Fußballkolumne: Stimmige Lösung mit kleinen Schwächen

Bundesliga-Präsident Hans Rinner

Bundesliga-Präsident Hans Rinner

Warum die – ab der Saison 2018/2019 in Kraft tretende - Bundesliga-Reform alles andere ist als ein unüberlegter Schnellschuss.

Die Gerüchte im Vorfeld der offiziellen Präsentation des Reformpakets für die österreichische Bundesliga ließen nicht unbedingt einen großen Wurf erwarten. Im Gegenteil: Nicht wenige Insider befürchteten eine (um ein neudeutsches Wort zu verwenden) Verschlimmbesserung des Status quo. Zu Unrecht: Die Pläne, die Bundesliga-Präsident Hans Rinner und Vorstand Christian Ebenbauer nämlich am vergangenen Freitag auf den Tisch legten, erweisen sich als ziemlich kohärent und sind an Schwachstellen erstaunlich arm. Bei näherer Betrachtung der Details kann man sogar konstatieren, dass es sich um eine durchaus überlegte Reform handelt, die zwar den einen oder anderen Angriffspunkt bietet, grundsätzlich jedoch weit mehr ist als ein halbherziger Schnellschuss.

Zum besseren Verständnis hier noch einmal die Eckpunkte der Reform, die ab der Saison 2018/2019 in Kraft treten wird:

Die Meisterschaftsentscheidungen in der höchsten Spielklasse erfolgen in drei Phasen. Zunächst wird Grunddurchgang mit allen zwölf Clubs gespielt (22 Runden, jeder gegen jeden). Danach kommt ein zweigeteilter Finaldurchgang mit einer Meistergruppe (Top 6) und eine Qualifikationsgruppe (Plätze 7 bis 12), in der innerhalb der Gruppe jeder gegen jeden spielt (10 Runden).

Die Punkte aus dem Grunddurchgang werden halbiert (und abgerundet). Sind zwei Clubs am Ende des Finaldurchgangs punktegleich und wurde bei einem dieser Clubs ein halber Punkt abgerundet, wird dieser Klub vorgereiht. Wurde bei keinem oder bei beiden Vereinen abgerundet, wird als nächstes Entscheidungskriterium die Tordifferenz herangezogen.
Der Sieger der Meistergruppe spielt in der Champions-League-Qualifikation, der Tabellenzweite spielt als Vize-Meister ebenso fix im Europacup wie der ÖFB-Cupsieger. Falls Österreich fünf Europacup-Startplätze hat, gibt es auch für den Tabellendritten fix einen internationalen Startplatz.

Um den vierten bzw. fünften Europacup-Startplatz gibt es im Mai innerhalb einer Woche ein Europa-League-Play-off: Bei vier Startplätzen spielt der Sieger der Qualifikationsgruppe in einem Heimspiel gegen den Vierten der Meistergruppe, der Sieger dieses Duells trifft in zwei Spielen auf den Dritten der Meistergruppe. Bei fünf Startplätzen spielt der Sieger der Qualifikationsgruppe in einem Heimspiel gegen den Fünften der Meistergruppe, der Sieger dieses Duells trifft in zwei Spielen auf den Vierten der Meistergruppe.

Der Letzte der Bundesliga steigt in die zweite Liga ab, der Meister der zweiten Liga steigt in die Bundesliga auf.

Die zweite Liga wird künftig - auch finanziell - gemeinsam von Bundesliga und ÖFB getragen. In dieser 16er-Liga dürfen maximal drei Amateur-Mannschaften der Profi-Clubs spielen, dazu auch reine Amateur-Vereine, die allesamt nicht in die Bundesliga aufsteigen dürfen. Sollten die Amateur-Clubs die 2. Liga dominieren, könnten auch der viert- oder fünftplatzierte Club in die Bundesliga aufsteigen.

Ich möchte im Folgenden auf jene beiden Punkte der Reform eingehen, die für besonders viel Diskussionsstoff sorgen bzw. sorgten:

1.) Punkteteilung

Viele Kritiker sehen in der Halbierung der Punkte nach 22 Runden eine sportliche Wettbewerbsverzerrung. Der Grunddurchgang müsse genauso gewichtet werden wie die anschließenden Gruppenphasen. Das ist natürlich ein nachvollziehbarer Einwand.
Ich bin jedoch eher der Meinung, dass mit dieser „22+10“-Lösung ein respektabler Mittelweg gelungen ist, der den fairen sportlichem Wettbewerb noch gewährleistet und zusätzlich dafür sorgt, die Spannung bis zum Ende der Meisterschaft möglichst hoch zu halten. Realistisch gesehen wird die Punkteteilung wohl eher den größeren Klubs zu Gute kommen, da diese im Herbst noch oft in internationalen Wettbewerben aktiv sind und in der Liga zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Doppelbelastung oft schwächeln. Ein Showdown gegen Ende hin wird sich wohl auch positiv auf die Zuschauerzahlen und den Werbewert der Liga auswirken.

2.) Aufteilung in Meister- und Qualifikationsgruppe

Einer der Hauptkritikpunkte an der Reform bezieht sich darauf, dass dem Gewinner der Qualifikationsgruppe (also dem eigentlichen Meisterschafts-Siebenten) noch eine Chance eingeräumt wird, sich für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren, während zumindest der Gesamt-Sechste der Bundesliga diese Möglichkeit nicht hat. Die Einwände gegen diesen Reformpunkt sind durchaus berechtigt – schließlich sollten sich im Interesse des gesamten österreichischen Fußballes Jahr für Jahr die besten Mannschaften für den internationalen Wettbewerb qualifizieren.
Allerdings hat die Bundesliga auch diesen Problempunkt zumindest entschärft, indem sie es dem Sieger der Qualifikationsgruppe nicht leicht macht, noch einen Europacup-Startplatz zu ergattern. Dieser müsste sich dann nämlich immerhin noch gegen zwei Mannschaften der Meistergruppe durchsetzen - ein Szenario, das wohl eher die Ausnahme als die Regel darstellen wird.
Zu einer problematischen Konstellation könnte es außerdem kommen, wenn eine Mannschaft aus taktischen Überlegungen im Grunddurchgang lieber den siebten Platz anstrebt (wo man als Führender der Qualifikationsgruppe die Chancen für eine Europacup-Qualifikation wahren könnte), als abgeschlagen in die Meistergruppe zu starten. Sollte es in dieser Hinsicht tatsächlich zu sportlich zweifelhaften Entscheidungen kommen, müsste die Liga natürlich sofort mit einer Anpassung des Modus reagieren.

Alles in allem hat sich diese Reform auf jeden Fall eine Chance verdient. Dass der typisch österreichische Aufschrei, der bei Neuerungen aller Art oft reflexartig kommt, eher leise ausgefallen ist und sich die Kritik mehrheitlich auf Details bezieht, beweist eigentlich schon, dass die Task Force einiges richtig gemacht hat. Etwaige Adaptionen sind ohnehin – so betonen die Verantwortlichen immer wieder – nicht nur möglich, sondern sogar Teil des Gesamtplans.

P.S.: Das neue Bundesligaformat ähnelt übrigens sehr dem belgischen, das dort ab der Saison 2010/2011 eingeführt wurde. Belgien konnte sich in der UEFA-Fünfjahreswertung seit der Ligareform immerhin von Rang 13 auf Rang 9 verbessern.