© Walter Wobrazek

Gesellschaft
11/01/2016

Mediamarkt

Konditionierung in der heimischen Innenpolitik.

von Sven Gächter

Der heimische Politbetrieb hat im Lauf der Jahrzehnte ein Repertoire von Verhaltensmechanismen ausgebildet, deren Komplexität ungefähr jener eines zweiteiligen Puzzles entspricht. Ein Reformvorschlag aus den Reihen der SPÖ zum Beispiel muss von der ÖVP postwendend und aufs Schärfste zurückgewiesen werden. Dasselbe gilt umgekehrt naturgemäß für jeglichen Vorschlag aus den Reihen der ÖVP. Stoisch geschulte Beobachter sehen darin übrigens die unverbrüchliche Basis für den einzigartigen groß-koalitionären Zusammenhalt. Die FPÖ hingegen gibt sich mit Vorschlägen nicht zufrieden, sie operiert seit Jörg Haider konsequent mit dem Stilmittel der Provokation, mittlerweile vorzugsweise über die Facebook-Site von Heinz-Christian Strache verbreitet. Die Provokation wird von den politischen Gegnern in der Regel postwendend als solche erkannt und aufs Schärfste zurückgewiesen, was in den Reihen der FPÖ wiederum reflexhaft mit ohnmächtiger Empörung über die beispiellosen Verstöße gegen das hohe Gut der Meinungsfreiheit vergolten wird. Stoisch geschulte Beobachter sind in diesem monotonen Hin und Her übrigens nicht vorgesehen; sie würden schulterzuckend auf dessen repetitiven Charakter verweisen und sich damit unweigerlich als Spielverderber enttarnen. Der berühmte Pawlow’sche Hund hatte den Menschen immerhin etwas voraus: Er reagierte auf einschlägige Stimuli nur mit unvermitteltem Speichelfluss. Sonst verhielt er sich ruhig - er bellte nicht einmal. Konditionierung kann also auch ganz gesittet ablaufen.

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