Frank Stronach beim Verlassen des Gerichts in Toronto
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Jane Boon über Frank Stronach: „Er behandelte mich wie ein Sex-Spielzeug“

Milliardär Frank Stronach, 93, wurde in Kanada wegen sexueller Übergriffe in zwei Fällen (nicht rechtskräftig) schuldig gesprochen. profil sprach mit der Autorin Jane Boon, die jetzt eine Zivilklage in Millionenhöhe gegen den Austro-Kanadier einbringt.

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Der 93-jährige Milliardär verhielt sich während der gesamten Verhandlung völlig ruhig und verließ das Gerichtsgebäude in Toronto am 19. Juni mit gesenktem Kopf und stoischer Miene. Die Reporter mussten ohne eine Wortspende des Angeklagten Frank Stronach auskommen. Allein seine Anwältin, Leora Shemesh, eine für ihre toughness berüchtigte Repräsentantin ihrer Zunft, ließ die versammelten Medien wissen, dass sie mit dem Ausgang des Prozesses zufrieden sei: „Mister Stronach wurde ausschließlich in den zwei nebensächlichsten Punkten verurteilt, wobei anzumerken ist, dass alle Beteiligten während dieser Anklagepunkte voll bekleidet waren.“ Sie vermerkte es mit einem nahezu lobenden Unterton. Ob Shemesh nach der Lektüre der 82 Seiten starken Entscheidung des kanadischen Gerichts Berufung einlegen wird, ist noch unklar, das Strafausmaß soll am 17. September verkündet werden. Kanadische Medien sprechen von einem Höchstmaß von zehn Jahren Haft. Angesichts der Betagtheit Stronachs und der Schlagkraft seiner Verteidigung erscheint das aber höchst unwahrscheinlich.

Jane Boon
Bild anzeigen

Die toughe Strafrechtlerin erweckte den Eindruck eines nahezu glimpflichen Ausgangs für „Mister Stronach, der ja so etwas wie ein Nationalschatz im Kanada ist“: Von den zwölf Anklagepunkten in sieben Fällen, die unter anderem sexuelle Nötigung, Freiheitsentzug, versuchte und ausgeführte Vergewaltigung beinhalteten, wurde Stronach in nur zwei Fällen schuldig gesprochen: wegen „sexual assault“ (sexueller Übergriff) und „indecent assault“ (unzüchtiger Übergriff). Alle Vorfälle hatten im Zeitraum zwischen 1977 und 1990 stattgefunden. Ein weiterer Prozess, in dem ähnliche Vorwürfe von sechs Frauen sogar bis zum Jahr 2024 reichen, ist für das Frühjahr 2027 im kanadischen Newmarket geplant.

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort