Bambi für Michael Schumacher

Bambi für Michael Schumacher

Der schwer verunglückte Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher wurde in Berlin mit dem Bambi für seine sportliche Karriere ausgezeichnet.

"Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dir diesen Preis persönlich zu überreichen", sagte Formel-1-Pilot Sebastian Vettel in der Würdigung seines Idols.

Sabine Kehm, Schumachers Managerin sowie sein langjähriger Teamchef Ross Brawn nahmen den Millennium-Bambi stellvertretend für den Rennfahrer entgegen.

Schumacher war im Dezember 2013 bei einem Ski-Unfall lebensgefährlich verletzt worden. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister hatte ein halbes Jahr im künstlichen Koma gelegen und befindet sich nun in der Rehabilitation.

"Eure Wünsche bauen uns auf"
Die Familie des verunglückten Formel-1-Rekordweltmeisters Michael Schumacher bleibt zuversichtlich. Das schrieb sie in einer Nachricht auf der reaktivierten Homepage des siebenfachen Champions. Darin bedankte sie sich auch für die ungebrochene Anteilnahme am Schicksal des am 29. Dezember 2013 beim Skifahren schwer verunglückten zweifachen Familienvaters.

"Eure Wünsche bauen uns auf"
"Noch immer erreichen uns täglich Genesungswünsche für Michael, und noch immer macht uns das Ausmaß der Anteilnahme sprachlos." Über seinen genauen aktuellen Zustand machte die Familie Schumacher keine Angaben.

Die Homepage des schwer verunglückten Formel-1-Rekordweltmeisters Michael Schumacher wird zum 20. Jahrestag des ersten WM-Triumphs von Schumacher am 13. November 1994 neu gestartet. "Sie soll den vielen Fans weltweit, deren Anteilnahme nach seinem Unfall noch immer ungebrochen ist, eine Heimat geben", schrieb seine Managerin Sabine Kehm in einer Pressemitteilung.

Keine Angaben zum Gesundheitszustand
Kehm kündigte zudem einen eigenen Fan-Bereich mit Twitter-Nachrichten an. Zum gesundheitlichen Zustand von Schumacher machte sie keine Angaben. Der mittlerweile 45 Jahre alte Ex-Pilot war am 29. Dezember 2013 in Meribel beim Skifahren verunglückt. Der Deutsche hatte ein schweres Schädel-Hirntrauma erlitten. Nach Monaten im künstlichen Koma befindet sich Schumacher nach Angaben vom 9. September wieder zu Hause am Genfer See. Dort setzt er seine langfristige Rehabilitation fort. Bisher steht auf der Homepage eine Danksagung von Schumachers Familie für die riesige Anteilnahme.

1994 erstmals Weltmeister
Schumacher hatte am 13. November 1994 in Adelaide und damit in dem Jahr, in dem Ayrton Senna und der Österreicher Roland Ratzenberger in Imola tödlich verunglückt waren, als erster Deutscher den WM-Titel in der Formel 1 sichergestellt. Und zwar auf eine Art und Weise, die typisch wurde für den späteren Rekord-Weltmeister und Schumacher den wenig ruhmreichen Beinamen "Schummel-Schumi" einbrachte.

"Schummel-Schumi"
Obwohl er wegen Missachtung der Schwarzen Flagge in Silverstone für zwei Rennen gesperrt worden war und man ihm die Punkte für den Großbritannien-Grand-Prix und auch das Rennen in Belgien wegen eines nicht regelkonformen Unterbodens am Benetton des Deutschen gestrichen hatte, kam Schumacher im November 1994 mit einem Punkt Vorsprung auf den Briten Damon Hill zum 16. und letzten Rennen in Australien. Dort schieden nach einer umstrittenen Berührung beide Piloten aus, Schumacher war trotz aller Betrug-Rufe erstmals Weltmeister.

Weltmeister 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004
Es war der Beginn einer bis heute einzigartigen Ära. Und der Anfang des "Schumi-Wahnsinns" in Deutschland. 1995 folgte im Benetton unter Teamchef Flavio Briatore und Strategie-Genie Ross Brawn der zweite Titel, dann der Wechsel zu Ferrari. 1997 kostete Schumacher der folgenreiche Rammstoß im Finale von Jerez gegen Jacques Villeneuve noch den ersten Titel mit dem italienischen Traditionsteam. 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 war Schumacher dann nicht mehr zu stoppen.

Sieben WM-Titel standen am Ende zu Buche. Dazu 91 Siege und 68 Pole Positionen. Alles Rekorde, die Schumacher in seiner Karriere von 1991 bis Ende 2006 aufgestellt hat. Ein Sieg oder gar der ersehnte achte Titel kam in seinen drei Comeback-Jahren von 2010 bis 2012 am Steuer von Mercedes nicht mehr hinzu, am Saisonende 2012 trat er zurück. Der Ski-Unfall ein Jahr später veränderte alles. Über den genauen Zustand Schumachers machen Familie und Management mit Verweis auf die Privatsphäre keine Angaben.

Schweres Schädel-Hirn-Trauma
Ex-Formel-1-Fahrer Michael Schumacher hatte sich am 29. Dezember 2013 beim Skifahren in Meribel in den französischen Alpen beim Aufprall auf einen Felsen ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen und musste ins Koma versetzt werden. Seitdem beschäftigt sein Schicksal die Welt.

