FIFA Fußball-WM 2014: Deutschland zum vierten Mal Weltmeister

FIFA Fußball-WM 2014: Deutschland zum vierten Mal Weltmeister

1954. 1974. 1990. 2014.: Deutschland ist zum vierten Mal Fußball-Weltmeister. Der Favorit musste in einem mitreißenden Finale am Sonntag in Rio de Janeiro aber lange zittern. Die Deutschen rangen Argentinien erst in der Verlängerung mit 1:0 nieder. Das sehenswerte Goldtor in einer lange Zeit ausgeglichenen Partie erzielte der eingewechselte Mario Götze in der 113. Minute.

Deutschland ist zum vierten Mal Fußball-Weltmeister. Der Favorit musste in einem mitreißenden Finale am Sonntag in Rio de Janeiro aber lange zittern. Die Deutschen rangen Argentinien erst in der Verlängerung mit 1:0 (0:0) nieder. Das sehenswerte Goldtor in einer lange Zeit ausgeglichenen Partie erzielte der eingewechselte Mario Götze in der 113. Minute.

Die Deutschen hatten sich gegen die defensiv gut organisierten und im Konter häufig gefährlichen Argentinier schwergetan. Teamchef Joachim Löw sollte aber ein glückliches Händchen beweisen. Eine Flanke des ebenfalls eingewechselten Andre Schürrle verwertete Bayern-München-Jungstar Götze im Fallen volley, nachdem er sich den Ball mit der Brust heruntergenommen hatte.

Erster große Titel seit 1996
Für Deutschland ist es der erste große Titel seit der EM 1996. Bei ihrem bisher letzten WM-Titel 1990 hatten die Deutschen im Finale ebenfalls Argentinien bezwungen - auch damals mit 1:0. Argentiniens Superstar Lionel Messi bleibt dagegen vorerst weiterhin ungekrönt. Der 27-Jährige spielte vor 74.738 Zuschauern im Maracana zwar ein ambitioniertes Finale, im Abschluss haperte es aber wie bei seinen Teamkollegen.

Deutschland hatte schon vor Spielbeginn den ersten Rückschlag zu verkraften. Mittelfeldspieler Sami Khedira musste wegen Wadenproblemen, die beim Aufwärmen aufgetreten waren, passen. An seiner Stelle begann Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach. Der 23-Jährige, bisher bei der WM nur zu zwei Kurzeinsätzen gekommen, schaffte aber ebenfalls nur 32 Minuten.

Nach einem heftigen Zusammenprall mit Ezequiel Garay (17.) offensichtlich benommen kehrte Kramer zwar kurz auf den Platz zurück, musste dann aber mit Verdacht auf Gehirnerschütterung durch Schürrle ersetzt werden. Mesut Özil rückte als Spielmacher ins Zentrum, dahinter agierte das Bayern-München-Duo Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos - Letzterer allerdings nicht so sicher wie gewohnt.

Mit einer verunglückten Kopfball-Rückgabe ermöglichte Kroos den Argentiniern, die erneut ohne ihren verletzten Mittelfeldstar Angel di Maria auskommen mussten, ihre erste Großchance. Gonzalo Higuain traf aber alleine vor DFB-Schlussmann Manuel Neuer nicht einmal das Tor (21.). Schon davor hatte der Stürmerstar aus spitzem Winkel angeklopft (4.).

Schnelle Gegenstöße der Argentinier
Die Argentinier versteckten sich keineswegs, stellten die deutsche Hintermannschaft mit schnellen Gegenstößen immer wieder vor Probleme. Ein Tor von Higuain nach Querpass von Ezequiel Lavezzi wurde zurecht wegen Abseits aberkannt (30.). Dazu musste der starke Jerome Boateng nach einem Solo von Messi in höchster Not für den bereits geschlagenen Neuer retten (40.). Kurz nach Seitenwechsel rollte Messi eine Großchance am langen Eck vorbei (47.).

Die Deutschen hatten zwar deutlich mehr Ballbesitz, kamen gegen die gut organisierte und mitunter harte argentinische Defensive aber nur selten durch. Nicht umsonst hatten die Südamerikaner bis zu Götzes Geniestreich in der K.o.-Phase keinen einzigen Treffer kassiert. Torhüter Sergio Romero parierte Schüsse von Schürrle (37./Abseits) und Kroos (43.), hatte aber auch Glück, dass Benedikt Höwedes nach Kroos-Corner aus fünf Metern an die Stange köpfelte (45.+1).

Zur Pause brachte auch Argentiniens Teamchef Alejandro Sabella seinen Joker. Sergio Aguero machte aber keinen Stich. Ein Klose-Kopfball war für Romero kein Problem (59.). Kroos schoss nach Vorarbeit von Mesut Özil aus dem Rückraum rechts am Tor vorbei (82.). Auf der Gegenseite attackierte Neuer Higuain mit dem Knie in Kopfhöhe, bekam aber den Freistoß (57.).

Härteeinlagen auf beiden Seiten
Die Schlagzahl der ersten Hälfte erreichte die zweite nicht mehr. Die Verlängerung war aber gerade einmal 15 Sekunden alt, ehe Schürrle aus guter Position zu unplatziert abschloss. Für Argentinien kam der eingewechselte Rodrigo Palacio einem Treffer am nächsten, hob den Ball aber am Tor vorbei (97.). Die Argentinier hatten zudem Glück, das Spiel nach einigen Härteeinlagen mit elf Mann zu beenden.

