Fußballkolumne: Vier-Punkte-Agenda für eine interessantere Liga

Fußballkolumne: Vier-Punkte-Agenda für eine interessantere Liga

Was passieren muss, damit die heimische Bundesliga an Attraktivität gewinnt.

Das ÖFB-Nationalteam ist mittlerweile bekanntlich zur erweiterten Weltspitze (derzeit Platz 11 in der FIFA-Rangliste) zu zählen – der heimische Klubfußball kann da noch nicht mithalten. In der Folge sollen vier Ansatzpunkte angeführt werden, die der österreichischen Bundesliga in Sachen Attraktivität auf die Sprünge helfen könnte.

1. Mehr Traditionsvereine, weniger „Dorfklubs“

Eines vorweg: Natürlich hat jede Mannschaft, die den Aufstieg in die erste Leistungsklasse schafft, es aus sportlicher Hinsicht redlich verdient, auch dort zu spielen. Egal, ob Grödig, Admira, Altach oder der WAC: Sie alle setzten sich in der „Sky Go Ersten Liga“ (teilweise gegen wesentlich größere Vereine) verdient durch und spielten auch als Aufsteiger in die Bundesliga allesamt in der ersten Saison eine gute Rolle. Trotzdem: Betrachtet man die gesamte Situation nüchtern, muss man konstatieren, dass es mittlerweile wohl zu viele sogenannte „Dorfklubs“ in der höchsten Spielklasse gibt. Während Traditionsvereine aus den Landeshauptstädten (Wacker Innsbruck, LASK, Austria Klagenfurt oder auch der SKN St. Pölten), die eigentlich über ein weitaus größeres Potential verfügen sollten, in der Ersten Liga ihr tägliches Brot backen müssen, spielen Grödig (etwa 7.000 Einwohner), Altach (etwa 6.400 Einwohner), Admira (Maria Enzersdorf: etwa 8000 Einwohner) & Co. ganz oben mit.

Sorry, liebe „Village People“, aber aus neutraler Hinsicht wäre es wohl wünschenswert, wenn sich in den nächsten Jahren das Blatt wieder eher zu Gunsten der Traditionsklubs wendet. Mehr Mannschaften aus den Landeshauptstädten würden der heimischen Bundesliga nämlich wahrlich nicht schlecht zu Gesicht stehen.

2. Höherer Zuschauerschnitt

Unmittelbar damit verknüpft ist die Entwicklung des Zuschauerschnittes. Seit der Rekordsaison 2007/2008 (Schnitt von 9284) ist die Besucheranzahl in der Bundesliga nämlich fast kontinuierlich gesunken (derzeit 6573). Konträr dazu die Entwicklung in der zweithöchsten Spielklasse: Während 2007/2008 noch ein Schnitt von 919 Zusehern pro Spiel verzeichnet wurde, sind es mittlerweile 2192. In der Bundesliga sind die Schlusslichter in dieser Statistik der WAC (3685 Zuseher pro Spiel) Admira Wacker (2965) und Grödig (1455). Zum Vergleich dazu: Der LASK hat in der Ersten Liga derzeit einen Schnitt von 5018, Wacker Innsbruck von 4270 und Austria Lustenau bzw. der SKN St. Pölten von jeweils ca. 2500. Zieht man in Betracht, dass im Falle eines Aufstieges die Besucherzahlen normalerweise noch einmal deutlich ansteigen, kann man sich ausrechnen, wie sich ein Aufstieg des LASK und/oder von Wacker Innsbruck in dieser Hinsicht auswirken würde.

3. Bessere Infrastruktur

Ebenfalls eng mit den ersten beiden Punkten verbunden: Die Frage nach der Infrastruktur. Dass mit dem „Wörthersee Stadion“ in Klagenfurt (Fassungsvermögen: 32.000), der Linzer „Gugl“ (20.500) und dem Innsbrucker „Tivoli“ (17.400) drei der größten und schönsten Stadien Österreichs derzeit nicht von Bundesliga-Vereinen genutzt werden, ist gelinde gesagt sehr schade. Dem gegenüber stehen etwa Spielstätten wie jene in Grödig, die das Prädikat „Bundesliga-tauglich“ nur bedingt verdienen.

Positiv ist wiederum, dass die etablierten Bundesliga-Vereine vermehrt bereit sind, in diesem Bereich Geld in die Hand zu nehmen. Rapid spielt bekanntlich ab der nächsten Saison in einem brandneuen Stadion und auch die Austria wird in den kommenden drei Jahren 48 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren.

4. Europäische Ambitionen

Red Bull Salzburg und auch die Austria (mit der Champions League-Teilnahme 2013/2014) haben es in den letzten Jahren vorgemacht, Rapid zieht heuer nach: Erfolgserlebnisse im europäischen Vergleich sind für die positive Entwicklung einer Liga das Um und Auf. Auch hier gilt jedoch, dass sich möglichst eben auch jene Vereine für einen internationalen Bewerb qualifizieren sollten, die das vergleichsweise größte Potential und die größten Ambitionen haben. Natürlich haben sich Klubs wie die Admira (2012/2013), der SV Pasching (2013/2014), Grödig (2014/2015), der SKN St. Pölten (2014/2015) bzw. zuletzt der WAC und Altach verdient für den internationalen Wettbewerb qualifiziert – für die UEFA-Fünfjahreswertung hat es sich aus österreichischer Hinsicht allerdings als nicht ideal erwiesen, dass potentiell größere Vereine wie Sturm Graz oder die Austria in den letzten Jahren öfters den „Cut“ verpasst haben. Dass Klubs eine ganze Saison lang alles dafür geben, um sich für einen internationalen Bewerb zu qualifizieren – nur, um dann im Endeffekt über die entstandene „Doppelbelastung“ zu jammern, ist jedenfalls ein absolutes Unding. Wenn die österreichische Bundesliga ihr Ziel (fixer CL-Start-Platz für den Meister) irgendwann realisieren will, muss insgesamt eine ambitionierte Einstellung an den Tag gelegt werden.