Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

#brodnig
03/23/2022

#brodnig: Her mit den Daten!

Facebook, YouTube und TikTok könnten noch viel mehr Einblicke geben, welche Falschmeldungen über den Ukraine-Krieg kursieren.

von Ingrid Brodnig

Derzeit wird viel über Social Media und den Ukraine-Krieg berichtet - zum Beispiel, welche Falschmeldungen kursieren oder welche echten Videos verbreitet werden. Aber wir sollten auch darüber sprechen, was wir nicht wissen: Große Plattformen könnten noch viel mehr Transparenz schaffen. Zwei Beispiele:

1. Besserer Einblick in virale Storys:

Welche Accounts erzielen derzeit die meiste Interaktion über den Krieg (zum Beispiel Likes, Kommentare, Shares) auf sozialen Medien? Oder: Welcher Account hat als Erstes ein Gerücht oder eine Formulierung verwendet? Hier handelt es sich um öffentliche Information, mit deren Hilfe man ein klareres Bild von Social-Media-Trends zum Krieg bekommt.

2. Plattformen arbeiten zunehmend mit Warnhinweisen:

Facebook zum Beispiel blendet ein, wenn ein Posting von Faktencheck-Sites überprüft und als Falschmeldung entlarvt worden ist. Eine Datenbank wäre hilfreich, in der sich alle Falschmeldungen nachschlagen lassen. Eine solche gibt es bisher nicht. Diese Vorschläge stammen von Brendon Silverman (hier nachzulesen). Er hat das Online-Tool Crowdtangle gegründet, das von Journalist:innen zum Auswerten von Facebook-Sites genutzt werden kann und somit die Transparenz von Facebook ein Stückweit erhöhte. 2016 kaufte Facebook Crowdtangle und splitterte später das Team auf. Silverman hat das Unternehmen mittlerweile verlassen - tritt aber weiter für Transparenz ein.

Warum ist mehr Transparenz von Facebook, aber auch von YouTube oder TikTok wichtig? Geht es hier nur darum, die Wissbegierde von Medien oder Forschenden zu befriedigen? Nein, digitale Transparenz hat reale Vorteile. Die philippinische Journalistin Maria Ressa und ihr Team haben jahrelang die Statistiken von Crowdtangle genutzt, um gegen Falschmeldungen und Hassreden auf den Philippinen vorzugehen. Für ihren Einsatz erhielt sie 2021 den Friedensnobelpreis. Vor allem in Kriegszeiten sollten wir genaue Statistiken haben, welche Gerüchte auf Social Media besonders stark zirkulieren - damit wir als Gesellschaft fragwürdige Behauptungen ausreichend kontern können.