<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Latkes & Co

Frisch aus der Pfanne: So kriegen wir Chanukka gebacken

„Tell your friend Veronica
It’s time to celebrate Chanukah
I hope I get a harmonicah
Oh this lovely, lovely Chanukah
So drink your gin and tonicah
And smoke your marijuanikah
If you really, really wannakah
Have a happy, happy, happy,
happy Chanukah“

Adam Sandler, The Chanukah Song

Chanukka sameach, erst einmal. Ein fröhliches Chanukka-Fest. Bis Donnerstag dieser Woche dauert sie noch, die heiter-besinnliche Feier, in der so viele wunderbare Speisen im Mittelpunkt stehen. Ich kenne zumindest kein christliches Fest (okay, Ostern vielleicht), bei dem Genuss auch nur annähernd eine im Religiösen wurzelnde Bedeutung hat. In der Krippe stehen eben nicht Gans und Karpfen, sondern Ochs und Esel. Und zeitgemäße Lebensfreude spielt ja auch keine Rolle. Der US-Schauspieler Adam Sandler, Sohn jüdischer Eltern aus Brooklyn, hat mit seinem oben zitierten „Chanukah Song“ wohl auch orthodoxe Kreise verstört, und nicht nur die. Neil Diamond ändert in einer sehr schönen Cover-Version dann lieber doch eine Zeile ab – und singt: „Don’t smoke your Marijuanikah.“ Na ja, The Jewish Sinatra hat immer noch ein bissl ein anderes Publikum, auch wenn seine späte Karriere wunderbares, zeitgemäßes Songwriting hervorbrachte.

Jedenfalls hat sich Channuka mit Sandler, wie „The Jewish Journal“ schreibt, von der „schwächelnden Stiefschwester des Weihnachtsfestes“ zu einem Ereignis der Populärkultur gewandelt.
Aber jetzt in die Küche. Was gibt’s denn da so? Vor allem in Öl gebackene Speisen. Sie sollen an das Wunder im zweiten Tempel von Jerusalem erinnern, bei dem eine Lampe, deren Öl nur noch für einen Tag reichte, acht Tage lang brannte – so lange eben, bis neues Öl zur Verfügung stand. Deshalb auch die Chanukkia, der Chanukka-Leuchter mit Öllämpchen.
Massenhaft werden jährlich in den USA Chanukka-Rezepte veröffentlicht, traditionelle und auch kreative. Die in der „New York Times“ gefallen mir am besten. Ich habe mich für zwei entschieden, was insgesamt acht verschiedene Happen ergibt. Da sind einmal gebackene Knoblauchzehen. Ganz einfach und unglaublich köstlich: die Zehen schälen, drei Mal in kaltem Wasser zustellen, dann ein viertes Mal und etwa fünf Minuten kochen, so sind sie nicht mehr scharf. Jetzt können sie klassisch in Mehl, verquirlten Eiern und Bröseln paniert und in Öl schwimmend herausgebacken werden.

Und natürlich Latkes, die traditionellen Kartoffelpuffer. „Zu Chanukka spielen sie die Hauptrolle und werden in wahren Fressmarathons mit Sauerrahm oder Apfelmus heiß von der Pfanne weg gegessen“, schreibt die Autorin und Filmemacherin Helene Maimann. Nun gut, mit Puffern und Apfelmus hab ich’s nicht so. Aber es gibt Unmengen andere Möglichkeiten sie zu belegen. Chanukka sameach also.

Das Latkes-Rezept
750 g mehlige Erdäpfel und eine faustgroße Zwiebel mit der Küchenreibe grob reiben. Nimmt man längliche Erdäpfel und reibt sie an der langen Seite ab, entstehen beim Backen hübsche Knusperfransen. Dazu kommen 3 bis 4 EL Matzenmehl, ein halber TL Backpulver, ein großes Ei, Salz und Pfeffer. Alles gut durchmischen und in reichlich Olivenöl – es darf schon eine richtige ­Lacke sein – goldbraun backen. Und schon können sie belegt werden.

Kaviar: Sauerrahm, verrührt mit etwas Senf, Zitronensaft, Salz und Pfeffer, und ein Teelöffel Lachs- oder anderer Kaviar

Granatapfel: Griechisches Naturjoghurt, mit etwas Honig verrührt, und Granatapfelkerne

Käse: Gorgonzola oder Dolcelatte und eine Stunde zuvor in Cognac eingelegte getrocknete Feigenstücke

Lachs I: Gravad Lax und der Senfrahm für die Kaviar-Latkes

Lachs II: Räucherlachs und Frischkäse, verrührt mit Salz, Pfeffer und Olivenöl

Hering: Matjes, Zwiebelringe und Sauerrahm, verrührt mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer

Karpfen: Räucherkarpfen, rote Rüben, der Frischkäse für Lachs II und geriebener Kren

klaus.kamolz@profil.at