Jamie Oliver blickt auf einen Teller mit Erbsen und paniertem Fisch.
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Jamie Oliver: „Männer können in der Küche unangenehm alpha sein“

Der Brite Jamie Oliver ist der wohl bekannteste Koch der Welt. Seine Kochbücher sind Millionenseller. Im profil-Interview spricht er über die Dringlichkeit einer Zuckersteuer in Österreich, grillende Frauen und seine ungebrochene Liebe zu Fleisch.

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Interview von Philipp Hedemann

Als Sie vor 20 Jahren gesünderes Essen an englischen Schulkantinen einführen wollten, wurden Sie beschimpft. Eltern haben ihren Kindern quasi zur Rettung Fast Food und Süßigkeiten über den Schulhofzaun geworfen. Das neue Kochbuch heißt „Eat Yourself Healthy“. Suchen Sie wieder Ärger?

Jamie Oliver

Nein, ich suche keinen Ärger, ich versuche nur zu helfen. Als ich mich erstmals für gesünderes Schulessen eingesetzt habe, war das ein exzellentes Lehrstück, wie Menschen gegen jede Form von Veränderung kämpfen, selbst wenn diese Veränderung ihr Leben besser und schmackhafter macht. Kaum etwas ist so schwierig zu verändern wie der Lifestyle. Und Ernährung ist nun mal ein wichtiger Teil unseres Lebensstils. Das ist frustrierend, aber ich gebe nicht auf. Für mein neues Kochbuch habe ich deshalb Rezepte mit Inspirationen aus aller Welt kreiert, für die man die Zutaten in jedem normalen Supermarkt bekommt und die schnell gemacht sind.

Sie waren das Paradebeispiel eines inzwischen manchmal verpönten Meat Lovers. Warum landet jetzt immer mehr Gemüse in Ihren Kochbüchern?

Jamie Oliver

Ich bin immer noch ein absoluter Meat Lover. Aber überall auf der Welt, wo die Leute gut Fleisch zubereiten können, können sie auch mit Gemüse etwas anfangen. Außer in Großbritannien! In Sachen Gemüse und Hülsenfrüchte ist bei uns noch viel Luft nach oben. Ich will dazu beitragen, dass bei uns Gemüse nicht länger ein undankbares Dasein als notwendige, aber öde Beilage fristet. Ich will das Gemüse feiern! Ich bin zweieinhalb Jahre durch die Welt gereist und habe die Gegenden aufgesucht, in denen die Menschen am ältesten werden. Eines hatten all diese Gegenden gemeinsam: Die Menschen haben dort viel Gemüse gegessen.

Könnten Sie sich vorstellen, Vegetarier zu werden?

Jamie Oliver

Vegetarier, Veganer, Pescetarier – ich mag diese Kategorien nicht. Ich finde, man sollte keiner Gang angehören, keinem Kult frönen. Beim Essen sollte jeder seine eigene Persönlichkeit haben dürfen. Ich werde also sicherlich kein Vegetarier, aber ich esse mindestens drei, vier Mal pro Woche vegetarisch. Und bei Fleisch oder Fisch achte ich besonders auf Qualität.

Das muss man sich aber auch leisten können.

Jamie Oliver

Schon als ich als Student kein Geld hatte, habe ich beim Fleisch auf Qualität geachtet. Für viele der besten Essen der Welt braucht man nicht die teuersten Teile des Tieres, aber an der Qualität des Fleisches sollte man nicht sparen.

Großbritannien hat vor fünf Jahren eine Steuer auf Limonade und Softdrinks eingeführt. Sollte Österreich das auch tun?

Jamie Oliver

Ja, Österreich sollte unbedingt eine Zuckersteuer einführen. Viele Länder sind dem britischen Beispiel unterdessen gefolgt. Österreich bislang nicht. Dabei sind sich bestimmt viele des Problems bewusst. Die Fettleibigkeit bei Kindern nimmt von Jahr zu Jahr zu, und viele sind bereit für echte Veränderungen. Dennoch stützt sich die Politik nach wie vor zu sehr auf freiwillige Verpflichtungen.