Eine Reise durch die Esoteriker-Zeitschrift "Pulsar"

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Gesellschaft
02/01/2022

Esoteriker-Zeitschrift "Pulsar": Neues aus Atlantis

Wie sehen Homöopathen und Esoteriker die Welt (und die Impfpflicht?) Eine Reise durch das Magazin "Pulsar".

von Sebastian Hofer

Im Frühwinter 2022, am Höhepunkt von Omikronwelle und Jännerloch, also kurz vor dem Skiurlaub, müssen wir eine Reise antreten. Sie führt ins Unbekannte, in eine Gegend, die auf den ersten Blick gut ausgeleuchtet, fast grell erscheint. Aber sie hat auch dunkle Flecken und Geheimnisse. Nicht alles ist, wie es scheint. Die Reise führt zu Heilsteinen und Homöopathen, Geistheilern und Lebensberatern, nach Atlantis, zu Erzengeln und feinstofflichen Energien. Sie führt ins Innere des Monatsmagazins „Pulsar. Zeitschrift für Aktives Bewusstsein – Gesundheit. Therapie. Innere Entwicklung“.

Seit 33 Jahren erscheint „Pulsar“ in der kleinen steirischen Ortschaft Wutschdorf, wenige Kilometer südlich von Graz, etwa auf halbem Weg zwischen Kalsdorf und Heiligenkreuz am Waasen. Hier leben Kurt und Marlis Bach, Herausgeber und Chefredakteurin. Die Zeitschrift erscheint monatlich in einer Auflage von 18.000 Exemplaren, die Leserschaft ist nach Angaben des Verlegers mehrheitlich weiblich, über 50 Jahre alt und überdurchschnittlich gebildet.

Dem esoterisch und naturheilkundlich Uneingeweihten erlaubt das Magazin einen Einblick in eine Welt, die wohl auch deshalb so geheimnisvoll wirkt, weil das Geheimnis ihre Grundlage ist, und die derzeit von so großem Interesse ist, weil auf diesen Geheimnissen ein bedeutender Teil der aktuellen Corona-Protestbewegung fußt. Kurt Bach, Gründer und Herausgeber, erklärt sich selbst für pragmatisch: „Wir wollen die Menschen sensibilisieren für die Wunder des alltäglichen Lebens. Ich selbst bin kein Esoteriker, bin eher Realist – aber man sieht eben auch in der Realität viele Dinge, die nicht erklärbar sind. Beispiel Licht: Es gibt in der Physik Beweise, dass das Licht eine Welle ist, und es gibt Beweise, dass das Licht ein Teilchen ist. Beides gleichzeitig kann nicht sein, aber es ist trotzdem so.“ (Die Quantenphysik hat für dieses Phänomen freilich gute Erklärungen.)

"Geistheiler oder Channel-Medien erschließen Bahnen zur geistigen Dimension"

Kurt Bach, 67, war bis vor zehn Jahren als Masseur tätig, seine Frau Marlis ist medizinisch-technische Assistentin und seit der Pensionierung ihres Mannes hauptverantwortlich für Verlag und Zeitschrift. In einem Editorial zum 30-jährigen Bestehen des "Pulsar" im April 2019 erläuterte die Chefredakteurin ihr Mission Statement: "Wir behandeln Gesundheitsthemen in der Art und Weise, dass wir verschiedene Methoden abseits des Mainstreams sorgfältig recherchieren und dann die Sichtweise des jeweiligen Autors veröffentlichen." Es folgt ein Bekenntnis zu Homöopathie und Vegetarismus sowie eine Annäherung an den "feinstofflichen Bereich": "Spiritualität verstehen wir nicht nur im religiösen Sinn, sondern vielmehr in Richtung Buddhismus. (...) Etliche Geistheiler oder Channel-Medien erschließen die Bahnen zur geistigen Dimension wie zu den Engeln, die uns stets mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn wir ihnen die Gelegenheit dazu geben."

Im Lauf seiner Geschichte habe "Pulsar" durchaus auch Kritik eingesteckt, insgesamt gebe die Entwicklung aber Anlass zur Zuversicht: "Esoterik ist in der übertragenen Bedeutung von spiritueller Entwicklung gesellschaftsfähig geworden, ebenso die Homöopathie. In jeder Apotheke kann man heute homöopathische Produkte erwerben, und homöopathische Ärzte findet man beinahe flächendeckend. Anno dazumal wurde Pulsar mit seiner impfkritischen Haltung angegriffen, heute hat sich die Impfkritik ausgeweitet und stellt einen wichtigen Gegenpol zum standardisierten Impfwesen der Schulmedizin dar." Insgesamt gelte das Prinzip: "Wir haben uns stets von Fanatismus, Sektiererei und respektloser Abwertung von Kleingruppen distanziert und prägen eine bodenständige Haltung zu diesen Themen."

