Fußballkolumne: Werder-Star, ORF-Experte, 2. Landesliga

Die U20-WM-Helden von 2007 bei ihrer Ankunft am Flughafen Wien Schwechat (mit dem damaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer).

Die U20-WM-Helden von 2007 bei ihrer Ankunft am Flughafen Wien Schwechat (mit dem damaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer).

Was aus den U20-WM-Helden von 2007 wurde.

Das Jahr 2007 war aus österreichischer Sicht eigentlich relativ arm an fußballerischen Highlights. Das A-Team befand sich unter Teamchef Josef Hickersberger bereits in der Vorbereitungsphase auf die Heim-EM 2008 und mühte sich als Fix-Qualifizierter ausschließlich in Freundschaftsspielen ab (man beendete das Jahr auf Platz 94 der FIFA-Weltrangliste). Der regierende Meister Red Bull Salzburg scheiterte in der Champions League-Qualifikation an Schachtjor Donezk, und auch die anderen österreichischen Europacup-Vertreter rissen – vorsichtig formuliert - keine Bäume aus. So blieb aus diesem Jahr vor allem ein Ereignis im kollektiven Gedächtnis der heimischen Fußballinteressierten: Das sensationelle Abschneiden des, von Paul Gludovatz betreuten, ÖFB-U20-Teams bei der WM in Kanada. Platz 4!

Für ein paar Tage geschah damals tatsächlich Erstaunliches: Zum ersten Mal überhaupt schien eine breitere Öffentlichkeit in Österreich Interesse an einem internationalen Nachwuchs-Turnier zu zeigen. Die Auftritte von Gludovatz’ Team wurden sogar spätabends auf ORF 1 live übertragen, und die - nach Erfolgserlebnissen dürstenden - Fußballfans fieberten mit. Angesichts des zu dieser Zeit stark schwächelnden ÖFB-„Senioren“-Teams wurden sofort Rufe laut, man müsse die jungen, talentierten Spieler nun möglichst schnell an den Erwachsenenfußball heranführen – ein Unterfangen, das bei erfolgreichen Nachwuchsteams vor 2007 allzu oft misslungen war. Und tatsächlich: Viele der U20-Heroes erhielten die medial geforderte Einsatzzeit in der Bundesliga – manche wurden sogar unmittelbar (z.B. Harnik, Prödl und Hoffer), andere etwas später ins ÖFB-A-Team berufen. Gerade in diesen Tagen kann man zufrieden resümieren, dass sich dies ausgezahlt hat.

Hier noch einmal ein Blick auf den Kader, der Gludovatz in Kanada zur Verfügung stand. Torhüter: Bartolomej Kuru, Michael Zaglmair, Andreas Lukse – Verteidigung: Thomas Panny, Daniel Gramann, Sebastian Prödl, Markus Suttner, Thomas Pirker, Michael Madl, Siegfried Rasswalder – Mittelfeld: Michael Stanislav, Veli Kavlak, Zlatko Junuzovic, Peter Hackmair, Bernhard Morgenthaler, Tomas Šimkovič, Thomas Hinum, Ingo Enzenberger – Angriff: Erwin Hoffer, Rubin Okotie, Martin Harnik.


Insgesamt sind immerhin ein Drittel der U20-WM-Helden von 2007 derzeit Teil von Kollers Kader.

Von diesen 21 Spielern standen insgesamt drei (Sebastian Prödl (derzeit FC Watford (Premier League)), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen (Deutsche Bundesliga)) und Martin Harnik (Vfb Stuttgart (Deutsche Bundesliga)) zuletzt in der Startformation beim 4:1-Auswärtsssieg gegen Schweden. Drei weitere (Markus Suttner (FC Ingolstadt (Deutsche Bundesliga)), Michael Madl (Sturm Graz) und Rubin Okotie (Zweite Deutsche Liga)) saßen auf der Ersatzbank. Veli Kavlak (Besiktas Istanbul (Türkische Süper Lig)), der normalerweise auch zum erweiterten ÖFB-Stamm zählt, musste verletzt absagen. Insgesamt sind also immerhin sieben (ein Drittel) der U20-WM Helden von 2007 derzeit Teil des vielumjubelten Teams von Marcel Koller. Ein Achter , Erwin Hoffer (Karlsruher SC (Zweite Deutsche Liga)), hat immerhin auch schon 28 Länderspiele absolviert, zählt derzeit aber nicht zu den unmittelbaren Kandidaten für das ÖFB-Team.

Mittlerweile ist Österreich regelmäßig bei großen Nachwuchsturnieren vertreten. Gerade in diesem Sommer gingen gleich alle drei Endrunden (U20-WM, U19-EM, U17-EM) mit österreichischer Beteiligung über die Bühne. Das gelang sonst nur dem Weltmeister-Land Deutschland.

Zusatz: Was wurde eigentlich aus den restlichen 13 aus dem Kanada-Kader? Andreas Lukse (derzeit Altach), Tomas Šimkovič (ehemals Wiener Neustadt und Austria – derzeit FK Tobyl Qostanai (Kasachstan)) und Thomas Hinum (ehemals Austria Kärnten, Rapid, Ried – derzeit LASK) mauserten sich allesamt zu grundsoliden Bundesliga-Spielern und sind nach wie vor im Profi-Geschäft tätig. Peter Hackmair (insgesamt 120 BL-Spiele für Ried und Wacker Innsbruck) ist mittlerweile bekanntlich ORF-Experte. Auch Michael Zaglmair (41 BL-Spiele für den LASK – derzeit Tormanntrainer bei SSV Jahn Regensburg II), Bartolomej Kuru (1 BL-Spiel für die Austria – derzeit SKN St. Pölten Amateure (Regionalliga Ost)), Thomas Panny (1 BL-Spiel für Admira Wacker – derzeit ASK Kottingbrunn (1. Landesliga)), Daniel Gramann (56 BL-Spiele für Altach, Austria Kärnten und Admira Wacker – derzeit SC Ostbahn XI (Wiener Stadtliga)), Thomas Pirker (10 BL-Spiele für Austria Kärnten – derzeit ASKÖ Dellach/Drau (2. Landesliga)), Siegfried Rasswalder (20 BL-Spiele für den LASK – derzeit TSV Hartberg (Regionalliga Mitte)), Michael Stanislaw (71 BL-Spiele für Wiener Neustadt – derzeit SC Bad Sauerbrunn (2. Landesliga)) und Bernhard Morgenthaler (11 BL-Spiele für Admira Wacker – derzeit SC Brunn/Gebirge (2. Landesliga)) kamen zu Einsätzen in der höchsten österreichischen Spielklasse. Nur Ingo Enzenberger (früher Red Bull Juniors – derzeit TSV Neumarkt (Regionalliga West)) musste sich mit Einsätzen in der Ersten Liga begnügen.