Joachim Löw freut sich auf die K.o.-Phase
Joachim Löw freut sich auf die K.o.-Phase

© APA (AFP)

Gesellschaft
06/22/2016

Deutschland mit Schwung ins Achtelfinale

Spaniens Niederlage am Dienstag gegen Kroatien führte dazu, dass für Deutschland der Weg ins Finale

Spaniens Niederlage am Dienstag gegen Kroatien führte dazu, dass für Deutschland der Weg ins Finale extrem beschwerlich geworden ist. Im Viertelfinale würde auf die Elf von Jogi Löw der Sieger des Duells von Italien und Titelverteidiger Spanien warten, im Halbfinale ginge es gegen Frankreich oder England, sollten diese beiden Mitfavoriten zuvor ihre Achtelfinalspiele gewinnen. Dennoch herrscht Vorfreude im deutschen Lager. "Ich freue mich auf die K.o.-Runden, das sind für mich die tollen Spiele", erklärte Löw.

Die Gruppenphase war für Löw dagegen "zäh", bekamen es doch Kroos und Co. mit teils ultra-defensiven Gegnern zu tun. Gegen Polen (0:0) fehlte noch die Durchschlagskraft, gegen Nordirland nur noch die Effizienz vor dem Tor. 26:2 Schussversuche, der bisherige EM-2016-Rekordwert von 71 Prozent Ballbesitz und rund ein Dutzend Großchancen drückten die Überlegenheit eher aus als das Ergebnis. Die Mauertaktik brachte aber auch Nordirland als einen der vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale.

"Ich war zufrieden, wir haben das Spiel total dominiert", sagte Löw nach dem Spiel im Pariser Parc des Princes. Allein die Chancenverwertung ärgerte ihn. "Wir müssen schon zur Halbzeit 3:0, 4:0 führen. Wenn die K.o.-Spiele kommen, muss man die wenigen Chance eiskalt verwerten und nicht damit spaßen", forderte Löw mehr Konzentration vor dem Tor.

Seine taktischen Umstellungen haben aber gefruchtet. Der ehemalige Clubtrainer des FC Tirol und von Austria Wien setzte mit Mario Gomez erstmals auf einen echten Stürmer, der die Aufstellung mit dem Siegestor dankte (30.). "Wir sind Gruppenerster, das ist, was zählt bei einer EM. Jetzt hoffen wir, dass wir auch noch die Tore schießen. Vielleicht haben wir uns die Tore für die K.o.-Phase aufgehoben", meinte der Angreifer von Besiktas Istanbul.

Vielleicht klappt es dann auch bei Thomas Müller. Der Bayern-Stürmer, der bei seinen zwei Weltmeisterschaften jeweils fünf Tore erzielt hat, war im Abschluss neuerlich glücklos und ist bei einer EM-Endrunde weiter ohne Treffer. Müller vergab vier Großchancen, er scheiterte alleine vor dem Tor an Schlussmann Michael McGovern (8.), verfehlte sein Ziel knapp (23.), traf per Kopf nur die Außenstange (27.) oder nur die Latte (34.). "Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben. Nur die Tore haben gefehlt. Allein ich hätte in der ersten Halbzeit mit Gareth Bale gleichziehen können", meinte Müller mit Blick auf den Star der Waliser, der mit drei Treffern die Torschützenliste anführt.

Dennoch: "Kein Spiel verloren, kein Gegentor, Gruppenerster, also können wir glücklich damit sein", resümierte der als "Man of the Match" ausgezeichnete Spielmacher Mesut Özil. Und Lob gab es auch vom"Kaiser". "Unsere Spieler trugen zwar das gleiche Trikot wie beim 0:0 gegen die Polen. Aber gestern gegen Nordirland stand irgendwie eine neue deutsche Mannschaft auf dem Platz", schrieb Franz Beckenbauer in seiner Kolumne für die "Bild"-Zeitung.

Deutschland überstand erstmals seit 20 Jahren die EM-Gruppenphase ohne Gegentor, 1996 folgte danach der bisher letzte von drei EM-Titeln. Sorgen macht allein die Wade von Jerome Boateng. Er plagt sich mit einer neurogenen Verhärtung in der rechten Wade. Diese Diagnose ergab die eingehende medizinische Untersuchung des Innenverteidigers am Mittwoch. "Ich gehe davon aus, dass er im Achtelfinale spielen kann", war Joachim Löw dennoch nicht bange ob eines Einsatzes am Sonntag.

Drei Stunden nach den Deutschen durften aber auch die Nordiren über den Aufstieg jubeln. Durch den Sieg der Türkei gegen Tschechien steht der EM-Neuling dank der besseren Tordifferenz gegenüber der Türkei und Albanien als einer der Gruppendritten im Achtelfinale. Zu verdanken hatten das die Nordiren ihrem Torhüter Michael McGovern, der ein Debakel verhindert hatte. "Seine Teamkollegen haben ihm in der Kabine applaudiert", berichtete Nordirlands Coach Michael O'Neill.