"Dschungelcamp" 2016: "Der Erfolg bleibt aus"

"Dschungelcamp" 2016: "Der Erfolg bleibt aus"

Gaga-TV: Wenn die zehnte Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" am Freitag startet, ziehen erstmals zwölf Kandidaten ins Dschungelcamp. Ein Überblick zum 10-Jahr-Jubiläum:

Die am besten laufende TV-Show in Deutschland nach dem Aus von "Wetten, dass..?" feiert Jubiläum. Am Freitag startet die zehnte Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". Zwölf Kandidaten schickt RTL dann in den australischen Dschungel. Das ist nicht die einzige Neuerung, die sich die Kölner haben einfallen lassen. Und die sind angeblich vom Erfolg des Formats überrascht.

"Nach der ersten Staffel konnten wir uns durchaus vorstellen, noch ein paar Mal Promis in den Dschungel zu schicken. An zehn Staffeln hat freilich niemand gedacht", sagt Markus Küttner, Bereichsleiter Comedy & Real Life bei RTL. Schon bei der Premiere 2004 seien die Verantwortlichen sehr vom Erfolg der Sendung überrascht gewesen. "Dass die Show so durch die Decke gehen würde, war nicht abzusehen."

Die diesjährigen Kandidaten im Überblick:

Menderes Bagci , Ex-DSDS-Kandidat
Jenny Elvers , Ex-Heidekönigin
Helena Fürst , Ex-TV-Anwältin der Armen
Gunter Gabriel , Sänger
Ricky Harris , Ex-Moderator
Thorsten Legat , Ex-Fußballer und Fußballtrainer
Jürgen Milski , Ex-Big-Brother-Kandidat
Brigitte Nielsen , Ex-Schauspielerin und Dschungelkönigin
David Ortega , Ex-Reality-TV-Darsteller
Nathalie Volk , Ex-"Topmodel"-Aspirantin
Sophia Wollersheim , Reality-TV-Darstellerin
Rolf Zacher , Sänger und Schauspieler

Anders sieht es Fernsehforscherin Joan Kristin Bleicher von der Uni Hamburg: Der Erfolg der ersten Staffel habe schon nahegelegt, dass die Sendung langfristig gut laufen wird. Sie kombiniere ganz verschiedene Elemente miteinander - Exotik, interessante Figuren, Comedy-Elemente, Provokationen. Das hat Unterhaltungswert. Und das inzwischen alljährlich wiederkehrende Ritual bindet Zuschauer.


Es profitiere vor allem der Sender.

Laut einer Befragung durch die RTL-Vermarktungsgesellschaft IP Deutschland haben bei der vergangenen Staffel 45 Prozent jede oder fast jede Folge gesehen. Neben diesen sogenannten Heavy-Sehern gab ein Viertel der Befragten an, ungefähr die Hälfte oder mehr Folgen gesehen zu haben. Eine derart hohe Zuschauerbindung ist natürlich auch für Werbetreibende interessant. So schreibt IP in der Analyse für einen Internetdienstleister, das Engagement 2015 sei für die Marke aus Werbewirkungs-Gesichtspunkten ein voller Erfolg gewesen.

In welchen der 12 Kandidaten setzen Sie besonders große Hoffnungen?

Wissenschafterin Bleicher sieht für Unternehmen vor allem bei Produktplatzierungen während der Livesendungen gute Chancen, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhaschen. "Ansonsten interessieren sich die Zuschauer eher für die Sendung als für die Unternehmen, die das sponsern", ist sie überzeugt. Es profitiere vor allem der Sender.

"Gerade bei den Stars hingegen ist es zu beobachten, dass der Erfolg bei vielen doch ausbleibt", meint Bleicher. Dieses Mal zählen Sänger Gunter Gabriel (73), Schauspielerin Jenny Elvers (43), Fußballtrainer Thorsten Legat (47) und TV-Anwältin Helena Fürst (41) zu den Teilnehmern. Wieder mit dabei ist auch die Dschungelkönigin von 2012, Hollywood-Star Brigitte Nielsen. Die 52-Jährige hat sich im Sommer den erneuten Einzug ins Pritschenlager erkämpft.


Ja, die haben schon Arbeitsverweigerung gemacht.

Sie sollen es reißen. Denn die Vorgängerstaffel galt vielen als zu langweilig. Die Zuschauerzahl (ab 3 Jahren) sackte in Deutschland von knapp 8 Millionen im Jahr 2014 auf 6,8. Dennoch lag der Marktanteil in der so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen bei 35,9 Prozent - und damit deutlich über dem RTL-Jahresschnitt von 12,2 Prozent.

Trotzdem sagte auch Moderatorin Sonja Zietlow jüngst in der "TV Movie" über die Teilnehmer der neunten Staffel: "Ja, die haben schon Arbeitsverweigerung gemacht." RTL-Bereichsleiter Küttner hätte sich auch "mehr Leben im Camp gewünscht" - rechtfertigt aber: "Wir bleiben uns auf jeden Fall treu und erzählen die Dinge so, wie sie stattfinden im Camp." Bei der Promimischung hätten sie mal mehr, mal weniger Glück. "Das Risiko muss man bei so einem Format eingehen."

Waren die Schreie vor zwölf Jahren noch laut - vor allem wegen der Ekelprüfungen wie servierten Känguruhoden und Bädern in wuselnden Kakerlaken oder Aalschleim, sind die meisten Kritiker inzwischen verstummt. Das Format hat sich als couch-potato-freundliche Abendunterhaltung etabliert. Um wieder mehr Schwung reinzubringen, hat sich RTL für die Besatzung der Jubiläumsausgabe ein paar neue Aufgaben ausgedacht. Der Sender schweigt auch dazu. Schließlich sollen die Kandidaten genauso überrascht werden wie das Publikum.