Verblüffende Fähigkeit zur Regeneration
Mehr als 20.000 Österreicher erleiden jedes Jahr Kopfverletzungen, viele davon auch gravierende Läsionen mit höchst ungewisser Prognose wie nun Michael Schumacher. Auffallend oft beweist das Gehirn jedoch eine verblüffende Fähigkeit zum Neustart .

Chronologie der Ereignisse rund um den schweren Ski-Unfall von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher:

29.12.2013: Schumacher fährt um die Mittagszeit oberhalb von Meribel 4,5 Meter neben einer markierten Piste über einen Felsen, verliert die Kontrolle und prallt mit dem Kopf auf einen weiteren, 10,4 Meter von dem ersten entfernten Felsen. Bergretter versorgen Schumacher. Er ist ansprechbar, aber verwirrt. Sein Helm ist bei dem Aufschlag zerbrochen. Der Rettungshubschrauber bringt Schumacher ins Krankenhaus nach Moutiers, danach wird er ins Universitätskrankenhaus von Grenoble gebracht. Schumacher wird sofort notoperiert. Er hat ein Kopftrauma mit Koma. Am Abend berichten französische Medien, dass der Deutsche in Lebensgefahr schwebe.

30.12.2013: Schumachers Zustand ist "außerordentlich ernst". Schwere Verletzungen im Gehirn. "Wir sind beunruhigt über seinen Zustand", betont ein Mediziner. Keine Prognose zu Überlebenschancen. Die Ärzte operieren Schumacher ein zweites Mal, um den Druck weiter zu verringern.

7.1.2014: Schumachers Frau Corinna fordert die Medien auf, Ärzte und Familie in Ruhe zu lassen und das Krankenhaus zu verlassen.

8.1.2014: Die Ermittler erklären bei einer Pressekonferenz in Albertville, dass Schumacher nicht mit erhöhter Geschwindigkeit gefahren ist. Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Auch die Aufnahmen von Schumachers Helmkamera werden weiter ausgewertet.

17.1.2014: Schumachers Zustand wird als stabil angesehen. Jegliche Information über seinen Gesundheitszustand, die nicht von seinem behandelnden Ärzteteam oder seinem Management stammt, müsse als reine Spekulation betrachtet werden, betont Kehm.

30.1.2014: Managerin Kehm bestätigt, dass die Aufwachphase eingeleitet wurde.

17.2.2014: Die Staatsanwaltschaft teilt nach Abschluss der Ermittlungen mit, dass es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt und kein strafbares Verhalten vorliegt.

3.4.2014: Kehm spricht von Anzeichen, die "uns Mut machen" und dementiert Berichte über ein Wachkoma.

16.6.2014: Schumachers Managerin gibt bekannt, dass Schumacher das Spital in Grenoble verlassen hat und nicht mehr im Koma liegt. Wenig später wird bekannt, dass er nach Lausanne verlegt wurde.

9.9.2014: Die Rehabilitation von Schumacher werde ab sofort zu Hause fortgesetzt, vermeldete Kehm. Schumacher habe "in den vergangenen Wochen und Monaten der Schwere seiner Verletzung entsprechend Fortschritte gemacht, aber es liegt weiterhin ein langer und harter Weg vor ihm".

Steckbrief:

Michael Schumacher
Geb.: 3. Jänner 1969, Deutschland
Geburtsort: Hürth-Hermühlheim; aufgewachsen in Kerpen
Wohnort: Gland (Schweiz)
Familienstand: verheiratet mit Corinna seit 1. August 1995
Kinder: Gina Maria (16), Mick (14)
Bruder: Ralf Schumacher (38/ebenfalls früherer Formel-1-Pilot)

Größte Erfolge:
* Siebenfacher Formel-1-Weltmeister (1994, 1995 und 2000 bis 2004)
* 91 Grand-Prix-Siege (zuletzt 2006)

Erster GP: 25. August 1991 GP von Belgien
Letzter GP: 25. November 2012 GP von Brasilien
Erster GP-Sieg: 30. August 1992 GP von Belgien
Letzter GP-Sieg: 1. Oktober 2006 GP von China
GP-Starts: 307
GP-Siege: 91
GP-Podestplätze: 155
Pole Positions: 68
Teams: 1991 Jordan, Benetton
1992 bis 1995 Benetton
1996 bis 2006 Ferrari
2010 bis 2012 Mercedes

Wichtigste Rekorde: Meiste WM-Titel (7), meiste GP-Siege (91),
meiste Pole Positions (68), meiste Podestplätze (155)

Die Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Siegen der Formel-1-Geschichte:

1. Michael Schumacher (GER) 91 GP-Siege
2. Alain Prost (FRA) 51
3. Ayrton Senna (BRA) 41
4. Sebastian Vettel (GER) 39 *
5. Fernando Alonso (ESP) 32 *
6. Nigel Mansell (GBR) 31
7. Jackie Stewart (GBR) 27
8. Lewis Hamilton (GBR) 26 *
9. Niki Lauda (AUT) 25
. Jim Clark (GBR) 25
10. Juan Manuel Fangio (ARG) 24

* = Fahrer noch aktiv

(APA/Red)

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