Legendäre Kriminalfälle: Die "Charles Manson-Morde"

Charles Manson im Gerichtssaal.

Charles Manson im Gerichtssaal.

Serie: profil präsentiert die spektakulärsten Fälle der Kriminalgeschichte. Teil 6: Die Morde der "Manson Family".

VORGESCHICHTE

Charles Miles Manson wurde am 12. November 1934 in Cincinatti, Ohio, geboren. Seine Mutter war bei der Geburt erst 16 Jahre alt, seinen leiblichen Vater sollte Manson nie kennenlernen. Da seine Mutter viel Zeit im Gefängnis verbrachte, wuchs der kleine Charles vornehmlich bei nahen Verwandten auf, die ihn streng religiös erzogen.

Zum ersten Mal straffällig wurde Manson mit 16 Jahren, als er unter anderem wegen Diebstahls und Zuhälterei in Haft kam. Im Gefängnis wurde er wiederholt missbraucht und verprügelt.

Zwischen 1950 und 1967 verbrachte Manson insgesamt 13 Jahre im Gefängnis. Nur zwischen 1954 und 1956 bzw. 1958 und 1960 kam er jeweils zwei Jahre auf Bewährung frei. Nachdem er schließlich am 21. März 1967 aus der Haft entlassen wurde, begab er sich nach San Francisco, dem damaligen "Mekka" der Hippie-Bewegung.

DIE "MANSON FAMILY"

Bald gründete Manson eine eigene Hippie-Kommune, die als "Manson Family" in die Kriminalgeschichte eingehen sollte. Die Gruppe bestand aus einem festen Kern von ca. 20 (überwiegend weiblichen) Mitgliedern und rund 100 weiteren Personen, die sich zumindest zeitweise der Kommune anschlossen.

Charles Manson hatte während seiner Haftzeit begonnen, zahlreiche Songs und Songtexte zu schreiben und war von der Vorstellung besessen, nach seiner Freilassung als professioneller Musiker berühmt zu werden. Zudem hatte er im Gefängnis eine wahre Obsession für die Beatles entwickelt, die weit über ein "normales" Fan-Dasein hinausging. Manson war etwa fest davon überzeugt, dass die "Fab Four" apokalyptische Engel wären, die eines Tages - gemeinsam mit Jesus - die Menschheit erlösen und in die Seligkeit führen würden. Zuvor - so Mansons Vorstellung - würde jedoch noch ein Rassenkrieg stattfinden, den er nach dem gleichnamigen Beatles-Song als "Helter Skelter" zu titulieren pflegte.

Die Vorstellung des anstehenden Rassenkrieges, die gottgleiche Verehrung der vier Pilzköpfe, sowie Sex- und Drogenorgien wurden zu den zentralen Bestandteilen der Philosophie von Charles Manson und seiner "Family". Aufmüpfige Sektenmitglieder wurden dabei oft mit LSD und sexueller Abhängigkeit gefügig gemacht.

Als die - für das Jahr 1969 angekündigten - Rassenunruhen schließlich ausblieben, beschloss Manson, selbst "Helter Skelter" entfachen zu wollen und "den dummen Schwarzen" zu zeigen "wie man Weiße tötet".

TATEN

Der erste sicher belegte Mordauftrag, den Manson erteilte, erfolgte Ende Juli 1969 und war gegen den Musiker und Drogendealer Gary Hinman gerichtet. Nachdem Hinman von einem Mitglied der "Manson Family" ermordet worden war, versuchte man die Aufmerksamkeit der Ermittler auf die militante Schwarzenbewegung „Black Panthers“ zu lenken - ein Vorhaben, das misslang.

Jene Tat, mit der Manson und seine Gruppe schließlich traurige Berühmtheit erlangen sollten, erfolgte in der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969. Der ehrgeizige Sektenführer hatte sich mit dem bekannten Musikproduzenten Terry Melcher überworfen, da sich dieser entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung entschlossen hatte, Mansons Musik doch nicht aufzunehmen. Deshalb sandte Manson vier seiner Sektenmitglieder (Susan Atkins, Patricia Krenwinkel, Linda Kasabian und Charles Watson) aus, um Melcher in dessen Villa zu ermorden. Der Musikproduzent war jedoch in der Zwischenzeit aus dem Anwesen ausgezogen und hatte es an den Regisseur Roman Polanski und dessen hochschwangere Ehefrau, die Schauspierin Sharon Tate, weitervermietet. Als die Täter die Hollywood-Aktrice und vier ihrer Freunde in der Villa vorfanden, kannten sie dennoch keine Gnade und töteten die Anwesenden mit zahlreichen Messerstichen. An den Wänden hinterließen sie mit blutverschmierten Lettern das Wort "PIG".

