"Gazzetta dello Sport" berichtet: "Michael Schumacher atmet selbständig"

"Gazzetta dello Sport" berichtet: "Michael Schumacher atmet selbständig"

Die italienische Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" berichtet, dass Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher nicht mehr länger künstlich beatmet werden muss. Seine Managerin Sabine Kehm hingegen dementiert: "Michaels Zustand ist unverändert."

"Schumacher atmet selbständig", berichtet die Tageszeitung mehr als zwei Monate nach dem Skiunfall des 45-Jährigen, der sich seit rund einem Monat in der Aufwachprozess aus dem künstlichen Tiefschlaf befindet. "Schumi, es gibt Hoffnung", schreibt "Gazzetta dello Sport".

Die Zeitung zitiert Managerin Kehm mit den Worten: "Ist Michael außer Gefahr? Sagen wir Ja, aber sein Zustand ist weiter ernst. Deshalb kann man nicht behaupten, dass alle Risiken abgewendet wurden."

Managerin: "Situation ist unverändert"
Kehms offizielle Statements zum Gesundheitszustand Schumachers klingen jedoch anders. Heute verlautbarte die Managerin des Rekordweltmeisters ein weiteres offizielles Statement zur gesundheitlichen Situation des 45-Jährigen. "Michael befindet sich noch immer in der Aufwachphase", heißt es darin. Und weiters: "Die Situation ist unverändert. Jegliche medizinische Information, die nicht von den behandelnden Ärzten oder Michaels Management bestätigt wird, muss als nicht valide angesehen werden."

Bereits vor rund zwei Wochen musste Kehm mutmaßliche Entwicklungen zu Schumachers gesundheitlichem Zustand dementieren. "Die Aufwachphase kann lange dauern, was zu unserem Bedauern offenbar zu vielen Fehlinterpretationen führt", kommentierte Kehm. Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte vergangene Woche berichtet, dass der Aufwachprozess vorläufig abgebrochen worden sei.

Ex-Formel-1-Chefarzt Hartstein: "Narkosemittel abgebaut"
Vor über vier Wochen haben die Ärzte begonnen, die Narkosemittel abzusetzen. Inzwischen sollten diese vollständig abgesetzt und vom Körper abgebaut sein. Das erklärte auch der frühere Formel-1-Chefarzt Gary Hartstein, der in seinem Blog "A Former F1 Doc Writes" vergangene Woche meinte: "Selbst die stärksten Barbiturate wären von einem Körper mit einer gesunden Leber- und Nierenfunktion - die Michael sicher hat - längst abgebaut".

Dass zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher dennoch keine guten Nachrichten kommuniziert werden, ist für Hartstein ein klares Indiz dafür, dass es diese schlichtweg nicht gibt und nach der langen Dauer der Behandlung vermutlich leider auch nicht mehr geben wird. "Der Großteil der Patienten, die nach dieser Zeit aus dem Koma erwachen, tragen schwere Behinderungen davon", so Hartstein.

Bahrain benennt Kurve nach Schumacher
Aufmunternde Nachrichten für Schumacher kamen diese Woche jedenfalls aus der Formel-1. Zu Beginn der Woche haben die Betreiber der Formel-1-Rennstrecke in Bahrain mitgeteilt, dass die erste Kurve auf der Rennstrecke nach Schumacher benannt wird. Der deutsche Rekordweltmeister hat 2004 die erste Auflage des Rennens auf dem Bahrain International Circuit in der Steinwüste von Sakhir gewonnen. Der dritte Saisonlauf 2014 findet am 6. April und erstmals als Flutlichtrennen statt.

"Wir sehen das als Anerkennung seiner Leidenschaft für den Motorsport", wurde Schumachers Managerin Sabine Kehm zitiert. "Ich bin davon überzeugt, dass Michael die Idee lieben wird und sich sehr geehrt fühlen wird."

Ecclestone: "Denke oft an ihn"
Auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sorgt sich um den verunglückten Rekordweltmeister. "Ich habe Angst vor schlechten Nachrichten. Deshalb frage ich niemanden von Michaels Freunden oder der Familie, wie es ihm wirklich geht", zitierte die "Bild"-Zeitung den Geschäftsführer der Motorsport-Königsklasse.
Ecclestone "möchte, dass Michael als unser Schumi zurückkommt und nicht als jemand anderer".

Staatsanwaltschaft: "Kein Fremdverschulden"
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Skiunfall von Schumacher sind mittlerweile eingestellt worden. Es gebe keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, teilte die zuständige französische Staatsanwaltschaft mit. Die Ausschilderung und Markierung der Piste seien "den französischen Vorschriften entsprechend" gewesen, erklärte Staatsanwalt Patrick Quincy. Der Felsen, über den Michael Schumacher zunächst stürzte, und der zweite Felsen, auf den er mit dem Kopf aufschlug, lagen laut der Staatsanwaltschaft in Albertville 10,40 Meter auseinander. Diese Felsen seien wiederum 4,50 Meter vom Pistenrand entfernt.

