Ignoranten als Wahlsieger

Kürzlich in einem bekannten Wiener Biergarten. Man kommt auf die bevorstehenden Bundespräsidentenwahlen zu sprechen und auf die zu erwartende Wahlbeteiligung. Ein am Tisch sitzender Herr, etwa 60, kündigt an nicht wählen zu gehen. Warum? „Ich bin noch nie wählen gegangen.“ Noch nie? „Nein, das interessiert mich nicht, es ist mir wurscht.“

Nur nuanciert anders antworteten die Nichtwähler, die der ORF am Wahltag auf der Straße befragte: Es sei ohnehin alles egal, es ändere sich sowieso nie etwa, es sei ihnen gleichgültig, wer gewinnt, das Wetter sei so schön,.sie hätten anderes zu tun.

Alles aufgeklärte, kritische Bürger, die bewusst abstinent bleiben um damit ein Zeichen zu setzen? Mitnichten. Es sind eher Ignoranten, von chronischer geistiger Trägheit Befallene bar jeden Gemeinsinns, denen die Anstrengung, zehn Minuten der Teilnahme an einem demokratischen Willensbildungsprozess zu widmen, zu groß ist.

Unterlassen wir es ihnen zu erklären, wie sich ganze Generationen im Kampf um Demokratie und Wahlrecht aufgerieben haben. Es würde sie nicht interessieren.

Ach ja das Ergebnis:
Heinz Fischer hat verdient klar gewonnen. Rudolf Gehring wird sich über seine achtbaren fünf Prozent freuen. Barbara Rosenkranz, die Kandidatin der extremen Rechten und der „Kronen Zeitung“ ist abgestürzt. Eigentlich recht erfreulich.