Verschiedene Sonnencremepackungen und eine Frau mit Hautkrebs
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Werbeschmähs und echter Schutz: So entschlüsseln Sie Ihr Sonnencreme-Etikett

Sonnenschutz gibt es wie Sand am Meer, auf den vielen Flaschen, Tiegeln, Tuben prangern unzählige Label, Versprechen und Hinweise. Aber was davon ist wirklich wichtig? Ein Überblick zu UV-Filtern, Inhaltsstoffen und wieso man seine Sonnencreme in Löffeln messen sollte.

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„Glitzernde Bronzing Marmelade“, „Invisible Silky UV Stick“, „Glowing UV-Protection + Bluelight Protection“, wer durch das Sonnencreme-Regal in der Drogerie schlendert, dem schwirrt schnell der Kopf vor lauter tollen Produktversprechen auf den Verpackungen. Eine Studie im Fachjournal „JAMA Dermatologie“ zeigt: Viele der Teilnehmenden haben Schwierigkeiten, Sonnencreme-Etiketten zu interpretieren. Nur 43 Prozent der Befragten wussten etwa, was der Lichtschutzfaktor ist. Derweil ist Sonnencreme ein absolutes Muss, da sind sich alle Dermatologinnen und Dermatologen einig. Aber was sind dann die Infos, die wirklich zählen? 

1. Lichtschutzfaktor (LSF)

Lichtschutzfaktor (LSF) Sechs mit extra Bräunungsöl? Das ist zwar der niedrigste in der EU zugelassene LSF, aber Institutionen wie das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz empfehlen, mindestens LSF 30 zu verwenden.

Der LSF wird die maximal empfohlene Verweilzeit in der Sonne berechnet. Oft steht sie auch als SPF auf der Verpackung, der englische Begriff. Sie ist unter anderem abhängig vom Hauttyp, um sie herauszufinden, wird die LSF-Angabe mit der Eigenschutzzeit multipliziert. Sie liegt individuell zwischen fünf und 30 Minuten, die Initiative „Sonne ohne Reue“ der Krebshilfe und der Österreichisch Dermatologischen Gesellschaft bietet einen Online-Test zur Bestimmung.  Die Formel eignet sich nur als theoretische Orientierung und sollte nicht dazu genutzt werden, die Aufenthaltsdauer in der Sonne vollständig auszureizen. Kinder brauchen besonderen Schutz, ihre Eigenschutz-Mechanismen sind noch nicht vollständig ausgebildet.

Die meisten Menschen benutzen zu wenig Sonnencreme, wie Dermatologinnen und Dermatologen immer wieder warnen. Die EU empfiehlt zwei Milligramm pro Quadratzentimeter. Auf die gesamte Hautoberfläche umgelegt sind das rund sechs Teelöffel, rechnet „Sonne ohne Reue“ vor: einer für das Gesicht, einer für die Arme, einer für den Oberkörper, einer für den Rücken sowie je einer für jedes Bein.

Wichtig ist bei der Berechnung auch der UV-Index. Er ändert sich abhängig von Sonnenstand, Standort, Bewölkungsgrad und mehr. Was viele unterschätzen: Wasser und Schnee reflektieren die Sonne und verstärken sie damit. Ab einem Index von 3 empfiehlt die Welt Gesundheitsorganisation (WHO) Sonnenschutz. Neben der Sonnencreme sind auch ein Hut, eine Brille mit Schutzfaktor und die richtige Kleidung empfohlen für den besten Schutz.

Es gibt übrigens einige Medikamente und Kosmetika, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Die Apothekerkammer macht zum Beispiel auf Antibiotika, Herz-Kreislauf-Medikamente, Johanniskraut oder bestimmte Schmerzmittel aufmerksam. Beliebte Gesichtsprodukte wie Retinole und andere aktive Inhaltsstoffe in der Gesichtspflege können ebenso die Lichtempfindlichkeit erhöhen.

2. Der richtige Schutz vor UVA und UVB

Hautschäden entstehen durch UVA und UVB-Strahlung. UVB löst zwar Sonnenbrand aus, aber UVA sorgt für Langzeitschäden wie auch Hautkrebs. Die Europäische Kommission empfiehlt deswegen, dass ein Sonnenschutz-Mittel mindestens zu einem Drittel vor UV-A schützen sollte, dafür gibt es ein eigenes Label, das UVA-Siegel. Oft wird diese Kombination auf Sonnencremen auch als Breitbandschutz bezeichnet. Das Label PA beschreibt nur den UVA-Schutz, desto mehr Plus hinter dem PA (PA+++) desto stärker der UVA-Schutz.

Ein relativ neues Phänomen ist Sonnencreme für das Gesicht mit sogenanntem Blaulicht-Schutz. Diese Produkte geben an, vor den Effekten von Bildschirm-Licht zu schützen. Aber ob das wirklich schädlich für die Haut ist und ob Cremen hier helfen können oder sollen, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. 

Ein Hinweispfeil zeigt einen UV-Index auf einer Warntafel an
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3. Wasserfest/Schweißfest 

Nach dem Baden oder Schwitzen gilt grundsätzlich: Nachschmieren, wobei der Lichtschutzfaktor dadurch nicht verlängert wird, die Rechnung fängt quasi von null an. Die Arbeiterkammer warnt, dass ein Produkt schon dann als „wasserfest“ gekennzeichnet werden darf, wenn nach dem Baden nur noch die Hälfte des Schutzes gegeben ist. Die amerikanische Behörde für Arzneimittel, FDA, verbietet den Begriff „wasserfest“ sogar, denn kein Produkt könne garantieren, bei Wasser komplett auf der Haut zu bleiben. Ein seltener Fall, bei dem die FDA strenger ist als ihr europäisches Pendant.

