Kabarettist Florian Scheuba, in Hemd und Sakko, lächelt in die Kamera
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Florian Scheuba und die österreichische Politik: „Das darf ja nicht wahr sein!“

Kabarett-Star Scheuba hat ein neues Programm. In „Schönen guten Abend“ geht es um Politik, Skandale und um schlechte Nachrichten. Im Interview spricht Scheuba über Brauchtum Postenschacher, Wahrheiten, die niemand glaubt, und die Heuchelei des JD Vance.

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Vermissen Sie Karl Nehammer eigentlich, rein beruflich?

Scheuba

Ganz ehrlich? Nicht besonders. Was von der Ära Nehammer bleiben wird, ist das Kentern des Kanus seiner Frau Kathi bei einem Innenministeriumsausflug zur Gartenmesse Tulln im Jahr 2017. Das hat ja tatsächlich sehr viel bewirkt, weil dabei das halbe Ministerbüro samt Handys ins Wasser gefallen ist, woraus der größte Spionageskandal der Zweiten Republik wurde, weil diese Handys dann schlussendlich beim russischen Geheimdienst gelandet sind.

Welche Politiker inspirieren Sie denn mehr als der Altkanzler?

Scheuba

Ich bin ein furchtbar altmodischer Medien-Junkie. Ich lese vier Tageszeitungen im Print, dazu noch etliche Magazine. Und beim Konsum dieser Medien regen mich manche Dinge auf. Der Gedanke „Das darf ja nicht wahr sein!“ ist für mich entscheidend. Denn dann denke ich mir: Dazu gehört etwas gesagt. Vieles geht heute ja auch unter, weil wir als Gesellschaft keinen gemeinsamen Medien-Nenner mehr haben. Wenn früher etwas in der „Zeit im Bild“ war, konntest du davon ausgehen, dass am nächsten Tag jeder gewusst hat, was Sache ist – und außerdem auch eine Meinung dazu hatte. Das ist heute nicht mehr Fall.

Merken Sie Ihrem Publikum an, dass es manche Gags falsch versteht, weil die Menschen halt andere Medien konsumieren?

Scheuba

Man muss heute jedenfalls sehr viel öfter als früher dazusagen: Das ist wirklich passiert! Echt wahr! Das ist keine Erfindung von mir! Manchmal nutzt nicht einmal das. Dann kommt nach der Show die Frage: Diese eine Geschichte war ja ganz lustig, aber unter uns, wie war es denn wirklich?

Macht es bei der Gestaltung eines neuen Programms einen Unterschied, welche Parteien gerade in der Regierung sind?

Scheuba

Es kann sich gerne jeder für mein Programm qualifizieren. Aber ich möchte nicht den Spin mitmachen, dass eh alle Politiker gleich seien. Denn die größte Freude, die man Verbrechern machen kann, ist zu sagen, dass eh alle Verbrecher sind. Aber wenn sogar HC Strache im Ibiza-Video es schafft, zu differenzieren, dann ist es vom Kabarett wohl nicht zu viel verlangt, das auch zu tun.

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.