Der Boden, auf dem diese Themen stehen, wird bei der Lektüre rasch klar: Es geht um Heilung, um körperliches Wohlbefinden und um seelische Wellness. Die Wege dorthin sind vielfältig. Ein wichtiges Schlagwort dazu, aus einer Einladung zum Pulsar-Kongress, der hauseigenen jährlichen Heilpraktiker-Messe: "Wer heilt, hat Recht." Einige Themenschwerpunkte der dreitägigen Veranstaltung (deren diesjährige Ausgabe aus Pandemiegründen abgesagt werden musste): "Geistiges Heilen. Sehen ohne Augen. Gechannelte Botschaften für jedermann. Leben im Jenseits. Zero Point Adventure-Heilung am Nullpunkt."

Die Fragen, auf die Pulsar antwortet, sind im Grunde alltäglich: Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Warum geht es mir so, wie es mir geht - und wird es jemals besser? Wer hilft mir dabei, wer hindert mich daran? Es geht darum, gesund zu sein und einen Sinn zu finden, eine Lebensaufgabe oder eine höhere Weisheit. Yoga, Veganismus und Homöopathie sind in diesem Zusammenhang bloß parallele Phänomene zum eher wunderbaren Bereich, in dem Engelsund Geisterscheinungen genauso möglich erscheinen wie das Eintreffen jahrtausendealter Prophezeiungen.

Dennoch schleicht sich bald auch Verwirrung ein. Der Blick, den "Pulsar" auf die Welt wirft, wirkt dem Uneingeweihten trüb. Wo liegt der Kern des hier Beschriebenen, wo die Schnittmenge des Geglaubten? Vertrauen Leute, die auf das Channeling verstorbener Angehöriger schwören, auch darauf, dass Orgonakkumulatoren ihr Wohlbefinden steigern? Gibt es eine - energetische? - Verbindungslinie zwischen Atlantis und dem Erzengel Raphael? Und was um Himmels willen ist ein "Zero Point Adventure"?

Akademische Titel und Quellenangaben gehören im "Pulsar" interessanterweise zum guten Ton, es ist, abseits der druidisch-schamanischen Sphäre, die ihre ganz eigenen Regeln hat, offenbar ein Anliegen, der wissenschaftlichen Weltsicht zu genügen. Leider wird der Anspruch oft nur zum Teil erfüllt. Ein Beispiel aus der Feder von Prof. Dr. h.c. Christos Drossinakis, Gründer der Internationalen Akademie für Wissenschaftliche Geistheilung (IAWG): "Zuletzt wurde ein wissenschaftliches Experiment mit Prof. Ignat Ignatov und allen IAWG-Familienmitgliedern durchgeführt, in welchem wir gemeinsam in drei Experimenten bewiesen haben, dass Energie sich mit ÜBERLICHTGESCHWINDIGKEIT über eine Distanz (...) bewegen kann."

Am Ende ist wohl alles Energie, und in der Energie findet alles zueinander: Zahlenmystik und Darmgesundheit, Kristalle und Krankheiten, Natur und Technik. Dazu noch zwei Beispiele aus den "Pulsar"-Kleinanzeigen: "Bei Anruf Lebensaufgabe: Warum will Stephan nichts von dir wissen? Weil er die exakten Details Deiner Lebensaufgabe direkt von der Quelle - deiner Seele - holt! Der Schlüssel dazu ist ein Telefonat mit Stephan Möritz. Er baut eine 'Standleitung' zu Deiner Seele auf und erfragt bis ins letzte Umsetzungsdetail Deine mitgebrachte Gabe." Und, ein paar Zeilen weiter: "Originale Indische Palmblatt-Bibliothek in Deutschland und Österreich/Schweiz. In einer Lesung von Ihrem Palmblatt, welches schon als Lebensweg Ihrer Seele vor 7000 Jahren von weisen Männern, den Rishis, geschrieben wurde, erfahren Sie etwas von Ihren früheren Leben, Ihre jetzige Lebensaufgabe und Ihren Lebensplan."

Tatsächlich ist nicht alles auf diesen Seiten derart verwegen, "Pulsar" enthält auch vergleichsweise rationale Beiträge über die Behandlung von Akne, die immunologische Bedeutung des Saunierens oder Probleme mit Gluten-Unverträglichkeit. Herausragend auf letzterem Gebiet ist übrigens eine "Naturbackstube" aus Güssing mit ihrem neu entwickelten glutenfreien "Pacha-Maia Urbrot". Auch hierzu werden ansatzweise naturwissenschaftliche Belege mitgeliefert: "40 Personen aßen zwei Monate lang kein anderes Brot und Gebäck und lebten auch sonst glutenfrei. Bei allen verbesserte sich die Verdauung stark bis sehr stark. Bei zwei Drittel verbesserten sich Stimmung und Lebensfreude. Nahezu alle verspürten mehr Energie, waren weniger müde tagsüber. Bei der Hälfte war die Konzentration besser."

