Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

#brodnig
04/20/2022

#brodnig: Homeoffice forever!

Zeit für ein Resümee: Die Daten, die bisher zum Arbeiten von zu Hause aus vorliegen, sind ermutigend.

von Ingrid Brodnig

35 Prozent weniger Kündigungen, insgesamt höhere Zufriedenheit des Personals, keine negativen Auswirkungen auf die Produktivität. So viel bringt es, Homeoffice an zwei bis drei Tagen pro Woche einzuführen. Zumindest ist das der erste Befund des Ökonomen Nick Bloom, der an der Universität Stanford forscht. Er hat gemeinsam mit dem großen chinesischen Reiseunternehmen Trip.com eine Untersuchung durchgeführt.

Rund 1600 Angestellte aus dem Bereich Informatik, Marketing und Finanzen wurden in zwei Gruppen geteilt: Die erste Gruppe arbeitete zwei bis drei Tage die Woche im Homeoffice, die anderen Tage im Büro - es kam also zu „hybridem Arbeiten“. Zweitens gab es eine Kontrollgruppe, bei der die Mitarbeiter:innen weiterhin fünf Tage die Woche im Büro werkten (die niedrigen Corona-Zahlen in China im Jahr 2021 machten diese Untersuchung möglich). Nach sechs Monaten zeigte sich, dass die hybride Arbeitsform weniger Kündigungen und somit weniger Kosten für das Finden von neuem Personal brachte. Auch trat manch eine Befürchtung rund um das Thema Homeoffice (zum Beispiel niedrigere Produktivität) nicht ein.

Der Wissenschafter Bloom hat die ersten, vorläufigen Daten online veröffentlicht, siehe nbloom.people.stanford.edu/research. Die Untersuchung muss noch wissenschaftlich peer-reviewt, also von Fachkolleg:innen begutachtet werden. Das chinesische Unternehmen Trip.com hat indes bereits reagiert: Es erlaubt nun hybrides Arbeiten in all seinen Abteilungen. 

Dieses Beispiel passt gut zu den Erfahrungen, die viele in der Pandemie machten. In vielen Unternehmen war es vor der Corona-Krise ungewöhnlich bis undenkbar, einen signifikanten Teil des eigenen Personals von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Mittlerweile aber hat sich hybrides Arbeiten in einigen Betrieben tatsächlich als neue Normalität etabliert.

Ich fürchte, dass viele positive Vorhersagen, die am Anfang der Pandemie gemacht worden sind, nicht eintraten - beispielsweise ist dieses gesellschaftliche Gefühl des Zusammenhaltens und die Solidarität mit dem Gesundheitspersonal rasch verflogen. Aber zumindest diese wichtige Erkenntnis wird bleiben: dass Arbeit nicht ganz so starr und stationär sein muss, wie wir es einst gewohnt waren.