Bereits am nächsten Tag folgten weitere Morde: Der italienische Supermarktbesitzer und seine Frau Rosemary wurden in ihrer Villa ebenso brutal massakriert wie Tate und ihre Freunde am Vorabend. Dieses Mal war auch Charles Manson persönlich vor Ort, um das Ehepaar zu fesseln und den Mordauftrag zu erteilen. Mit dem Blut der Opfer wurden die Wörter "Death to pigs“ und "Rise“ an die Wände des Hauses geschrieben sowie "Healter Skelter“ (sic!) an die Kühlschranktür geschmiert. Leno LaBianca wurde außerdem das Wort "WAR“ in den Bauch geritzt.

Am 16. August 1969 wurden Manson und einige seiner Sektenmitglieder auf ihrer Ranch unter dem Verdacht des Autodiebstahls festgenommen. Erst in den darauffolgenden Wochen wurde durch die Zeugenaussagen zweier Mitgefangener von Susan Atkins die Mordserie aufgeklärt. Vor diesen hatte Atkins mit ihrer Beteiligung an den Tate-Morden geprahlt.

PROZESS

Der Mordprozess gegen Charles Manson, Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten begann am 24. Juli 1970 in Los Angeles. Es folgte das bis zu diesem Zeitpunkt längste Strafverfahren der US-Geschichte. Am 29. März 1971 verurteilte die Jury die vier Angeklagten zum Tod in der Gaskammer. Das Urteil wurde im Juli 1971 bestätigt.

"Mugshot" von Charles Manson (1971).

"Mugshot" von Charles Manson (1971).

Charles Manson wurde im April 1971 in eine Todeszelle im berüchtigten San Quentin-Gefängnis gebracht. Nachdem der Oberste Gerichtshof Kaliforniens im Jahr darauf die Todesstrafe für verfassungswidrig erklärt hatte, wurden sämtliche Todesurteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt (die Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1978 hatte keine erneute Revision des Urteils zur Folge).

VERMÄCHTNIS

Die Nachwirkungen von Charles Mansons Verbrechen auf die amerikanische Kultur sind mannigfaltig und nachhaltig. Von vielen werden die "Manson Family"-Morde als das Ende der Flower-Power-Ära oder Hippie-Bewegung in Amerika gesehen. Manson sorgte und sorgt als das "personifizierte Böse" gleichermaßen für Schrecken und perfide Faszinationskraft. Er war unter anderem auf dem Cover der legendären Musikzeitschrift "Rolling Stone" abgebildet. im Jahr 1993 sorgten Guns´N´Roses für einen Skandal, als sie den Manson-Song "Look At Your Game, Girl" für ihr Album "The Spaghetti Incident" coverten.

Obwohl Charles Manson in der Öffentlichkeit weitgehend als Serienmörder wahrgenommen wird, hat er wohl niemals eigenhändig einen Menschen umgebracht, sondern "nur" jeweils Aufträge zum Mord erteilt. Er ist heute 81 Jahre alt und sitzt im kalifornischen Staatsgefängnis in Corcoran ein. Im Laufe seiner Gefängniszeit überlebte er mehrere Anschläge auf sein Leben.

Charles Manson im Jahr 2011.

Charles Manson im Jahr 2011.

MEHR ZUM THEMA

Die spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte: Teil 1 - Jack The Ripper

Die spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte: Teil 2 - Die Entführung des Lindbergh-Babys

Die spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte: Teil 3 - Bonnie und Clyde

Die spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte: Teil 4 - Der große Postzugraub

Die spektakulärsten Kriminalfälle der Geschichte: Teil 5 - Elfriede Blauensteiner