Vor dem Badengehen die Sonnencreme ordentlich einziehen lassen, darauf wies der Leiter der Wiener Gewässer Gerald Loew im ORF Wien wieder hin. 

4. Mineralisch vs chemisch

Sonnencreme soll vor UV-Strahlung schützen, sie funktioniert entweder mit chemischen oder mineralischen Filtern oder als Kombination. Produkte sind in der Regel auch dementsprechend benannt. 

Beide Filter funktionieren durch Absorption, also das Umwandeln von schädlicher Strahlung in unschädliche Wärme. Mineralische Filter reflektieren und streuen zusätzlich einen kleinen Anteil der Strahlung wie kleine Spiegel, doch dieser Beitrag ist im Vergleich zur Absorption relativ gering.

Mineralische Sonnencreme hinterlässt häufig einen leichten weißen Schleier auf der Haut, wobei dieses „Weißeln“ mit neuen Produkten immer besser wird. Mineralische Sonnencreme wird oft als umweltfreundlicher beworben, das liegt aber weniger an ihrer Wirkweise, als an den Inhaltsstoffen. Doch es kommt auf die Details an. 

5. Auf den Inhalt kommt es an

Chemische UV-Filter stehen immer wieder in der Kritik, gesundheitsschädlich zu sein, und/oder die Umwelt schädigen. Wobei auch Titanoxid in mineralischer Sonnencreme nicht unumstritten ist. 

Bei einigen Stoffen ist ihre Wirkung auch schon belegt. In den letzten Jahren finden sich immer häufiger auf Etiketten Aufdrucke wie korallenfreundlich, beziehungsweise frei von Oxybenzon und Octinoxat. Letztere sind chemische Verbindungen, die Korallenriffe schädigen. Neben Oxybenzon verzichten manche Hersteller auch auf Octocrylen. Der Stoff steht unter anderem wegen möglicher Umweltwirkungen, Kontaktallergien und der Bildung von Benzophenon während der Lagerung in der Kritik. 

Andere möglicherweise problematische Stoffe, auf die zu achten ist, sind Homosalat, Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenon, wie Ökotest schreibt. Die Arbeiterkammer fand vor einigen Jahren auch noch Lilial und Lyral in Sonnencremes, eigentlich verbotene Duftstoffe. Es versteckt sich also doch noch einiges in den Produkten, besonders gefährlich wird es, wenn die Haltbarkeit nicht beachtet wird. 

Expertinnen und Experten betonen allerdings unisono: Der Schutz vor Sonnenbrand und Hautkrebs ist wesentlich bedeutsamer als das potenzielle Risiko durch einzelne Inhaltsstoffe. 

Finger weg von Billig-Produkten

EU-Standards sind für gewöhnlich hoch, deswegen sind diese Inhaltsstoffe auch kein Vergleich zu dem, was der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in billigen Sonnencremen von Online-Anbietern wie Temu, Shein oder AliExpress fand. Viele Österreicherinnen und Österreicher bestellen dort auch Kosmetika, ob wegen dem Preis oder wegen dem Hype um ostasiatische Kosmetik.

Das Ergebnis des Tests: Kein einziges Produkt ist empfehlenswert. Es wurden schwere Mängel beim UV-Schutz sowie verbotene oder bedenkliche Inhaltsstoffe festgestellt. VKI-Expertin Birgit Schiller rät klar von diesen Produkten ab: „Finger weg von No-Name-Sonnenschutzmitteln von Billig-Onlineplattformen.“

Der VKI hat sich heuer aber auch Sonnencreme für Kinder unter anderem auf umweltkritische Stoffe angesehen: kaum ein Produkt kommt bei diesem Kriterium über die Bewertung „weniger zufriedenstellend“ hinaus. Den gesamten Test gibt es im Magazin Konsumenten sowie online nachzulesen. 

Der Schutz ist dafür aber gut bei der Kindersonnencreme, nur fünf der 22 getesteten Produkte hielten den angegebenen UV-Schutz nicht ein. Auf den Preis kommt es dabei nicht an, die fünf Produkte stammen sowohl aus dem günstigen als auch dem hochpreisigen Segment. Ein Sonnenschutzmittel für Kinder, das alle Testkriterien gleichermaßen erfüllt – beginnend beim UV-Schutz über die Umweltkriterien bis hin zu guter Anwendbarkeit – bleibt derzeit Wunschvorstellung, so das Testergebnis des VKI. 

Aber auch die beste Sonnencreme sollte keine Ausrede dafür sein, ewig in der Sonne zu brutzeln. Denn wir alle haben nur ein bestimmtes Sonnenkapital, wie die Österreichische Gesellschaft für Dermatochirurgie (OGDC) aufklärt. Hört sich imposant an, bedeutet aber, unsere Haut kann im Laufe unseres Lebens nur eine bestimmte Menge an UV-Strahlung aufnehmen. Ist unser Kapital ausgeschöpft, beginnt das Hautkrebsrisiko. Bereits 20-Jährige haben laut OGDC teilweise schon 80 Prozent ihres Sonnenkapitals verbraucht. Deswegen gilt neben allen anderen Sonnenschutz-Tipps auch: Gerade wenn sie besonders stark brennt, raus aus der Sonne!

Maria Prchal

Maria Prchal

ist seit 2025 Redakteurin im Digitalteam. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Sozialpolitik, Klima und technische Themen.