„Blue Jasmine” von Woody Allen: Die lustige Witwe

Kapitalismus und Klassenverhältnisse: Woody Allens neue Tragikomödie "Blue Jasmine".

Woody Allen hat Europa als Filmkulisse vorläufig – bis man ihm das nächste gute Produktionsangebot macht - hinter sich gelassen und in seine Heimat zurückgefunden, um eine geradezu klassisch amerikanische Geschichte zu erzählen. Cate Blanchett zieht als bankrotte Investorenwitwe, die sich von ihrem Luxuslebensstil nicht mehr trennen kann, in San Francisco bei ihrer bislang stets verachteten Schwester ein, die von Energiebündel Sally Hawkins mit feinem Sinn für proletarische Gegentöne gespielt wird.

Geplauder und Geschrei
"Blue Jasmine" berichtet in gut gesetzten Rückblenden von den schwesterlichen Turbulenzen und dem Eheleben der jäh Verarmten (mit dem eitlen Alec Baldwin) in Form eines zynischen Melodrams, das halb Klassenkomödie, halb Trauerspiel ist. Der Regisseur setzt wie gewohnt auf viel Geplauder und Geschrei, aber Blanchetts brillante Performance überstrahlt die Stagnation der Erzählung. Am Ende bleibt eine tragische Frauenfigur einsam zurück – eine in Arroganz und Verzweiflung in den Straßen der Stadt Gestrandete.