Bei Valentinos letzter Show in Paris waren die Models kurvig und vorrangig asiatisch oder afrikanisch.

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Gesellschaft
02/16/2022

Die Modewelt nimmt die Diversitäts-Mission endlich ernst

Echte Schönheit und Lebensnähe: Diversität ist längst nicht mehr nur ein kurzlebiger Trend in der Modewelt.

von Angelika Hager

Man war besonders bei Prada androgyne Anfangszwanziger als Männermodels gewohnt. Bei der letzten Show in Mailand schickte Chefdesigner Raf Simons mit Jeff Goldblum, 69, und Kyle MacLachlan, 62, Hollywoodstars über den Laufsteg, die als Signal der Abkehr vom Jugendwahn zu verstehen waren. „Wir wollten damit auch zeigen“, so Simons, „dass jeder Mensch in jeder Phase seines Lebens Bedeutung hat und wir Kleider machen für das echte Leben.“ Tendenzen zum echten Leben zeichneten sich im letzten Jahrzehnt immer wieder ab, beispielsweise zierte die kürzlich verstorbene Schriftstellerin Joan Didion in ihren hohen Siebzigern die Inseratenkampagne von Celine.

Ein Pionier, der schon in den 1990er-Jahren die Schönheit des Übergewichts zelebrierte, war Jean-Paul Gaultier, der 2015 mit der kurvigen Sängerin Beth Ditto als Starmodel angetreten war. Als „Gamechanger“ wollte sich auch Valentinos Design-Mastermind Pierpaolo Piccioli in Paris etablieren: Er ließ vorrangig Plus-Size-Models oder zumindest normalgewichtige Kolleginnen seine puristischen Glamour-Roben vorführen.

Wichtig war ihm ebenso ein Überhang an dunkelhäutigen Models auf seinem Catwalk: „Wir sind eine italienische Luxusmarke, und angesichts des grassierenden Fremdenhasses in Italien ist es uns wichtig, auch diesbezüglich den Diversitätsgedanken zu implantieren.“ Mode habe einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Gesellschaft. Die britische Model-Agentur Zebedee hat sich schon seit einigen Jahren ausschließlich auf Models mit Behinderungen, Einschränkungen und Besonderheiten wie Transsexualität  spezialisiert.

„Diese Menschen machen 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus“, so die Agenturchefin Ella Singleton zur BBC, „es ist höchste Zeit, dass das die Werbeindustrie sichtbar macht.“ Jüngster Star der Agentur ist die 22-jährige Beth Matthews mit Down-Syndrom, die gerade von Gucci als Anzeigengesicht entdeckt wurde.