Conchita Wurst und der Song Contest 2015: Gerangel um Austragungsort und Kosten

Conchita Wurst und der Song Contest 2015: Gerangel um Austragungsort und Kosten

Nach dem Feiern über den Erfolg von Conchita Wurst kommt das Arbeiten, respektive das Zahlen und das Gerangel um den Austragungsort. Neben Wien bringen sich auch Klagenfurt, Niederösterreich und Innsbruck in das Spiel um die Austragung. Die Kosten dürften sich auf rund 25 Millionen Euro belaufen.

Der fulminante Triumph von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest 2014 bedeutet, dass das größte Musikevent der Welt kommendes Jahr in Österreich ausgerichtet wird. Für die Show mit 120 Millionen Fernsehzuschauern reisen jährlich an die 2.000 Journalisten an. Damit stehen große Planungen und durchaus auch große Kosten ins Haus.

In Summe werden die Aufwendungen für einen ESC meist mit rund 25 Millionen Euro kalkuliert, wobei hier nicht alles allein vom heimischen Fernsehsender zu tragen ist und die Umwegrentabilität nicht außer Acht gelassen werden darf. Die Kosten für den Ausrichter ARD lagen etwa in Düsseldorf 2011 bei rund 12 Millionen Euro.

Kleiner dimensioniert war dann Malmö im Vorjahr, wo die Halle mit 12.000 Zuschauern deutlich weniger Menschen als etwa die Düsseldorf Arena mit 36.000 Gästen fasst. Das Budget lag damals bei rund 18 Millionen Euro. Und heuer in Kopenhagen muss das Danmarks Radio (DR) mindestens 25 Millionen Euro zahlen.

Wien und Klagenfurt bringen sich in Stellung
Die Entscheidung, wo Österreich das Event veranstalten wird, dürfte allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen. Düsseldorf erhielt etwa erst Anfang Oktober 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Veranstaltung im Mai 2011, für die sich auch Berlin, Hamburg und Hannover beworben hatten. Fix ist jedenfalls, dass Österreich auf die Gastgeberrolle nicht verzichten wird, wurde am Sonntag seitens des ORF betont.

Doch es ist nicht zwangsläufig klar, dass Wien den Musikzirkus beheimaten wird. Der ESC gastiert sogar gerne außerhalb der großen Metropolen: So finden sich weniger glamouröse Austragungsorte wie Harrogate, Brighton oder im Vorjahr Malmö auf der Liste. Allerdings muss man zugestehen, dass die Hauptstädte bei den Austragungsorten klar in Führung liegen - mit derzeit 37:22.

Am Sonntag meldete die APA, dass sich bereits der Chef der Wiener Stadthalle, Wolfgang Fischer, sowie der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider (FPÖ) ins Spiel gebracht haben. Letzterer will dem ORF das Wörthersee-Stadion näherbringen.

Mit einer Kapazität von 16.000 Zuschauern in der Halle D stehe die Stadthalle "selbstverständlich" für die Austragung des Megaevents zur Verfügung. "Wo sonst hast du eine Halle - in Kopenhagen waren es 11.000, in Malmö 12.000 - wo du diese Menschenanzahl unterbringst?", bekräftigte Fischer. Bei 250 Shows pro Jahr seien außergewöhnliche Begebenheiten wie "Feuerwerke, Regen, Schnee oder was auch immer man auf der Bühne haben will" tägliches Geschäft, auf den ESC könne man sich daher problemlos einstellen.

"Wir hätten mit dem Wörthersee-Stadion eine wunderbare Location, die viel besser geeignet ist als etwa die Wiener Stadthalle", entgegnet wiederum Scheider: Das Stadion sei mit der neuesten Technik ausgestattet und biete 30.000 Besuchern Platz. Auch die Infrastruktur sei vorhanden und mit dem Wörthersee gebe es ein wunderbares Ambiente. Auf die Frage, wie man das Problem lösen wolle, dass das Stadion nicht überdacht ist und eine Regenfront oder starke Gewitter den Event stören könnten, meinte Scheider, über die Details müssten sich Experten Gedanken machen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Stadt die organisatorischen Voraussetzungen erfüllen könne, schließlich habe man ja auch die EURO 2008 veranstaltet.

Nach Wien (Stadthalle) und Kärnten (Wörthersee-Stadion) offeriert sich nun auch Niederösterreich. Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger teilte am Sonntagabend mit, dass der Song Contest als "Open Air in NÖ" veranstaltet werden solle.

"Ich werde kommende Woche schon Gespräche beim ORF in Wien suchen, um Niederösterreich in dieser sicherlich einzigartigen Möglichkeit zu positionieren", so die für Großveranstaltungen zuständige Landesrätin (Team NÖ). Es biete sich "eine Chance auf das erste Open Air Finale dieser Veranstaltung", sagte Kaufmann-Bruckberger mit Blick auf die Tatsache, dass der europäische Gesangswettbewerb in seiner sechs Jahrzehnte langen Geschichte noch nie unter freiem Himmel ausgetragen wurde.

Innsbruck meldet sich zu Wort
Sonntagabend meldete sich zudem Innsbruck zu Wort. "Wir haben bereits mehrfach bewiesen, dass in Innsbruck internationale Veranstaltungen wie etwa die zweimaligen Olympischen Spiele sowie die weltweit erstmals ausgetragenen Youth Olympic Games perfekt ausgerichtet werden können", heißt es in einer Aussendung: "Wir bieten unsere Expertise gepaart mit einem international bestens angebundenen Standort an". Der ESC 2015 wäre eine "optimale Werbung" für den Tourismusstandort Tirol.

Die Austragung des Song Contests wird den ORF Schätzungen zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat in diesem Zusammenhang bereits eine "nationale Kraftanstrengung" gefordert. Eine Schlüsselrolle bei der Bereitstellung der erforderlichen Mittel für die Großveranstaltung wird Finanzdirektor Richard Grasl spielen, der ehemalige Chefredakteur des ORF Niederösterreich mit besten Kontakten zur dortigen Landesspitze.

Startschuss für die Organisation
ORF-TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm zeigte sich jedenfalls bereits in der Nacht auf Sonntag optimistisch in Bezug auf die Ausrichtung des Song Contest 2014: "Wenn es auch kleine Länder wie Dänemark geschafft haben, eine solche große Veranstaltung auf die Beine zu stellen, dann werden wir es auch schaffen", sagt er.

Am Montag soll bereits der Startschuss für die Organisation erfolgen. "Da gibt es einen ganz strikten Zeitplan, sagt Böhm: "Wir werden ein Team für diesen Event freistellen müssen - das ist ein Fulltimejob."

Die Gewinner seit 1956
Irland bleibt auch nach Kopenhagen das bis dato erfolgreichste Song-Contest-Land: Der Inselstaat führt auf der Allzeitbestenliste der Gewinner seit 1956 uneinholbar mit 7 Siegen. Österreich näherte sich mit dem Sieg von Conchita Wurst und damit insgesamt 2 Triumphen langsam an.

In der Liste auf Irland folgen allerdings Schweden, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg, die auf je 5 Siege zurückblicken. Auf der ewigen Bestenliste folgen die Niederlande (4 Siege); Dänemark, Israel und Norwegen (je 3); Deutschland, Italien, nun Österreich, die Schweiz und Spanien (je 2) sowie Aserbaidschan, Belgien, Estland, Finnland, Griechenland, Jugoslawien, Lettland, Monaco, Russland, Serbien, die Türkei und die Ukraine (je 1).

(APA/Red)