Maradona führte Argentinien 1986 zur letzten Weltmeisterschaft
Ein letzter Freistoß von Kapitän Messi ging weit über das Tor (123.). Der Ausnahmekönner verabsäumte es, aus dem Schatten des legendären Diego Maradona zu treten. Dieser hatte Argentinien 1986 zur bisher letzten Weltmeisterschaft geführt - ebenfalls im Finale gegen Deutschland. Die Deutschen waren zuletzt zweimal WM-Dritter, nun erfolgte die Krönung. Und das auf amerikanischem Boden. Dort hatte noch nie zuvor ein europäisches Team den WM-Titel geholt.

Weltmeister wird am Dienstag in Berlin empfangen
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird nach dem WM-Titel in Brasilien am Dienstagvormittag gegen 09.00 Uhr auf dem Berliner Flughafen Tegel zurück in Deutschland erwartet. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach dem 1:0-Finalsieg über Argentinien weiter mitteilte, soll es nach der Landung mit der Sondermaschine aus Rio de Janeiro weiter zum Brandenburger Tor gehen. Dort ist ein Empfang auf der Fanmeile geplant.

Alle bisherigen Weltmeister seit 1930

Uruguay 1930 Uruguay
Italien 1934 Italien
Frankreich 1938 Italien
Brasilien 1950 Uruguay
Schweiz 1954 Deutschland
Schweden 1958 Brasilien
Chile 1962 Brasilien
England 1966 England
Mexiko 1970 Brasilien
Deutschland 1974 Deutschland
Argentinien 1978 Argentinien
Spanien 1982 Italien
Mexiko 1986 Argentinien
Italien 1990 Deutschland
USA 1994 Brasilien
Frankreich 1998 Frankreich
Japan/Südkorea 2002 Brasilien
Deutschland 2006 Italien
Südafrika 2010 Spanien
Brasilien 2014 Deutschland

Weltmeister nach der Zahl ihrer Titel:

1. Brasilien 5 (1958,1962,1970,1994,2002)
2. Italien 4 (1934,1938,1982,2006)
. Deutschland 4 (1954,1974,1990,2014)
4. Argentinien 2 (1978,1986)
. Uruguay 2 (1930,1950)
6. Frankreich 1 (1998)
. England 1 (1966)
. Spanien 1 (2010)

Steckbrief von Weltmeister Deutschland:

Größe: 357.121 km2
Einwohner: 81,890 Mio.
Hauptstadt: Berlin
BNE (pro Kopf): 44.010 US-Dollar
Verband: Deutscher Fußball-Bund (DFB), gegründet 1900
Homepage: http://www.dfb.de
Dressen: Weiß-Schwarz
Spitzname: "Schland"

WM-Teilnahmen: 18

Größte Erfolge:
* Weltmeister 1954, 1974, 1990 und 2014
* Europameister 1972, 1980 und 1996
* Vizeweltmeister 1966, 1982, 1986 und 2002
* WM-Dritter 1934, 1970, 2006 und 2010
* Vizeeuropameister 1976, 1992 und 2008

FIFA-Weltrangliste: 2. (vor der WM)
Weg zur WM: Sieger der Europa-Gruppe C
Teamchef: Joachim Löw (seit Juli 2006)
Bekannteste Spieler: Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, Toni Kroos (alle Bayern München), Sami Khedira (Real Madrid), Miroslav Klose (Lazio Rom)

Kader:

Tor:
1 Manuel Neuer Bayern München 27.03.1986
12 Ron-Robert Zieler Hannover 96 12.02.1989
22 Roman Weidenfeller Borussia Dortmund 06.08.1980

Abwehr:
2 Kevin Großkreutz Borussia Dortmund 19.07.1988
3 Matthias Ginter SC Freiburg 19.01.1994
4 Benedikt Höwedes Schalke 04 29.02.1988
5 Mats Hummels Borussia Dortmund 16.12.1988
15 Erik Durm Borussia Dortmund 12.05.1992
16 Philipp Lahm Bayern München 11.11.1983
17 Per Mertesacker Arsenal ENG 29.09.1984
20 Jerome Boateng Bayern München 03.09.1988
21 Shkodran Mustafi Sampdoria Genua ITA 17.04.1992

Mittelfeld:
6 Sami Khedira Real Madrid ESP 04.04.1987
7 Bastian Schweinsteiger Bayern München 01.08.1984
8 Mesut Özil Arsenal ENG 15.10.1988
9 Andre Schürrle Chelsea ENG 06.11.1990
10 Lukas Podolski Arsenal ENG 04.06.1985
13 Thomas Müller Bayern München 13.09.1989
14 Julian Draxler Schalke 04 20.09.1993
18 Toni Kroos Bayern München 04.01.1990
19 Mario Götze Bayern München 03.06.1992
23 Christoph Kramer Mönchengladbach 19.02.1991

Angriff:
11 Miroslav Klose Lazio Rom ITA 09.06.1978

Das Marcana-Stadion in Rio de Janeiro

Live-Tweets #GERARG

+++ Fußball-WM 2014: 11 Gründe, warum Deutschland Weltmeister wird +++

(APA/Red.)