Gary Lineker
Gary Lineker

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Gesellschaft
07/03/2016

Mediamarkt

Sven Gächter über das Twitter-Phänomen Gary Lineker.

von Sven Gächter

Auf Gary Lineker ist Verlass. Die englische Fußballlegende versorgt die Welt unermüdlich mit Weisheiten der eher hemdsärmeligen Sorte. Unvergessen sein Aperçu aus dem Jahr 1990: "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen.“ Inzwischen ordiniert Lineker neben seiner Kommentatorentätigkeit für diverse TV-Sender hauptamtlich auf Twitter. 19.144 Tweets hat er bisher abgesetzt, 4.879.205 Follower hält er damit bei Laune. Sein Themenspektrum beschränkt sich keineswegs auf sportliche Agenden. Am Tag des EU-Referendums in Großbritannien schrieb er: "Whatever the result, Farage will always be a dick.“ Das ist einerseits so wahrhaftig, andererseits so rustikal, dass wir auf eine Übersetzung hier besser verzichten.

"Bloody hell!"

Am Morgen nach dem "Leave“-Votum verschlug es selbst Lineker zunächst schier die Sprache: "Bloody hell!“ In der Folge fand er zwar seine Fassung nicht wieder, aber immerhin gebührend markige Worte. "Ich schäme mich für meine Generation“, twitterte er: "Wir haben unsere Kinder und Kindeskinder im Stich gelassen.“ Ungefähr zur selben Zeit schlug Donald Trump in Schottland (ausgerechnet Schottland!) auf und goss seine Brexit-Euphorie in einen erwartungsgemäß stumpfsinnigen Tweet: "Sie haben ihr Land zurückerobert, so wie wir Amerika zurückerobern werden.“ Lineker katapultierte sich aus der Hölle schnurstracks in den Himmel: "Heaven help us! This fella is beyond parody.“ In Wahrheit tritt die Parodie mittlerweile fast flächendeckend an die Stelle der Realität - und dem Himmel ist es sch***egal.