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Tscharyiski & Reinsperger: „Auch den Männern schadet das Patriarchat“

Theaterregisseurin Christina Tscharyiski und Schauspielerin Stefanie Reinsperger verbindet eine enge Freundschaft – und viele Gespräche über Feminismus. Ein Interview über das Patriarchat, den Wunsch nach feministischen Männern und fehlende Frauensolidarität.

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Welche Gefühle löst der Begriff Weltfrauentag bei Ihnen aus?

Stefanie Reinsperger

Das hat sich bei mir ziemlich geändert. Früher fand ich das total schön, inzwischen denke ich mir: Wie jetzt? Nur einen Tag lang? Und nach einer Woche ist alles wieder vorbei. Und gerade jetzt habe ich das Gefühl, dass wir einen echten Backlash erleben, was jede Form von Gleichstellung betrifft.

Christina Tscharyiski

Es sollte ja eigentlich „feministischer Kampftag“ heißen. Frausein ist ja an sich extrem politisch. Deswegen finde ich es gar nicht schlecht, dass die Medien sich um diesen Dreh damit beschäftigen und man überlegt: Was sind die Zahlen und Fakten, und wie können wir das Patriarchat angehen?

Und, wie können wir?

Reinsperger

Wir dürfen die Männer nicht ausgrenzen. Der Feminismus braucht auch die Männer, die sich für den Feminismus einsetzen. Denn auch den Männern schadet das Patriarchat. Die gehören wachgerüttelt.

Tscharyiski

Gerade in unserer Kulturbubble wird viel Pink-Washing betrieben. Da bezeichnet sich doch nahezu jeder Mann als Feminist. So mancher Theaterintendant setzt auch gerne einmal einen feministischen Abend an, für den er sich dann auch entsprechend loben lässt, weil da nur Frauen am Werk sind. Aber in Wahrheit sind wir von einer 50:50-Aufteilung sehr, sehr weit weg, was Autorinnen, Regisseurinnen, Schauspielerinnen betrifft. Ganz simpel: 80 Prozent in der Regieassistenz sind Frauen, aber in der Regie sind es 80 Prozent Männer. Im Zuarbeiter-Segment sind wir viele. Dann wendet sich das Blatt. Auch die Transparenz bei der Entlohnung findet kaum statt. Wir müssen viel mehr einfordern. Anders wird es nicht gehen.

Reinsperger

Ich habe ein einziges Mal erlebt, dass ein Kollege, der neben mir für die Hauptrolle in einem Projekt angefragt wurde, mir im Vorfeld freiwillig gesagt hat, wie viel man ihm angeboten hat und dass er auf jeden Fall möchte, dass wir dasselbe verdienen. Wie gesagt: ein einziges Mal. Dabei kannte ich diesen Kollegen gar nicht einmal wirklich gut.

Tscharyiski

Ich habe seit Kurzem einen Theateragenten. Es ist unglaublich, wie viel mehr er beim Verhandeln für mich an Gagen rausholt als ich selbst. Was insofern seine Logik hat, als er ja in der Regel mit Männern verhandelt. Und dann kriegt man manchmal von den Intendanten auch noch ein gönnerhaftes: „Na schau, jetzt verdienst du ja so viel wie ein Mann.“

Wie viele Watschen müssen wir eigentlich noch bekommen, bis sich endlich was ändert? 

Stefanie Reinsperger

Schauspielerin

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort