Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
08/19/2020

#brodnig: Die Uhr tickt

Warum es bedenklich ist, dass die USA so viel Druck auf TikTok machen.

von Ingrid Brodnig

Wenn Sie erwachsen sind, werden Sie womöglich mit der bei Teenagern sehr beliebten App TikTok nicht viel anzufangen wissen. Diese App blendet den Usern unterhaltsame Videos ein-viele posten dort kurze, aber sehr kreative Klamaukvideos. Rund vier von zehn Jugendlichen nutzen sie in Österreich, wie eine Umfrage der Organisation SaferInternet.at besagt. Das Besondere an TikTok ist, dass es der einzige erfolgreiche Newcomer am Markt der sozialen Netzwerke ist. Die Platzhirsche Facebook, Instagram und YouTube machen es kleineren Mitbewerbern nicht so leicht, noch Fuß zu fassen. Nur TikTok ist das gelungen. Noch etwas macht es zur Ausnahme: TikTok gehört ByteDance, einem chinesischen Anbieter. Das wird der App nun zum Verhängnis: Die US-Regierung wirft TikTok vor, ein trojanisches Pferd zu sein, bei dem insgeheim der chinesische Staat Zugriff auf die Daten amerikanischer Bürger hätte. Was ist da dran? Die USA haben keine konkreten Belege dafür vorgelegt. Auch haben sie TikTok nicht ermöglicht, auf diese Vorwürfe im Detail zu antworten. Stattdessen erließ Trump mittlerweile ein Dekret, das es TikTok ab Ende September verunmöglichen würde, weiter Geschäfte in den USA zu machen. Nun könnte es passieren, dass sich das Unternehmen notgedrungen von einem amerikanischen Konzern kaufen lässt (zum Beispiel Microsoft oder Twitter).Das Vorgehen des Weißen Haus ist umstritten: Denn Trumps Dekret würde bedeuten, dass der Präsident der Vereinigten Staaten im Alleingang definieren kann, welche sozialen Medien aus dem Ausland in den USA zulässig sind (sofern sie sich nicht von einem amerikanischen Konzern aufkaufen lassen).Aktuell wird diskutiert, ob das ein zu starker Eingriff in persönliche Freiheiten sei. Anzumerken ist, dass manch ein IT-Security-Experte keine großen Unterschiede zwischen TikTok und anderen Online-Diensten sieht. David Choffnes von der Northeastern University meinte im Magazin "Wired",dass TikTok "in derselben Liga" wie andere Social-Media-Apps spiele. Das erweckt den Eindruck: Es sind womöglich nicht technische Bedenken, die das Vorgehen gegen TikTok bestimmen. Außenpolitische Interessen scheinen hier eine große Rolle zu spielen-und die Tatsache, dass die Beziehungen zwischen China und den USA angespannt sind. TikTok ist offensichtlich zum Spielball der Weltpolitik geworden-mit einem höchst unberechenbaren Mitspieler namens Donald Trump.

23 PROZENT mehr Jugendliche nutzen TikTok im Jahr 2020 als im Jahr zuvor. Das besagt SaferInternet.at in ihrem Jugend-Internet-Monitor. Somit nutzen 42 Prozent der 11-bis 17-Jährigen diese App aktuell.

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