Jan Delay über sein neues Rock-Album „Hammer und Michel”

Jan Delay über sein neues Rock-Album „Hammer und Michel”

Ex-Rapstar Jan Delay über Designer-Kleidung, Kneipenschlager, seine neue Koketterie mit dem Rock und seine Heino-Aversion.

Interview: Florian Wörgötter

profil: Das Konzept Ihrer Solokarriere lautet: neue Platte, neues Genre. Reggae, Funk und Soul waren noch nachvollziehbar. Auf Ihrem neuen Album "Hammer & Michel“ überraschen Sie nun aber mit Rock. Ist Ihnen der HipHop von heute zu soft geworden?
Jan Delay: Nein, HipHop mache ich mit den Beginnern ja nach wie vor. Ich bin ein neugieriger Mensch, der sich schnell langweilt. Ich mag es, neue Ziele zu verfolgen und dabei etwas zu lernen.

profil: Wie passt Ihr durchgestyltes Bügelfaltenimage zum polternden Schweinerock, den Sie nun herbeizitieren?
Delay: Über das Image mache ich mir kaum Gedanken. Zuerst mache ich die Musik, auf die ich Lust habe. Dann denke ich darüber nach, wie ich sie mit meiner Band optisch rüberbringe. Da wir immer gut gekleidet waren, blieben wir bei den Anzügen. Unser Designer Herr Eden hat aus den Knöpfen Nieten gefertigt, Leder am Revers, ein bisschen Leopard, alles eng geschnitten, dazu tragen wir Chelsea Boots. Lederjacken wären zu profan gewesen.

profil: In Ihrer Inszenierung schmeißen Sie sämtliche Rocksymbole in den Mixer. Das Ergebnis wirkt aufgesetzt und ironisch verzerrt.
Delay: Klar, mit der Bühnengarderobe würde ich nicht Brötchen kaufen gehen. Ironisch verzerrt ist aber gar nichts. Ich mache mich über Rock nicht lustig, deshalb verzichten wir auf Langhaar-Perücken oder Spandexhosen - wie die Journalisten das gerne von uns gehabt hätten.

profil: Man hat beim Hören des Albums das Gefühl, dass hier jemand etwas tut, das außerhalb seiner Welt liegt. War Rock die richtige Wahl?
Delay: Genau das war es, was ich wollte. Letztlich ist "Hammer & Michel“ einfach eine Jan-Delay-Platte mit zwei lauten Gitarren. Wenn das für andere nicht nach Rockalbum klingt, ist es in Ordnung. Widersprechen würde ich erst, wenn sie meinen, es klinge nicht nach einem Jan-Delay-Album.

profil: Sie ließen anklingen, dass die Produktion schwieriger war als erwartet.
Delay: Ja, denn Rock ist tatsächlich nicht meine Welt, ich musste da erst mal eintauchen. Als Fan dachte ich nie darüber nach, wie unterschiedlich verzerrte Sounds, Verstärker, Boxen, Gitarren und ihre Stimmung sein können. All das musste ich erst lernen, um als Produzent zu wissen, was ich wollte. Das war ein langer Weg, daher musste ich den Veröffentlichungstermin vom vergangenen Sommer auf jetzt verschieben.

profil: Haben Sie sich mit dem Experiment Rock übernommen?
Delay: Zum damaligen Zeitpunkt: ja. Ich hatte mir selbst zu viel Druck gemacht. Nun bin ich eben später dran, dafür zufrieden mit dem Ergebnis.

profil: Was macht Ihnen mehr Spaß: die Rockgemeinde vor den Kopf zu stoßen oder das eigene Publikum?
Delay: Meine eigenen Leute möchte ich positiv vor den Kopf stoßen. Ich bin kein Dienstleister. Wenn alle sagen, es ist Scheiße, tut es mir leid. Ich feiere aber die Musik, wie sie ist.

profil: Die Frage, ob der neue Jan Delay raffiniert mit dem Mainstream spielt oder selbst längst Mainstream ist, ist nicht leicht zu beantworten.
Delay: Mainstream bin ich doch schon lange. Sobald du in den Charts oben bist und deine Hallen voll sind, bist du Mainstream.

profil: Früher hatten Sie immerhin kritische Botschaften. Heute singt der Linksautonome aus dem Hamburger Schanzenviertel formatradiotaugliche Kneipenschlager wie "St. Pauli“ ohne subversiven Grundton.
Delay: Ja, stimmt. Aber wieso darf er das nicht?

profil: Es fehlt einer Ihrer Hauptwesenszüge.
Delay: Tut mir leid, doch das ist künstlerische Freiheit. Ich kann nicht jeden meiner Songs subversiv machen.

profil: Welches Genre werden Sie als nächstes bearbeiten? Schlager?
Delay: Habe ich doch jetzt schon gemacht - nein, das meine ich nicht ernst. Tatsächlich ist der nächste Schritt eine neue Beginner-Platte.

profil: Schlagerbarde Heino hat unlängst Coverversionen eingespielt, auch den Beginner-Song "Liebeslied“. Begeistert?
Delay: Nein, fand ich ganz schrecklich. Heino stand in meinem Leben immer für die dunkle Seite der Macht.

profil: Hat er Sie gefragt?
Delay: Nein, musste er nicht. Wenn ein Werk originalgetreu gecovert wird, geht das auch ohne Genehmigung.

profil: Hätten Sie es ihm verboten?
Delay: Ja, klar!

Jan Phillip Eißfeldt alias Jan Delay, 37,
stand mit der Band Beginner an vorderster Front, als deutscher Rap in den späten 1990er-Jahren seine Hochblüte erlebte. 2001 begann Delay seine Solokarriere, setzte auf Reggae, Funk und Soul. Sein neues Album bietet nun weder Indie noch Metal, eher Deutschrock im Stil seines Vorbilds Udo Lindenberg. Delays Hochglanz-Rockentwurf klingt mal bluesig, mal funky, stets radio-tauglich. So entpuppt sich sein neues Rockstar-Image als Marketingblase - zu groß geschnitten, genau wie die Lederjacke auf dem Plattencover.