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Gesellschaft
03/02/2020

profil-Morgenpost: Krankheits-Erregung

Guten Morgen!

von Angelika Hager

Angelika Hager

Haben Sie genug Linsen gebunkert? Sind Ihre Schutzmasken gediegene Ware, also „not made in China” und griffbereit? Oder gehören Sie zum Menschenschlag Hooligan-Schubser oder Polizisten-Oida-Nenner? Sind also ein Typ, der jede Form von Risiko prickelnd findet und aller Krankheits-Erregung zum Trotz vermeldet: „Menschenansammlungen meiden? Geht's noch? Ich lasse mir doch wegen so einem hysterischen Seuchen-Tralala mein Leben nicht vermiesen!”

Wenn Sie in diese Kategorie fallen und außerdem auf eine regelmäßige voyeuristische Grundversorgung Wert legen, sind Sie möglicherweise am vergangenen Aschermittwoch in das rustikale Etablissement „Prateralm” in der Wiener Leopoldstadt gepilgert. Dort hinkte H.C. Strache (nicht nur physisch und OP-bedingt) durch ein Comeback mit seiner neuen Partei DAÖ (sperrige Langversion: Die Allianz für Österreich), das die profil-Spezialistin für jede Form von Rechtsextremismus Christa Zöchling in ihrer Reportage „Der Wiedergänger” gewohnt hellsichtig beleuchtet.

Wie Harvey Weinstein (dessen Urteil und die weltweiten Konsequenzen in der Geschichte „Der Monsterfall” analysiert werden), ist auch „Hazeee” von seiner Unschuld felsenfest überzeugt. Phrasen wie „Unglaublich, diese Anpatzungen”, „Zu welchen Mitteln die Gegner greifen” oder „Das könnte jedem von euch passieren!” wurden vom Rednerpult aus gedroschen, doch beim Anblick des so saftlos wirkenden, einstigen Scharfmachers schrammte profil-Redakteurin Zöchling nahe am Mitleid und benutzte sogar das Adjektiv „rührend”. Tragisch-komisches Verbal-Highlight des Auftritts: „Wenn man seine Kinder heute gewaschen, frisiert und mit einer Jause in die Schule schickt, ist man schon Rechtsextremist.”

Und ja, natürlich. Da war doch noch was. Selbstverständlich widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe dem Thema Nummer Eins. Ein Autorenteam, bestehend aus Thomas Hoisl, Edith Meinhart, Rosemarie Schwaiger und Jakob Winter, untersucht alle Facetten des Phänomens SARS-CoV-2, das seit vergangener Woche auch in Österreich angekommen ist. Besonderes Augenmerk legt unser Autorenteam auf die Vorbereitungsmaßnahmen von Politik und medizinischer Versorgung und gewährt Einblicke in den „situation room” im Bundesministerium für Inneres, wo die „Siebener Lage” für das Management des Alarmzustands zuständig ist.

Ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörken ergänzt die Hard-Facts-Geschichte zum Corona-Virus, der die Verbreitungs-Dynamiken im digitalisierten Zeitalter angesichts kollektiver Panik analysiert. Sein Fazit: „Vor 30 Jahren, da waren wir uns sicher: Mehr Information macht uns automatisch mündiger. Heute müssen wir anerkennen: Mehr Information erhöht die Chancen effektiver Desinformation.”

Spannende Lektüre im keimfreien Ambiente wünscht Angelika Hager

P.S. Gibt es etwas, das wir an der "Morgenpost" verbessern können? Das Sie sich von einem Newsletter in aller Herrgottsfrüh wünschen würden? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, dann lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen.