Enten-Wan-Tan mit eingelegtem Kürbis, gebratenem Rotkraut und Rotwein-Birnen-Chutney
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Lehrlinge übernehmen ein Gasthaus. Kann das klappen?

Im steirischen Almenland arbeiten Lehrlinge auf sich gestellt in einem Gasthaus: Besuch in der Brandluckner Huab’n.

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Könnte am Ende alles doch nur ein Schmäh des Chefs Simon Bauernhofer gewesen sein? Das mit vier Sternen geadelte Naturhotel Bauernhofer (Bild unten), gelegen im steirischen Almenland, Gemeinde Anger, hat seit Oktober in einem alten Bauernhaus, der Brandluckner Huab’n, ein Lokal eröffnet. Und dort sollen die Lehrlinge das Sagen haben – heißt es zumindest in der Ankündigung. Ob das gut geht?

Naturhotel Bauernhofer im Almenland
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Kurze Rückbesinnung auf die eigenen Lehrlingstage: Es war schon gut für alle Beteiligten, dass wir damals nicht immer alles tun konnten, wonach uns gerade der Sinn stand. So ein Hotel, das hat ja auch einen Ruf zu verlieren.

Ihrem Ruf als charmantes Bauernhaus auf der Alm wird die Brandluckner Huab’n (Bild unten) jedenfalls gerecht – angeblich 328 Jahre alt, gelungen modernisiert und malerisch in die Landschaft eingebettet, liegt sie dem Hotel gegenüber. Gleich neben der Huab’n gibt es ein Freilufttheater, im Sommer wird dort Nestroy, Raimund und Hofmannsthal gespielt. Für Possen bleibt im Lokal selbst keine Zeit, die sehr junge Frau- und Mannschaft geht konzentriert ans Werk. Jana stellt sich vor – und der Hotelchef kann froh sein, Lehrlinge wie sie und ihre Kolleginnen im Service zu haben.

Das Gasthaus "Brandluckner Huab’n" von außen
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Macht ihr das denn wirklich alles ohne Hilfe? Die Antwort fällt erfrischend ehrlich aus: Ein bisschen geschummelt wird schon. Anna sei heute auch noch da, und die ist schon ausgelernte Restaurantfachfrau. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass auf der Alm zwar nicht nach den Sternen gegriffen wird, aber auch nicht bloß die einfachsten Küchentechniken zur Anwendung kommen. In der Küche ist aber ebenfalls ein ausgelernter Koch präsent. Mit den Gasherden hier, da sei das Kochen schon was anderes als drüben im Hotel, erzählt Jana.

Gemüsetartar mit Süßkartoffelchips, Paprika- und Avocadocreme und Rosmarin-Focaccia
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Das fast schon cremige Gemüse-Tatar (Bild oben) hat damit von Natur aus nichts am Hut, es erzeugt aber Wärme durch einen schön tomatigen Gesamteindruck. Dazu gibt’s Paprika- und Avocadocreme sowie frische Rosmarin-Focaccia. Der Süßkartoffel-Chip sorgt für lustiges Knacken.

Lustig knackt auch der Enten-Wan-Tan (Bild ganz oben). Das erst mit Wurzelgemüse vermengte, dann frittierte Geflügel ist kulinarisch schon ein bisschen auserzählt, aber das gebratene Rotkraut, der eingelegte Kürbis und ein Rotwein-Birnen-Chutney sowie Frischkäse machen draus etwas für höhere Lehrjahre.

Pho mit Schweinebauch, Gemüse und Sauerkraut
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„Asia auf der Alm“ soll dann laut Karte die vietnamesische Suppe Pho (Bild oben) bieten. Der tolle, zwölf Stunden lang gegarte Schweinebauch darin zergeht auf der Zunge, leider wurde ein bisschen wenig Suppe verwendet. Das klassische Sauerkraut als Suppeneinlage ist erst gewöhnungsbedürftig, nach ein, zwei Bissen funktioniert es aber und lässt das Gericht wie suppigen Schweinsbraten schmecken.

Beiried mit Kren, Gemüse und Kartoffelwürfel
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Jetzt zur Königsdisziplin, dem Steak (Bild oben), da darf jetzt nichts schiefgehen! Und siehe da, der Gasherd hat mitgespielt, das Beiried kommt perfekt medium zum Tisch und wurde mit Kren aufgepeppt. Sehr knackiges Beilagengemüse mitsamt Erdäpfelwürfeln dazu – tadellos.

Am Ende gibt’s noch einen sensationellen dekonstruierten Apfelstrudel (Bild unten), der warme Vanillesauce-Espuma auf Sauerrahm-Zimt-Eis treffen lässt. So manches Wiener Kaffeehäuser könnte da in die Lehre gehen.

Apfelstrudel im Glas mit warmen Vanillesauce-Espuma und Sauerrahm-Zimt-Eis
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Gut, so ganz auf sich gestellt lässt der Hotelchef seine Lehrlinge doch nicht werkeln. Der Punkt ist aber ein anderer: Bauernhofer und sein Team geben diesem (vor allem bei beteiligten Erziehungsberechtigten) nicht immer prestigeträchtigem Handwerk eine Bühne, ohne dabei Theater zu spielen – da oben auf der Alm hat schon alles Hand und Fuß.

Meine eigene Lehrabschlussprüfung zum Koch verlief übrigens nicht sonderlich rühmlich. Mir wollte da nämlich partout nicht einfallen, was denn nun das zweite Hauptgewürz (neben Minze) in der Kärntner Kasnudel sein soll (Kerbel). Meine Antwort, nach erdrückender Stille: Salz! Bestanden habe ich trotzdem, Jana und die anderen Huab’n-Lehrlinge werden das auch – und ihnen werden derartige Blamagen erspart bleiben, so viel ist sicher.

Stimmung: engagierte Lehrlinge kredenzen asiatische Küche in einem steirischen Bauernhaus 
Empfehlung: Hotel-übernachtung dazubuchen 
Preisverhältnis: Vorspeisen 5–16 Euro, Hauptspeisen 16–32 Euro, Dessert 4–9 Euro 

Naturhotel Bauernhofer 
Brandlucken im Almenland 78
8172 Heilbrunn 
Sa, 11:30–22 Uhr 
bauernhofer.at 

Stephan Graschitz

Stephan Graschitz

ist als Chef vom Dienst bei profil tätig.