"Mit den Viren ist nicht zu spaßen"

Im Februar 2020 erschien "Pulsar" mit einer eindeutig hellsichtigen Titelgeschichte: "Apokalypse Hausgemacht". Marlis Bach erläuterte darin zwölf Weltuntergangsszenarien, darunter Klimawandel, Asteroideneinschlag, Supervulkan-Ausbruch, Erdbeben, Nuklearkrieg, ökologischer Kollaps, und-Pandemie: "Mit den Viren ist nicht zu spaßen." Denn: "Schützen kann einen vor dieser Unbekannten maximal ein intaktes Immunsystem, und wenn auch dieses versagt, könnte sogar die gesamte Menschheit einem solchen Winzling zum Opfer fallen."

Ganz so weit kam es dann doch nicht, aber natürlich machte Corona auch vor "Pulsar" nicht halt. In den ersten Ausgaben nach Ausbruch der Pandemie war SARS-CoV-2 noch erstaunlich wenig präsent, bekam aber im Lauf des Jahres 2020 doch noch den gebührenden Platz eingeräumt. Dabei wurden insbesondere skeptische Stimmen gegen Maskenpflicht und Schutzimpfung laut sowie alternative Schutzund Heilkonzepte beschworen: Im Oktober 2020 erläuterte Chefredakteurin Bach etwa den Komplex "Homöopathie &Corona" und empfahl, "sich einen Vorrat an folgenden Mitteln in der C30-Dosierung anzulegen: Arsenicum album, Gelsemium, Bryonia, Labella purpurascens, Phosphor, Belladonna, Antimon tartaricum". Einige regelmäßige Autoren des "Pulsar" sind auch über dessen Leserschaft hinaus für ihre querdenkerische Haltung bekannt, so etwa der Alternativmediziner Rüdiger Dahlke oder der impfkritische Grazer Mediziner Klaus Bielau - übrigens ein festes Redaktionsmitglied des "Pulsar".

In seiner aktuellen Kolumne erteilt Bielau der ehemaligen Mitarbeiterin im Verteidigungsministerium Monika Donner das Wort, die nach der Veröffentlichung ihres Buches "Corona-Diktatur" und mehreren Auftritten auf verschwörungstheoretisch grundierten YouTube-Kanälen aus dem Staatsdienst entlassen wurde. Gemeinsam kommen Bielau und Donner bei einem "Herbstspaziergang " zu dem Schluss: "Corona, die Krone, ist vielleicht die Krönung der Dreistigkeit der globalen Machtelite. Es ist jetzt der Start zum Gipfel, um die Menschheit ultimativ zu unterdrücken." Kurt Bach verwehrt sich im Gespräch mit profil gegen den Vorwurf, einseitig Stimmung zu machen: "Unser Autor Doktor Bielau ist gegen die Impfpflicht und gegen das Impfen überhaupt. Das ist seine Ansicht, meine persönliche Ansicht ist eine andere." Er selbst sei - widerwillig - gegen Corona geimpft. "Wir als Redaktion versuchen, das Ganze sachlich zu beschreiben, nicht nur einseitig zu berichten. Andere Redakteure schreiben ihre Meinung. Uns erscheint es legitim, verschiedene Meinungen abzudrucken."

Tatsächlich erscheint der jüngste Teil der laufenden Artikelserie "Impfen mit Zweifeln?" als abwägende, dabei aber doch mehrheitlich impfkritische Analyse: Es wird über Impfnebenwirkungen informiert, die Möglichkeit einer Impfpflicht-Befreiung erläutert, schließlich werden Vor- und Nachteile abgewogen: "Was nach diesen Impfungen noch länger erhalten bleibt, ist zumindest ein Schutz vor schweren Verläufen bis hin zu Todesfällen: im Schnitt zu 42 Prozent - für Menschen mit Vorerkrankungen stellt dies immerhin noch ein ausreichendes Argument dar, sich impfen zu lassen."

"Die Kraft des Lichtes und der Kristalle"

Wissenschaft und Zweifel, Hoffnung und Angst, Für oder Wider - im esoterischen Weltbild verknoten sich übersinnliche Ahnungen und verschwörungsmythisches Raunen leider allzu leicht. Denn was unfassbar erscheint, muss doch wohl eine Erklärung haben, sie könnte im Jenseits liegen oder in den Labors der Pharmafirmen. Andeutungen reichen bisweilen zur Meinungsbildung, ein Doktortitel oft zu deren Verfestigung. Allerdings haben wir auf dieser Reise durch den "Pulsar" doch immerhin etwas gelernt, nämlich das Denken in größeren Zusammenhängen. Uns bleibt, so gesehen, immer noch Atlantis. "Pulsar"-Autor Karsin R. Ebker informiert (in einem Artikel über "Atlantische Kristallheilung, kurz AKH"): "Die Menschen lebten damals mit einer vollständig aktivierten 12-Strang-DNA und demzufolge mit einem erweiterten Bewusstsein friedlich zusammen. (...) Seit über 20 Jahren öffnet sich die Kraft von Atlantis wieder, die Kraft des Lichtes und der Kristalle." Die Hoffnung lebt, als Welle wie auch als Teilchen.