Marcel Reif: Feuerfresser, Schwertschlucker und ein trauriger Clown

Klopp freut sich auf das Rückspiel: "Die Anfield Road wird brennen"

Klopp freut sich auf das Rückspiel: "Die Anfield Road wird brennen"

Dortmund gegen Liverpool war ein Paradebeispiel dafür, wie ein genialer Menschenfänger namens Jürgen Klopp mit brillanten Spielchen den Hype um ein Match beeinflussen konnte

Zinédine Zidane ist einer besten Fußballer, die es je gab. Um ihn gemeinsam auf einer Stufe mit Pelé, Cruyff oder Maradona zu würdigen, ist er aber noch zu jung. Also trainierte er nach seinem Karriere-Ende ein bißchen die Jugend von Real Madrid, zumal dort auch sein ältester Sohn Enzo spielt. Dann brach in Madrid der Wahnsinn los, Trainer Rafael Benítez war weg, und Präsident Florentino Perez suchte eine schnelle Lösung.

Nun ist der große Fußballer Zidane Trainer von Superstars wie Ronaldo, Benzema oder Bale, die eigentlich untrainierbar sind. Zizou war immer ein Teamplayer, und die Lust, Charaktere zu bündeln, die ihm eigentlich zuwider sein müssen, ist ihm schnell vergangen.
Nach einer mäßigen Saison in La Liga gibt es für Real nur noch die Option Champions League. Die Madrilenen sind zwar keine Mannschaft, aber wenn die Lichter angehen in Bernabeu, laufen die Schwertschlucker und Feuerfresser des königlichen Zirkus zur Höchstform auf.


Wenn ich zuvor eine Wette eingegangen wäre, stünde ich jetzt ohne Kleidung, Haus und fahrbaren Untersatz da.

Als jeder dachte, nach dem Triumph gegen Barcelona könnte sich doch etwas entwickeln, schickte der Fußballgott die stolzen Spanier nach Wolfsburg und trieb seine Späßchen. Das war keine Luxusreise für Real, denn normalerweise logiert ein Klub wie Real im feudalen VW-Hotel Ritz Carlton am Mittellandkanal, wo man es sich nicht nur im fantastischen Drei-Sterne-Restaurant so richtig gutgehen lassen kann. Nein, Real stieg im Hotel am Bahnhof ­neben einem Kinocenter und einer Döner-Bude ab, weil die Gastgeber die Nobel-Absteige zuvor bereits bewusst okkupiert hatten. Dann fiel Zidane bei der Pressekonferenz in einem Arroganz-Anfall nicht nur kein Name eines einzigen Wolfsburger Spielers ein, sondern er musste am Matchtag auch noch ein solches Elend erdulden, dass ihm wohl ganz übel graute.
Wenn ich zuvor eine Wette eingegangen wäre, stünde ich jetzt ohne Kleidung, Haus und fahrbaren Untersatz da. Weihnachten und Ostern an einem Tag, Regen und Sonne gleichzeitig, elf Real-Spieler versagten, und Cristiano Ronaldo wirkte wie ein tieftrauriger Clown. Wie man ihn mit Messi vergleichen kann, ist mir – bei allem Respekt – sowieso ein Rätsel.

Irgendwann wird sich Zidane in dieser denkwürdigen Nacht im Hotel am Bahnhof ins Bett gelegt und den Traum strapaziert haben, das Glück beim Rückspiel in Bernabeu doch noch drehen zu können. Aber wenn sich Wolfsburg nicht allzu sehr fürchtet, hat der Klub die ganz große Chance, Real aus der Königsklasse hinauszuwerfen.

Nicht nur Real schwächelte im Viertelfinale. Auch die Bayern, die schon seit August gefühlt deutscher Meister sind, boten gegen Benfica eine schwache Leistung, und Pep Guardiola muss sich fragen, warum er es wieder einmal nicht hinbekommen hat, sein Team in der wirklich wichtigen Phase in Höchstform auflaufen zu lassen. Die ziemlich glanzlosen Pflichtsiege in der Liga ließen schon vermuten, dass es nicht so einfach sein wird, in der Champions League einfach den Schalter umzulegen. Die Bayern grübeln, aber keiner will mit der Wahrheit herausrücken.


Dortmund gegen Liverpool war ein Paradebeispiel dafür, wie ein genialer Menschenfänger namens Jürgen Klopp mit brillanten Spielchen den Hype um ein Match beeinflussen konnte.

Dass sich Barcelona gegen Atletico Madrid abgestrampelt hat, kann ich noch verstehen – ein Spiel gegen die ­humorbefreite Elf von Diego Simeone ist so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren kann. Und Paris St. ­Germain habe ich offensichtlich überschätzt.
Wenn’s richtig lustig wird, dann sitze ich im Mai bei meinem Abschiedsspiel im Mailänder San Siro und kommentiere Benfica Lissabon gegen VfL Wolfsburg. Darauf habe ich keine Lust.

Dortmund gegen Liverpool war ein Paradebeispiel dafür, wie ein genialer Menschenfänger namens Jürgen Klopp mit brillanten Spielchen den Hype um ein Match beeinflussen konnte. Dortmunds Boss Joachim Watzke spürte das genau, aber er war machtlos. Klopp ist es perfekt gelungen, den Fokus auf sich zu zoomen und den BVB weit unter seinen Möglichkeiten zu halten.
Die Anfield Road wird brennen, meinte Klopp nach dem Remis. Ich werde mit meinem Sohn hinfahren. Dort ist, anders als im Signal­Iduna-Park, noch nicht alles von Klopp signiert. Und deshalb wird es für Dortmund sehr viel einfacher und am Ende reichen.