Bill Bailey: „Comedy ist Pop!”

Bill Bailey: „Comedy ist Pop!”

Der britische Komiker Bill Bailey über die Kraft von Comedy, die Wut der Menschen auf die Londoner Finanzwelt und den Erfolg der TV-Serie „Downton Abbey”. Mit seinem aktuellen Programm gastiert Bailey im Wiener Gartenbaukino.

Interview: David Baldinger

profil: Warum wollen hunderte Menschen in Wien ausgerechnet mit Ihnen zwei Stunden verbringen? Die meisten kennen die Referenzen in Ihrer Show ja gar nicht.
Bill Bailey: Ja, klar, ich spreche von bestimmten Typen, die sehr britisch sind. Aber in Wahrheit haben doch alle Länder idiotische Politiker. Und jedes Land hat idiotische Popstars. Und leider gibt es auch überall das Phänomen der Reality-Shows. Es geht also nicht mehr nur um britische Kultur. Es geht um globale Kulturen.

profil: Vor 13 Jahren gingen Sie erstmals auf Tour. Was hat sich seither verändert?
Bailey: Als ich unlängst durch China reiste, saß ich in der Provinz Kunming, irgendwo auf dem Land, in einer alten Stadt namens Dali in einem Café. Zwei chinesische Teenager kamen auf mich zu, sprachen mich mit meinem Namen an! Woher, verdammt noch mal, wussten die, wer ich bin? Das war immerhin China: strikte Internet-Kontrollen, kein YouTube, kein Facebook, kein Twitter. Trotzdem hatten diese beiden es geschafft, meine Sachen zu sehen. Wenn Comedy also bis dorthin kommt, dann kommt sie überallhin. Comedy ist Pop!

profil: Wie sehen Sie Großbritannien heute?
Bailey: Es gibt eine große Wut auf die Finanzwelt, und die Kluft zwischen Arm und Reich ist gigantisch. London existiert in einer Blase, in der Vermögen aus Russland, Saudi-Arabien oder Quatar herumschwirren. Das Land ist in einem seltsamen Zustand, von Promis ebenso besessen wie von der eigenen Vergangenheit, wie sie etwa in "Downton Abbey“ zelebriert wird. Man sehnt sich nach einer glorreicheren Zeit, ist wütend auf die Gegenwart. Ich schätze, das Land ist mitten in einer Veränderungsphase und wünscht sich neue, radikale Ideen.

profil: Aber der Comedy-Boom lebt von der Sehnsucht der Menschen nach Zerstreuung.
Bailey: Sicher. Auszugehen und über den Zustand der Welt zu lachen - das ist eine der großen Freuden des Lebens, eine Katharsis. Das wurde mir über die Jahre immer bewusster: Wir suchen andere, die so sind wie wir. Comedy ist eine Art der Bindung. In unsicheren Zeiten, wenn politische Lösungen unklar sind und es keine Führung gibt, haben Komiker die wichtige Rolle, Dampf rauszulassen.

profil: Würde eine Comedy-Supergroup funktionieren? Wie wäre das, wenn Sie sich die Bühne teilten mit anderen britischen Stand-up-Stars wie Eddie Izzard oder Ricky Gervais?
Bailey: Oh, das könnte interessant werden, so etwas wie Comedy-Live-Aid. Andererseits gäbe es wohl jede Nacht Streit in der Frage, wer Headliner sein darf.

Zur Person
Aufgewachsen im südenglischen Bath, gründete Bill Bailey 1984 das Comedy-Duo The Rubber Bishops, mischte surrealen Humor mit Musikeinlagen. Mitte der 1990er-Jahre begann sein Aufstieg in den Comedy-Olymp. Mit Simon Pegg spielte er in der TV-Serie "Spaced“, mit Dylan Moran in "Black Books“. Er war Gastgeber der BBC-Kult-Show "Never Mind the Buzzcocks“. Mit seinem aktuellen Programm "Qualmpeddler” ist er am 26. und am 27. Mai im Wiener Gartenbaukino live zu erleben.