Kult-Musical: Die "Rocky Horror Picture Show" wird 40

Kult-Musical: Die "Rocky Horror Picture Show" wird 40

Ende Oktober vor 40 Jahren begannen in England die Dreharbeiten zur "Rocky Horror Picture Show", der Filmadaption des revolutionären Musicals "Rocky Horror Show".

Beide sind längst zum Kult geworden. "Das Stück war einzigartig für seine Zeit, man hatte nie zuvor so viel Sexualität auf die Bühne gebracht", sagte der Schauspieler Christopher Biggins, einer der Ur-"Transsilvanier".

"Brandy zum Aufwärmen" am Filmset
Oakley Court, ein paar Autominuten von London entfernt und nahe Windsor Castle, ist ein Fünf-Sterne-Hotel. Gruselige Steinfiguren blicken vom Schloss auf die Besucher. Wo heute betuchte Gäste absteigen, fand sich vor vier Jahrzehnten eine illustre Schar ein, um den "Time Warp" vor der Kamera zu tanzen. "Es ist so anders", schmunzelte Biggins. "Damals war das kein Hotel, sondern ein Filmset, sehr desolat, Tapeten lösten sich von den Wänden, es war kalt und windig, alles fiel zusammen. Es war ein Loch. Man hat uns in der Früh Brandy zum Aufwärmen verabreicht."

Der umtriebige britische Schauspieler und Moderator ist für einen Pressetermin zum ersten Mal seit Herbst 1974 ins "Frank-N.-Furter-Schloss" Oakley Court zurückgekehrt. Die jüngste (und erfolgreiche) Musical-Version der "Rocky Horror Show" tourt demnächst noch einmal durch den deutschsprachigen Raum, vom 19. November bis 14. Dezember ist das bizarre Spektakel um ein Pärchen, das in einem mysteriösen Schloss in die "Fänge" von schrillen Außerirdischen im Wiener Museumsquartier zu erleben.

Kein Geld, aber eine klare Vision
Richard O'Brien, in der Ur-Version wie auch im Film in der Rolle des Riff Raff, hatte - inspiriert von B-Movies und Rock 'n' Roll sowie seiner eigenen offen gelebten Bisexualität - die Idee zum Stück. Gemeinsam mit dem Komponisten Richard Hartley arbeitete er an der Erstversion, die am 19. Juni 1973 im Theatre Upstairs, Teil des Londoner Royal Court Theatre, Premiere feierte. "Wir hatten kein Geld, also konnten wir nur zweieinhalb Wochen proben. Mit der Band überhaupt nur einen Tag, an einem Samstag", blickte der nun 70-jährige Hartley bei einem Besuch der kleinen Bühne auf jene turbulenten Tage zurück.

"Aber wir wussten, was wir taten, wir hatten eine klare Vision. Das einzig schwierige war das Casting von Frank N. Furter. Die 'Rocky Horror Show' ist keine Gay Show, sie soll beide Geschlechter ansprechen. Mit Tim Curry fanden wir jemanden, der Frauen wie Männer gleichermaßen in den Bann zog", erzählte Hartley. "Tim war elektrifizierend", bestätigte Biggins. "Die Leute standen meilenweit Schlange um Karten, sie konnten nicht genug davon bekommen", erinnerte sich Biggins an die Reaktion nach der Premiere.

"Hat die Zeit überstanden"
"Richard O'Brien ist ein Genie, der etwas schuf, was immer aktuell ist, die Zeit also überstanden hat", sagte Biggins. "Wir sind noch immer befreundet. Auch wenn Richard heute mit seiner neuen Frau in Neuseeland lebt. Und dort vermutlich die viel schöneren Kleider als sie trägt", lachte der Schauspieler.

Biggins war im Film einer von 16 Transsilvaniern, die in schrillen Outfits durch die Räume von Oakley Court tanzten. "Mich sprechen oft Leute auf der Straße mit den Wort 'It's just a jump to the left' an. Ich antworte dann mit den Zeilen 'And then a step to the right' - und manchmal springe ich sogar nach links. Es gefällt mir, ein Teil einer so ikonischen Sache zu sein."

(APA/Red.)