Fußballkolumne: Scheich-Alarm!

Fußballkolumne: Scheich-Alarm!

Warum die aktuellen Weltherrschafts-Ambitionen von Manchester City nicht nur ein sportliches Bedrohungsszenario für den europäischen Klubfußball darstellen.

Anfang dieser Woche wurde also offiziell verlautbart, was die Spatzen schon seit Wochen von den Dächern pfeifen: Star-Trainer Pep Guardiola wird - nachdem er eine Vertragsverlängerung beim FC Bayern bereits abgelehnt hatte - nach dieser Saison zu Manchester City wechseln. Um ihm die Entscheidung nicht allzu schwer zu machen, haben die ManCity-Eigentümer, die Scheichs der City Football Group aus Abu Dhabi, dem Katalanen einen hübschen Dreijahresvertrag mit einem jährlichen Gehalt von kolportierten 20 bis 25 Millionen Euro zur Unterschrift vorgelegt. Zudem darf sich Guardiola am Transfermarkt so richtig austoben - mindestens 200 Millionen Euro sollen dem 45-jährigen für Neuverpflichtungen zur Verfügung stehen.


In Deutschland vermeldet man, dass Guardiola die Absicht hege, Robert Lewandowski und David Alaba mit in die Premier League zu nehmen.

Kein Wunder, dass in Fußball-Europa derzeit die Scheich-Angst grassiert. "Alarm bei den Barca-Fans! Manchester City hatte schon immer die Ambition, den Weltfußballer Messi zu verpflichten“, meldete die spanische Sportzeitung "As" leicht panisch. Branchenkollege "Sport" bestätigte etwas nüchterner: "Messi und Neymar stehen auf Guardiolas Agenda für ManCity". Die Barca-Fans können wohl vorerst jedoch aufatmen: Zumindest ein Lionel Messi wird sich auch für 200 Millionen Euro Ablöse nicht vom derzeitigen Champions League-Titelträger loseisen lassen. Konkreter ist da das Bedrohungsszenario bei anderen Vereinen: In Deutschland vermeldet man etwa, dass Guardiola die Absicht hege, Robert Lewandowski und David Alaba mit in die Premier League zu nehmen. Gerade der Österreicher zählte bekanntlich immer schon zu den Lieblingsspielern des Katalanen. Sorgen machen muss sich wohl auch Juventus Turin: Frankreichs Jungstar Paul Pogba soll oberste Priorität haben, was Neuverpflichtungen beim englischen Vizemeister betrifft.


Es darf bezweifelt werden, dass die Scheichs aus Abu Dhabi schon seit frühester Kindheit glühende ManCity-Anhänger gewesen sind.

Im Sinne des sportlichen Wettbewerbes im europäischen Klubfußball hört sich das alles nicht wirklich gut an. Wieso eigentlich? Kennen wir das nicht ohnehin schon alles spätestens seit Oligarch Roman Abramowitsch 2003 den FC Chelsea übernommen hat? Nein, kennen wir nicht. Zumindest nicht in dieser Form. Es ist nämlich ein gravierender Unterschied, ob ein einzelner Mäzen, der - wie im Falle Abramowitschs - tatsächlich eine enge Beziehung zu seinem Verein hat, sehr oft im Stadion anzutreffen ist und die Spieler persönlich kennt, an den Schalthebeln sitzt oder ein gesichtsloses Konglomerat aus Scheichs. Nicht, dass Scheichs grundsätzlich unsympathischer wären als ein Oligarch oder Mäzen - es darf jedoch zumindest bezweifelt werden, dass die steinreichen Akteure aus Abu Dhabi schon seit frühester Kindheit glühende ManCity-Anhänger gewesen sind. Ganz davon abgesehen, dass sogar die Transfer- und Gehaltspolitik beim FC Chelsea im direkten Vergleich eher konservativ anmutet.


Parallel zu den finanziellen (Fehl-) Entwicklungen im europäischen Klubfußball verschieben sich so auch ein bisschen die Sympathien.

ManCity ist zudem (leider) kein Einzelfall. Auch bei Paris Saint-Germain kennt man seit der Übernahme durch Qatar Sports Investments (QSI) finanzielle Tabus offenbar nur mehr vom Hörensagen. Mit "Financial Fairplay" hat dies alles jedenfalls nicht mehr viel zu tun. Parallel zu den angesprochenen finanziellen (Fehl-)Entwicklungen im europäischen Klubfußball verschieben sich so auch ein bisschen die Sympathien: Man mag von Vereinen wie dem FC Bayern nicht viel halten oder ihn und seine Hauptakteure gar als sportliches Ärgernis erachten - die Vereinsstruktur der Münchner ist in Zeiten von ManCity, PSG & Co. jedoch ein wohltuender Anachronismus.