"Altes Geld": David Schalkos Abrechnung mit der Elite

Altes Geld: Florian Teichtmeister und Nora von Waldstätten

Altes Geld: Florian Teichtmeister und Nora von Waldstätten

Es ist eine von Liebe und Moral befreite Welt, die David Schalko in seiner achtteiligen Miniserie "Altes Geld" (seit Freitag auf DVD erhältlich und ab Herbst im ORF zu sehen) zeichnet.

Weil der milliardenschwere Patriarch Rolf Rauchensteiner (Udo Kier) mittlerweile zwei Hepatitis-Typen hat - "zu viel für eine Leber", so Leibarzt Dr. Schober (Cornelius Obonya) -, setzt der seine Familie und einen erweiterten Kreis auf die Beschaffung einer Leber an.

Ofczarek, Rubey & Co.

Wer ihm das lebensrettende Organ besorgt, erbt auch das gesamte Vermögen, so die rosige Aussicht. Dass dieser Wettlauf kompromisslos und blutig werden dürfte, wird schon in den ersten Folgen von Schalkos nächstem Coup nach der bitterbösen Satire "Braunschlag" klar: Gierig, rachsüchtig, intrigant und teilweise von tiefem Hass gegenüber dem nur allzu gern in NS-Nostalgie schwelgenden Patriarchen sind die Kandidaten geprägt. Da verschieben sich rasch die Machtverhältnisse innerhalb des Familiengefüges, ergeben sich ungeahnte Seilschaften, stehen persönliche Laster wie die Spielsucht des arroganten Erstgeborenen Zeno (Nicholas Ofczarek) im Weg und tauchen dunkle Geschichten aus der Familienvergangenheit und -gegenwart auf - vom inzestuösen Verhältnis der jüngeren Geschwister Jakob (Manuel Rubey), einem selbst ernannten "linkslinken Gutmenschen", und Jana (Nora von Waldstätten), einer labilen Nymphomanin, bis zu den Affären deren ungeahnt böser Stiefmutter Liane (Sunnyi Melles).

Erpressung und Korruption

Mit dem Schaulaufen heimischer Film-, Fernseh- und Theaterstars hört es da nicht auf, ist die Familie doch nicht zuletzt durch Rauchensteiners Verstrickungen in die Wiener Stadtpolitik und in eine Glücksspielaffäre eingebettet in eine von Freunderlwirtschaft, Erpressung und Korruption durchtränkten Elite. An deren Spitze steht ein dem Alkohol ergebener, die Absolute gepachteter Wiener Bürgermeister (Herbert Föttinger) mit engen Kontakten zum von Robert und Helmut Falkner beherrschten Boulevard, ganz unten mit Kralicek (Robert Palfrader) ein "interner Sicherheitsexperte" mit fragwürdigem Kriegshintergrund, und mittendrin ein grüner Bürokrat (Simon Schwarz als Wolfgang Tscheppe) als einzige moralische Instanz. In weiteren wiederkehrenden Rollen sind Thomas Stipsits als Herwig Brunner, korrumpierter Assistent Rauchensteiners, und Ursula Strauss als dessen Frau Barbara, Johannes Krisch als Untergrundboss "Kommander" und Edita Malovcic als Zenos geheimnisumwobene Frau Tania zu sehen.

Farbgewaltig, entrückt artifiziell und mit einer durch klassische Musik vorgetäuschten Eleganz setzt Schalko die Irrungen und Wirrungen in atemberaubenden Kulissen in Szene, durchzieht die Anleihen an klassische Seifenopern-Familiensagen mit jeder Menge Sarkasmus, Zynismus und Ironie. Die Schönen und Reichen kommen in ihrer Überzeugung, über jeglichen gesetzlichen und moralischen Grundsätzen zu stehen, denkbar schlecht weg, und die wenigen Guten sind in der Unterzahl. So statisch manche Einstellungen, so dynamisch die teils bissigen Dialoge: Klug geschrieben, mit starken One-Linern a la "Liebe ist für den Mittelstand" durchzogen und hochkarätig besetzt, dauert es zwar seine Zeit, bis erste Verstrickungen offengelegt sind und "Altes Geld" in seinen Bann zieht. Aber dann kann man nicht mehr wegsehen.