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Mehr Wiener Spittelberg-Feeling geht kaum: Das vegane „Soula“

Essen mit gutem Gewissen: In der sogenannten „Mindful Eatery“ Soula wird auf Alkohol und Fleisch verzichtet.

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Schließen Sie bitte kurz die Augen und stellen Sie sich das folgende Szenario vor: Sie müssen in der österreichischen Hauptstadt einen geeigneten Standort für ein rein veganes und ganz ohne Alkohol auskommendes Restaurant finden. Wobei: Vegan ist nicht genug. Eine „Mindful Eatery“ soll es werden, nicht weniger!

Sie können die Augen wieder öffnen. Es gibt für solche Lokalkonzepte natürlich nur eine wirklich sinnvolle Location: den Spittelberg in Wien-Neubau. Elisabeth Xi und Fabian Galik sind hier mit ihrem neuen, veganen, alkoholfreien „Soula“ auch in bester „Mindful“-Gesellschaft: Gleich ums Eck im „Pizzis & Cream“ werden vegane Pizzen serviert, der Bistro-Ableger des Wiener Paradevegetariers „Tian“ ist auch nicht weit.

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Für Nichtwiener: Dieser Berg neben der U2 ist vor allem für zwei Dinge berühmt: rasende Gentrifizierung und einen äußerst beliebten Weihnachtsmarkt. In der herzergreifenden Zeit zwischen Mitte November und Ende Dezember scheint es die heilige Pflicht einer jeden Einwohnerin und eines jeden Einwohners zu sein, diesen zumindest ein Mal ungebeten als den „wohl schönsten“ der Stadt zu bezeichnen.

Im „Soula“ ist es aber auch sehr schön: Frau Xi ist bei unserem Besuch gerade dabei, eine Mitarbeiterin einzuschulen, und immer wieder huschen Herren im Bauarbeiter-Outfit durch das gerade noch in der Soft-Opening-Phase befindliche Lokal.

Vegane Küche wird im „Soula“ hauptsächlich als Nachbau der eher nicht pflanzenbasierten Wiener Küche mit Fleischersatzprodukten interpretiert – so wie es beispielsweise das „Velani“ in der Schönbrunner Straße in Wien-Meidling bereits vormacht.

Herzhaft geht es mit einem unter dem Menüpunkt „Vorspeise“ firmierenden Gulasch (Bild ganz oben) los – und es gibt davon sowohl Positives als auch Durchschnittliches zu berichten. Ein kleines Problem besteht in den Relationen: Für eine Vorspeise ist das zu viel vom Sojafleisch. Dieses hat dafür eine angenehme Struktur, guten Biss und, ja, ein fleischiges Aroma. Der Saft ist herrlich scharf, dafür aber ein bisschen zu lauwarm. Völlig unverständlich bleibt der Umstand, dass das wirklich sehr ungleichmäßig getoastete Schwarzbrot praktisch im Gulasch schwimmt – das gehört wirklich à part serviert.

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Zur Hauptspeise steht auf der (leicht abgespeckten) Mittagskarte das Gulasch gleich noch mal sowie außerdem ein Zwiebelrostbraten und ein Bärlauch-Risotto. Einmal Fleischimitat ist mir genug, das Bärlauch-Risotto (Bild oben) überzeugt vollumfänglich: schön sämig, wie es sich gehört, der Reis trotzdem noch mit einem bissfesten Kern. Zum Bärlauch gesellen sich noch Jungzwiebel und ein paar Cocktailtomaten – ein sehr schöner, rundum gelungener Teller.

Das Dessert holt dann nicht nur die Veganer ab, sondern auch noch die Allergiker: Der glutenfreie Cheesecake (Bild unten) ohne tierisches Produkt ist cremig und wird mit einem klassischen Himbeer-Fruchtspiegel getoppt. Und die Mindfulness zahlt sich in diesem Fall offenbar aus: Nicht oft schmeckt dieses Dessert so gut wie hier.

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Im „Soula“ arbeitet ein unglaublich engagiertes und nettes Team, das hier eindeutig abliefern will. Aber das Konzept? Schau ma mal. Ich bin mir nicht sicher, ob die Zielgruppe wirklich so groß ist, wie es die Vegan-Bubble gerne haben würde. Wenn der Tierprodukt- und Alkoholverzicht allerdings irgendwo funktionieren kann, dann bestimmt hier, am wirklich sehr schönen Spittelberg in Wien-Neubau.
 

Stimmung: Essen bei Freunden 
Empfehlung: Nicht nur die Fleischimitate probieren  
Preisverhältnis: Vorspeisen 7–11 Euro, Hauptspeisen 14-22 Euro, 
Dessert 6,50–12 Euro 

Soula
Schrankgasse 10 
1070 Wien
Mi, Do, So: 11–22 Uhr, Fr, Sa: 11–23 Uhr
soula.wien. 

Stephan Graschitz

Stephan Graschitz

ist als Chef vom Dienst bei profil tätig.