kurz, da bestehende Abläufe lediglich digital abgebildet werden. Dadurch bleiben Potenziale neuer Technologien und Möglichkeiten zur Neugestaltung von Prozessen häufig ungenutzt.
Welche Verantwortung haben Unternehmen, wenn sie digitale Lösungen entwickeln, die den Alltag vieler Menschen beeinflussen?
Unternehmen tragen die Verantwortung, digitale Lösungen sicher, verlässlich und zugleich möglichst intuitiv zu gestalten. Gerade weil digitale Lösungen zunehmend in sensible Lebens- und Arbeitsbereiche eingreifen, sind hohe Sicherheitsanforderungen wesentlich. Gleichzeitig sollten digitale Lösungen möglichst inklusiv sein und auch für Menschen mit geringen technischen Kenntnissen einfach nutzbar sein, um den Alltag zu erleichtern, statt zusätzliche Komplexität zu schaffen.
Was wünschen Sie sich von Projekten, die in der Kategorie „Digitale Transformation“ eingereicht werden?
Ich wünsche mir Projekte, die Digitalisierung nicht nur als Technologieeinführung sehen, sondern Prozesse, Zusammenarbeit und Menschen ganzheitlich mitdenken. Besonders spannend sind praxisnahe Ansätze mit konkretem Mehrwert und nachhaltiger Wirkung.
Digitale Kompetenz gefragt
In den vergangenen Jahren hat sich die Ausgangslage grundlegend verschoben. Künstliche Intelligenz ist kein nerdiges Schlagwort mehr, sondern sowohl im Arbeitsleben als auch im Privaten täglich präsent. Ob in der Industrie oder im Kund:innenservice - KI wurde zu einem Arbeitsmittel, das nicht mehr nur automatisierte und einfache Tasks übernimmt. KI-Tools strukturieren Wissen, erkennen Muster in Datenmengen und bereiten Entscheidungen vor. Und zwar viel schneller, als es ein Mensch je könnte. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Ressourcen neu zu sortieren und gezielter einzusetzen.
Das bedeutet auch, dass Jobs sich verändern und ganz neue Berufsbilder entstehen. Neue Kompetenzen sind gefragt, vor allem im Umgang mit Daten und in der Gestaltung digitaler Prozesse. Denn eines ist klar: KI ist nicht automatisch klug, nur weil sie schnell ist.
KI-Tools arbeiten mit Daten, Wahrscheinlichkeiten und Mustern. Ein System kann einen Förderantrag vorstrukturieren, aber nicht die soziale Realität dahinter verstehen. Es kann Bewerbungen vorsortieren, hat aber trotzdem kein Gefühl dafür, wer zu einer Aufgabe passt. Digitale Transformation verlangt deshalb nicht weniger menschliche Kompetenz, sondern oft mehr.
Digitale Transformation wird erst dann zu Fortschritt, wenn sie Menschen entlastet, Teilhabe ermöglicht und echten Mehrwert schafft. Ausgezeichnet werden Projekte, die Technologie intelligent, nicht um ihrer selbst willen, einsetzen, sondern um Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig voranzubringen.
Vorstandsmitglied Erste Bank
Mensch und Maschine als Team
Gute digitale Lösungen ersetzen Menschen in den meisten Fällen nicht. Sie nehmen Arbeit ab, die monoton, fehleranfällig oder unnötig kompliziert ist.
Wer schon einmal in einem Online-Formular festhing, weil ein Pflichtfeld nicht zur eigenen Lebenssituation passte, weiß: Digitalisierung kann auch neue Hürden schaffen. Ein guter digitaler Service sollte idealerweise Zeit sparen und nicht nur Arbeit verschieben. Die Grundlage dafür: Ein Mensch muss das Tool entwickeln, prüfen und für sinnvoll und effizient halten. Wer nur überlegt, was technisch umsetzbar ist, aber nicht, was Menschen brauchen, um den Vorgang einfacher zu erledigen, trägt nicht zu einer zukunftsfähigen digitalen Transformation bei, sondern macht das Leben nur komplizierter.
Unsichtbare Leistungen
Die besten digitalen Services sind jene, die man kaum bemerkt. Und zwar, weil sie einfach funktionieren. Ein paar Beispiele: Eine Gemeinde ermöglicht ihren Bürger:innen, Behördenwege in Minuten statt Stunden zu erledigen. Ein Gesundheitsdienstleister bringt Patient:innen durch digitale Prozesse schneller zur richtigen Behandlung. Oder ein Unternehmen bereitet Daten so auf, dass Führungskräfte fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen treffen können.
Die Möglichkeiten sind zahlreich, und wer es schafft, durch digitale Tools echten Mehrwert für eine Branche zu schaffen, gestaltet einen Teil ihrer Zukunft. Fühlst du dich angesprochen?
Zeig profil und reich dein Projekt ein!
In der zeig profil award-Kategorie „Digitale Transformation“ sind genau solche Projekte gesucht. Menschen, Unternehmen und Initiativen, die den digitalen Wandel in Österreich nicht nur technisch umsetzen können, sondern die gesellschaftliche Verantwortung dahinter erkennen und in die Entwicklung einfließen lassen.
Gefragt sind Lösungen, die Technologie und Mensch intelligent verbinden, sei es durch Automatisierung, Künstliche Intelligenz, digitale Services oder Anwendungen, die die Arbeit von Menschen reduzieren.
Welches Problem wird konkret gelöst? Wird ein Ablauf einfacher, fairer oder zugänglicher? Entsteht neue Wertschöpfung für ein Unternehmen, die Gesellschaft oder den Standort Österreich? Und ist die Lösung bereits so weit, dass man sehen kann, was sie im Alltag verändert?
Beantworte diese Fragen und gestalte mit deinem Projekt echten zukünftigen Fortschritt!
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Der award-Fahrplan 2026
Projekteinreichung: 9. Mai bis 23. August 2026
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Öffentlichkeitsvoting: 28. August bis 8. September 2026
Die Österreicher:innen können online für ihre Favoriten abstimmen. Die sechs meistnominierten Projekte werden von einer Jury bewertet.
Expert:innen-Jury: 16. September 2026
Eine unabhängige Jury evaluiert die Projekte der Finalist:innen und bestimmt eine:n Preisträger:in für jede Kategorie.
zeig profil award-Show: 8. Oktober 2026
Die Verleihung des awards findet mit allen Nominees, Business Angels, Inkubator:innen, Community-Partner:innen und geladenen Gästen in Wien statt.