Bereits Anfang Jänner hatte die französischen Ermittler nach vorläufigen Erkenntnissen mitgeteilt, dass Schumacher selbst wohl nicht zu schnell gefahren sei und "absichtlich" die markierte Piste verlassen habe. Auch die geliehenen Skier von Schumacher seien "in perfektem Zustand" gewesen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte in ihrem Statement weiters, dass Schumacher mit seinen Ski so unglücklich auf einen Felsen traf, dass er exakt 10,40 Meter durch die Luft und über den Tiefschnee geschleudert wurde. Denn erst nach dieser Entfernung schlug der 45-Jährige mit dem Kopf auf einem anderen Felsen auf, an dem sein Skihelm in mehrere Teile zerbrach.

Ungeachtet der Feststellungen der Staatsanwaltschaft könnte die Familie des 45-jährigen Formel-1-Rekordweltmeisters in einem Zivilverfahren gegen mögliche, aus ihrer Sicht Mitverantwortliche an dem Unfall klagen.

Schwankungen beim Aufwachsprozess
Schumacher wird unterdessen trotz Schwankungen beim Aufwachprozess weiterhin langsam aus dem künstlichen Koma geholt, berichtet die FAZ .

„Wie meist in solchen Fällen verläuft nicht jeder Tag wie der andere“, erklärte am Donnerstag die Managerin des Formel-1-Rekordweltmeisters in einer ausführlicheren schriftlichen Stellungnahme.

Managerin Sabine Kehm weiters: „Wie bereits von Anfang an versichert, werden wir entscheidende Neuigkeiten im Gesundheitszustand Michaels weiterhin bekanntgeben. Wir sind uns dabei bewusst, dass die Aufwachphase lange dauern kann.“ Die Managerin des deutschen Rekordweltmeisters bestätigte weiterhin nicht einen Bericht der „Bild“-Zeitung, demnach bei Schumacher in der vergangenen Woche eine Lungenentzündung festgestellt worden sei.

PR-Coup für "Titanic"
Derweil zeigte sich Österreichs Ex-Formel-1-Rennfahrer Niki Lauda empört über das Cover des Satire-Magazins "Titanic" , der ihn als Michael Schumacher zeigt: "Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?".

Regeneration nach einem Schädel-Hirn-Trauma
Mehr als 20.000 Österreicher erleiden jedes Jahr Kopfverletzungen, viele davon auch gravierende Läsionen mit höchst ungewisser Prognose wie nun Michael Schumacher. Auffallend oft beweist das Gehirn jedoch eine verblüffende Fähigkeit zum Neustart .

Der Wintersportort Méribel in den französischen Alpen


Größere Kartenansicht

Diagnose Apallisches Syndrom?
Wie es tatsächlich um die Gesundheit von Michael Schumacher steht, kann niemand wirklich einschätzen, denn Schädel-Hirn-Verletzungen gehören zu den langwierigsten und am schwersten behandelbaren und prognostizierbaren Verletzungen.

Eine mögliche Diagnose wäre das apallische Syndrom (AS); ein in der Neurologie bekanntes Krankheitsbild, das durch eine schwere Schädigung des Gehirns hervorgerufen wird. Dabei kommt es zu einem Ausfall größerer Teile oder sogar des gesamten Großhirns, während gleichzeitig die Funktion des Rückenmarks, des Zwischenhirns und des Hirnstamms erhalten bleiben. Die Betroffenen - in Deutschland rechnet man mit mindestens 10.000 Fällen - sind in einer Art Wachkoma. Sie wirken wach, haben aber kein Bewusstsein und kaum eine Möglichkeit zu kommunizieren.

Der Deutsche Ex-Rennfahrer hatte sich am 29. Dezember beim Skifahren in Meribel schwere Kopfverletzungen zugezogen, wurde bisher zweimal operiert und liegt seitdem im Krankenhaus in Grenoble weiter im künstlichen Koma.

Schumacher wird in einem Krankenhaus in Grenoble, Frankreich, behandelt


Größere Kartenansicht

Nachfrage nach Ski-Helmen nimmt zu
Der schwere Skiunfall von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher habe zudem die Nachfrage nach Ski-Helmen von einem hohen Niveau aus noch einmal ansteigen lassen. Mittlerweile seien 80 Prozent der Skifahrer in Deutschland und Europa mit Helm unterwegs.

Steckbrief:

Michael Schumacher
Geb.: 3. Jänner 1969, Deutschland
Geburtsort: Hürth-Hermühlheim; aufgewachsen in Kerpen
Wohnort: Gland (Schweiz)
Familienstand: verheiratet mit Corinna seit 1. August 1995
Kinder: Gina Maria (16), Mick (14)
Bruder: Ralf Schumacher (38/ebenfalls früherer Formel-1-Pilot)

Größte Erfolge:
* Siebenfacher Formel-1-Weltmeister (1994, 1995 und 2000 bis 2004)
* 91 Grand-Prix-Siege (zuletzt 2006)

Erster GP: 25. August 1991 GP von Belgien
Letzter GP: 25. November 2012 GP von Brasilien
Erster GP-Sieg: 30. August 1992 GP von Belgien
Letzter GP-Sieg: 1. Oktober 2006 GP von China
GP-Starts: 307
GP-Siege: 91
GP-Podestplätze: 155
Pole Positions: 68
Teams: 1991 Jordan, Benetton
1992 bis 1995 Benetton
1996 bis 2006 Ferrari
2010 bis 2012 Mercedes

Wichtigste Rekorde: Meiste WM-Titel (7), meiste GP-Siege (91),
meiste Pole Positions (68), meiste Podestplätze (155)

(APA/Red)