Filmemacher Michael Glawogger 54-jährig gestorben

Filmemacher Michael Glawogger 54-jährig gestorben

Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger ist 54-jährig gestorben. Glawogger („Workingman’s Death“, „Whores’ Glory“) war für ein neues Filmprojekt in Afrika unterwegs. Glawogger starb am Dienstag an einer Malariainfektion in Liberia, nachdem zuvor eine Typhusinfektion diagnostiziert wurde. Die Reanimierung durch ein österreichisches Ärzteteam blieb ohne Erfolg.

Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger ist tot. Der Regisseur ist am Dienstag bei Dreharbeiten in Liberia an Malaria gestorben. Der Filmemacher wurde 54 Jahre alt.

Auf Weltreise für neues Filmprojekt
Glawogger war mit einem Filmteam am 3. Dezember des Vorjahres auf Weltreise aufgebrochen, um "Untitled - Der Film ohne Namen" zu drehen. Das Projekt sollte sich in eine Serie globalisierungskritischer Dokus wie "Megacities", "Workingman's Death" und "Whores' Glory" einreihen, mit denen sich der gebürtige Grazer einen Namen gemacht hatte.

Lust aufs Ungewisse
Das letzte Dokumentarfilmprojekt von Michael Glawogger bleibt unvollendet. "Untitled - Der Film ohne Namen" hätte ein weiterer Blick auf die Welt in Zeiten der Globalisierung werden sollen - abseits des eurozentrischen Blickwinkels, getrieben von Spontanität und der Lust aufs Ungewisse. Durch den Tod des Regisseurs fand die filmische Reise am Dienstag ein jähes Ende.

„Eine Carte blanche”
Im Dezember des Vorjahres hatte sich Glawogger in seinem Haus im niederösterreichischen Pitten verabschiedet und mit Kameramann Attila Boa und Tonmann Manuel Siebert in einem roten VW-Bus die Reise angetreten, die ein Jahr dauern sollte. Es gab kein fixes Konzept für das Vorhaben. "Es ist eine Carte blanche", hatte der Dokumentarist die Produktion damals umschrieben.

Glawogger starb an Malariainfektion
Die Route selbst entstand spontan und führte die Filmer über den Balkan nach Italien, Marokko, Mauretanien, den Senegal, Guinea und Gambia. Über Sierra Leone gelangte Glawogger schließlich nach Liberia, wo er Dienstag an einer Malariainfektion verstarb.

Glawogger hätte am Mittwoch Morgen in Wien eintreffen sollen
Die Symptomatik legte vorerst eine Typhusinfektion nahe. Am Montag wurde bei einem zweiten Test Malaria Tropica diagnostiziert, die Medikation entsprechend umgestellt und Glawogger ins Krankenhaus von Monrovia geflogen. Gleichzeitig wurde die Rückholung in die Wege geleitet, nach der er am frühen Mittwoch Morgen in Wien eintreffen sollte. Die von Montag auf Dienstag eintretende rapide Verschlechterung seines Allgemeinzustandes führte aber zu einem schrittweisen Organversagen, infolge dessen er am Dienstag, den 22. April um etwa 23.00 Uhr MEZ auf dem Weg vom Krankenhaus zum Flughafen verstarb. Die Reanimierung durch das kurz davor gelandete österreichische Ärzteteam blieb ohne Erfolg. Eine bessere medizinisch-technische Ausstattung hätte die Chancen zur Rettung wohl erhöht, aber der Wettlauf mit der Krankheit wurde verloren.

Zuvor hatte der 54-Jährige für die Süddeutsche Zeitung einen regelmäßigen Blog über die Reise verfasst . Glawogger schilderte darin Gespräche mit Grenzbeamten, poetische Impressionen der Autofahrt oder sinnierende Gedanken über Bettler und die Wüste.

Michael Glawogger im Interview zu seinem letzten Dokumentarfilm „Whores Glory” bei den Filmfestspielen in Venedig (2011)

Eine Filmografie des österreichischen Regisseurs und Filmemachers Michael Glawogger (1959 bis 2014)

Untitled - Der Film ohne Namen 2013 - Unvollendeter Dokumentarfilm

Whores' Glory 2011 Dokumentarfilm

Das Vaterspiel 2009 Spielfilm

Contact High 2009 Spielfilm

Über Wasser 2007 Dokumentarfilm (Drehbuch)

In Heaven 2006 Kurzfilm

Workingman's Death 2005 Dokumentarfilm

Slumming 2005 Spielfilm

Mai Thai 2005 Kurzfilm

Nacktschnecken 2004 Spielfilm

Zur Lage 2002 Dokumentarfilm (Filmischer Beitrag)

Frankreich, wir kommen! 1999 Dokumentarfilm

Megacities 1998 Dokumentarfilm

Kino im Kopf 1996 Dokumentarfilm

Tierische Liebe 1995 Dokumentarfilm (Kamera)

Die Ameisenstraße 1995 Spielfilm

Mit Verlust ist zu rechnen 1992 Dokumentarfilm (Kamera, Buch)

Good News - Von Kolporteuren,toten Hunden und anderen
Wienern
1990 Dokumentarfilm (Buch von Glawogger)

Krieg in Wien 1989 Dokumentarfilm (Ko-Regie mit
Ulrich Seidl)

Die Stadt der Anderen 1989 Kurzfilm

Haiku 1987 Kurzfilm

Tod eines Lesenden 1984 Kurzfilm

Street Noise 1982 Experimentalfilm

Pacific Motion 1981 Experimentalfilm

Öffentlicher Brief des Fachverbands der Film- und Musikindustrie

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Entsetzen und großer Bestürzung haben wir die Nachricht vom plötzlichen Tod Michael Glawoggers bei Dreharbeiten in Afrika erhalten.

Glawogger war einer der profiliertesten Spielfilm-und Dokumentarfilmregisseure, die Österreich je hervorbrachte.

Seine Filmwerke sind international hoch anerkannt, vielfach ausgezeichnet und war er auch international ein geschätzter erfahrener Regisseur, der immer wieder Einladungen zu internationalen Events erhalten hat, um über seine Arbeit zu referieren.

Wir sind sowohl als Branche als auch menschlich zutiefst bestürzt und sprachlos. Ich selbst verliere zudem einen engen kreativen Wegbegleiter, der mir früh Zugang zu seinen Arbeiten gewährte; viele gemeinsame Projekte sind daraus entstanden.

Glawo, Dein so unerwarteter und tragisch früher Tod reißt ein ewiges Loch in unsere Filmlandschaft!

Danny Krausz

Lage von Liberia in Westafrika

(Ph. D.)