"Muttertag": 8 Fakten zur Film-Komödie von Harald Sicheritz

"Muttertag": 8 Fakten zur Film-Komödie von Harald Sicheritz

Crocodile Dundee, Muttertagsgedichte und soziale Brennpunkte: Jedes Jahr zum Muttertag wird der gleichnamige Film von Harald Sicheritz im TV wiederholt (ab 22:15 im ORF). profil online präsentiert acht Fakten zur Komödie mit Roland Düringer und Alfred Dorfer.

1. Kein Film

Muttertag wurde nicht originär für die Leinwand konzipiert, der Film basiert auf einem Kabarettstück der Gruppe Schlabarett.

2. Achtmal Düringer

Das besondere an Muttertag ist, dass vor allem fünf Schauspieler den Großteil der Rollen spielen. Die vier Schlabarettisten Alfred Dorfer, Roland Düringer, Andrea Händler und Rainhard Nowak sowie Eva Billisich verkörpern insgesamt 24 Rollen. Absoluter Spitzenreiter darunter ist Roland Düringer, er verkörpert ganze acht Protagonisten (Opa Neugebauer, Briefträger, Mitglied aus Mischas Jugendgruppe, einen Drogeriemarkt-Kunden, Pfarrer, den Autofreak-Nachbarn, die ältere Nachbarsfrau und einen Radfahrer bei der Tankstelle).

3. Zitate als "geflügelte Wörter"

Die Zitate aus dem Film sind mittlerweile mehr als nur Kult geworden. Teilweise sind sie als sogenannte „geflügelte Wörter“ (Redewendungen, die Lebenserfahrungen treffend auf den Punkt bringen) in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, allen voran der Spruch „I sog’s glei, i wor’s ned“ von Opa Neugebauer. Oder auch die scherzhafte Redensart „Pudel di ned auf, Hustinettenbär“.

4. Das Muttertags-Gedicht

Das Gedicht, das Protagonisten ihren Müttern vortragen stammt von Eva Rechlin, einer deutschen Schriftstellerin, die in den Fünfzigerjahren Romane, Jugendbücher, Stücke sowie Liedtexte veröffentlichte. Der vollständige Text lautet:

Wir wären nie gewaschen
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär das Hemd,
wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn du nicht täglich sorgtest,
dass alles klappt und stimmt.
Wir hätten nasse Füße
und Zähne schwarz wie Russ
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.
Wir könnten auch nicht schlafen,
wenn du nicht noch mal kämst
und uns, bevor wie träumen,
in deine Arme nähmst.
Und trotzdem! Sind wir alle
auch manchmal eine Last:
Was wärst du ohne Kinder?
Sei froh, dass du uns hast.

5. Kein Geld und von wegen Kult

Roland Düringer und Alfred Dorfer waren damals zwei Drehbuch-Neulinge, als sie das Konzept für Österreichische Filmförderungen einreichten, noch dazu mit einem Regie-No-Name namens Harald Sicheritz. So wurde „Muttertag“ erst bei der vierten Einreichung gefördert, da die Verantwortlichen zwei Jahre lang nicht glauben wollten, dass 5 Leute soviele Rollen spielen können. Zudem bekam der Film bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1992 vorwiegend negative Kritiken. Etwas mehr als 89.000 Besucher sahen „Muttertag“ im Kino (zum Vergleich: Die Mundl-Verfilmung „Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga sahen 372.000 Menschen). Inzwischen ist der Film über jede geschmacklichen Diskussion erhaben und Teil der Gegenwartskultur geworden. Bei einer Umfrage von Ö3 im Jahr 2012 und von TV-Media im Jahr 2011 wurde er als „Bester österreichischer Film aller Zeiten“ gekürt.

6. Crocodile Dundee lässt grüßen

Die Szene, in der Roland Düringer als Kunde des Geschäftes auf die Zückung einer Waffe des Kaufhausdetektives und „Hustinettenbärs“ mit dem Satz reagiert: „Bitte das ist ja keine Waffe. DAS ist eine Waffe“ ist eine Anlehnung an eine Szene aus „Crocodile Dundee“ aus dem Jahr 1986, in der der Protagonist sein Messer zückt. „Muttertag“ spielt das Spielchen jedoch noch weiter, als die Kassadame mit den Worten „Nein, meine Herren, ich muss sie eines besseren belehren, aber DAS ist eine Waffe“ noch einmal nachsetzt.

7. Die Musiker

Für die musikalischen Einlagen in „Muttertag“ zeichnete sich die Band Wiener Wunder verantwortlich, denen auch Regisseur Harald Sicheritz (am Bass) und Günther „Gunkl“ Paal (am Saxophon) angehörten. Mit dem Song „Loretta“ hatte die Band 1986 sogar einen Top-Ten-Hit in den Charts.

8. Sozialer Brennpunkt "Am Schöpfwerk"

Gedreht wurde „Muttertag“ in der Wiener Wohnhausanlage „Am Schöpfwerk“ in Wien-Altmannsdorf im Bezirk Meidling. Die Wohnhausanlage mit ihren hohen Häusern gelangte immer wieder durch soziale Spannungen und Konflikte in die Schlagzeilen und diente als Negativbeispiel für die Stadtentwicklung durch das negative Image. Allerdings ließ sich das Bild des Ghettos mit hoher Kriminalität durch Kriminalstatistiken nie belegen.

(Red)