Fotogeschichte

Hoch wie nie: Nostalgie-Trip in die Österreichischen Alpen

Als die Sommerfrische geboren wurde: Ein Nostalgie-Trip in jene Zeit, in der die Alpen touristisch entdeckt wurden.

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Als sich der junge Friedrich Hölderlin 1801 erstmals in den Schweizer Bergen aufhält, schwärmt er ergriffen: „Vor den Alpen stehe ich noch immer betroffen. Ich habe wirklich so einen Eindruck nie erfahren.“ Rund ein Jahrhundert später ist es vorbei mit der erhabenen Einsamkeit, die Alpen und die ihnen zu Füßen liegenden Seen werden von Touristen gekapert: Von Bad Ischl bis Bad Gastein, von Cortina bis Meran, von Zermatt bis St. Moritz gibt sich die elitäre Gesellschaft der Sommerfrische hin.

„Der edelste Zeitvertreib der Welt“, so der britische Schriftsteller und Vater von Virginia Woolf, Sir Leslie Stephen, über das Bergsteigen, wird demokratisiert: Die „eigenartigen“ Touristen, die „in grünlichen Stoff gekleidet“ sind, so ein Zeitzeuge, beginnen, sich hinter den einheimischen Führern auf leichte Steige und Felsengrate zu wagen. Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben vor prächtigen Naturkulissen wird durch in kitschigen Farben schwelgende Fotochrome beflügelt, die als Postkarten, Alben und Prospekte aufgelegt wurden. 

Jenes Verfahren wurde 46 Jahre vor der Entwicklung des ersten Farbfilms (1935) in der Schweiz entwickelt, um von einem Schwarz-Weiß-Negativ lithografische Abzüge in Farbe anzufertigen. Für den opulenten Bildband „Die Alpen um 1900“ wurden nun erstmals die eindruckvollsten Fotochrome, die in dieser Zeit ihren Teil zur „Romantisierung der Landschaft“ beitrugen und damit auch den Grundstein für den späteren Massentourismus legten, versammelt.

Angelika   Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort